Vögel zwitschern, ein kleines Flugzeug knattert am Himmel. Ansonsten Stille. Kein Mensch ist zu sehen. Die Wohnsiedlung Egelsee scheint ausgestorben. Dann doch am Ende der Straße eine alte Dame. Sie bewegt sich langsam auf ihr Haus zu. Magdalena Heyne hat graue Haare, sie sind etwas zu lang. Eigentlich wollte sie zum Friseur. Doch der ist in Jettenhausen und eine Busverbindung von Berg gibt es nicht. "Es ist schade. Früher gab es einen Bus, der in die Gartenstadt gefahren ist, heute nicht mehr", sagt die 87-jährige Anwohnerin.

Wie Sebastian Dix, Pressesprecher der Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH, auf Nachfrage des SÜDKURIER mitteilt, sei die Linie nach Jettenhausen im Jahr 2010 weggefallen. "Der Grund war, dass auch nach mehr als zehn Jahren Betriebsdauer die durchschnittliche Fahrgastzahl je Fahrt im unteren einstelligen Bereich lag", erklärt Dix. Auf Basis einer Kundenbefragung werden Verbesserungsmöglichkeiten im Stadtteil Ailingen-Berg untersucht. Wie es bei einem Pressegespräch der Stadtverkehr GmbH hieß, steht das Ergebnis derzeit noch nicht fest. Magdalena Heyne merkt an:"Wenigstens fährt jetzt mal ein Bus zum Klinikum, der ist früher nämlich nicht gefahren. Mit dem komme ich auch in die Stadt."

Fast ihr gesamtes Leben hat die 87-Jährige in der Straße Egelsee verbracht. "Ich wohne seit 1962 hier", sagt Heyne und lächelt, "es hat sich nicht viel geändert im Egelsee, außer dass neue Häuser und benachbarte Siedlungen gebaut wurden." Auf den Flächen, die jetzt mit Reihenhäusern versehen sind, waren früher Bäume, Obstgärten und Felder zu sehen. Magdalena Heyne wohnt gerne in der Siedlung. Hier kennt sie die Menschen, hier fühlt sie sich wohl. "Mein Sohn wohnt direkt nebenan. Das ist schön. So kann ich meinen Enkel jeden Tag sehen", erzählt die 87-Jährige. Im vergangenen Jahr sei ihr Mann gestorben. Ohne ihren Sohn wäre sie alleine. "Es ist gut, dass nicht alles leer ist, seit er weg ist", sagt Magdalena Heyne.

Eine beliebte Wohngegend: Die Straße Egelsee in Berg.
Eine beliebte Wohngegend: Die Straße Egelsee in Berg. | Bild: Mona Lippisch

Im Egelsee wohnen hauptsächlich Familien. Eine davon ist Familie Kootsch. "Es ist hier toll für Kinder. Wir haben einen Garten und Lara kann auf der Straße selbstständig mit ihren Freunden spielen", sagt Bianca Kootsch, "als Mutter kann ich meine Tochter beruhigt auf die Straße lassen". Die Anwohnerin erinnert sich noch gut an ihre eigene Kindheit. Sie ist in Berg aufgewachsen, in einer Nebenstraße der Siedlung Egelsee. "Ich habe schöne Erinnerungen an früher. Als ich Klein war, waren wir viel draußen unterwegs – mit den Hunden unserer Nachbarn", blickt sie zurück. Mit diesem Gefühl der Freiheit ist sie – nachdem sie einige Jahre in der Nähe des Bodenseecenters in Friedrichshafen gelebt hat – wegen ihrer Tochter Lara wieder nach Berg gezogen. "Früher habe ich immer gesagt: Ich ziehe nie wieder her. Der letzte Bus ist abends um halb acht gefahren, man kam hier nicht mehr weg", erzählt die junge Mutter.

In der Straße würden derzeit wieder mehr Kinder wohnen, als noch vor einigen Jahren. Das freut die sechsjährige Tochter von Bianca Kootsch. Lara ist gerne draußen beim Spielen: "Am liebsten fahr ich Fahrrad, aber da müssen Mama oder Papa dabei sein." Auch ein Spielplatz, auf dem sie sich mit ihren Freunden austoben kann, ist nicht weit entfernt.

Neben jungen und alten Familien wohnen auch Studenten in einem Haus der Straße. "Die Lage hier ist sehr beliebt, das habe ich beim Vermieten festgestellt. Ich kann mir aus vielen bewerbenden Studenten immer passende aussuchen", sagt Grundstückbesitzer Albrecht Bosch. Er selbst wohnt in Tuttlingen, kommt bei Gelegenheit aber gerne her. Aktuell, um den Wasserschaden im Keller zu beseitigen, der bei einem Unwetter entstanden ist. "Schade finde ich nur, dass es gerade von zwei Seiten sehr verkehrsreich ist. Hoffentlich wird es durch die neue Umgehung der B 31 in der Straße ruhiger."

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Die Straße Egelsee gehört zu Berg. Berg ist ein Stadtteil von Friedrichshafen und gehört zur Ortschaft Ailingen. Im Jahr 1200 wurde Berg als "Berge" erstmals urkundlich erwähnt. Begütert waren unter anderem das Domstift Konstanz und das Kloster Löwental. Das heutige Berg zieht sich durch die neuzeitliche Siedlungsbebauung von der Rotach bis nach Heiseloch. Die Siedlung Egelsee wurde im Jahr 1962 als sogenannte "Wüstenrot-Siedlung" genehmigt. "Alle Häuser in der Straße entstanden durch die Hausbau Wüstenrot GmbH", sagt Monika Blank, Pressesprecherin der Stadt.

Was fehlt in meiner Straße

65 Menschen sind in der Straße bei der Ortsverwaltung Ailingen gemeldet

27 ist die höchste Hausnummer

6 Seitenwege gehören zur Straße

30 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit sind erlaubt

200 Meter Entfernung sind es bis zum Berger Spielplatz

4,2 Kilometer Entfernung sind es bis zur Stadtmitte

6 Minuten brauchen Anwohner mit dem Auto bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit. Das ist Edeka Sulger in Ailingen

30 Busse fahren unter der Woche von Berg ab

28 Fahrten gibt es samstags

15 Busse fahren sonntags

Um 23.05 Uhr verkehrt täglich der letzte Bus mit der Abendlinie A 16

Blick in die Geschichtsbücher

Ein eigener Einkaufsmarkt. "Früher hat's hier mal einen Laden gegeben, aber der war schnell wieder weg", sagt Anwohnerin Magdalena Heyne. Wie Pressesprecherin Monika Blank mitteilt, gibt es in Berg eine Bäckereifiliale, die Huber-Orthopädie-Schuhtechnik sowie mehrere Hofläden.

Eine Busverbindung nach Jettenhausen. Im Jahr 2010 wurde sie wegen zu niedriger Fahrgastzahlen abgeschafft. Zurzeit gibt es keine direkte Verbindung.

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