Immer mehr Menschen wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie diese produziert wurden. Abnehmer können jetzt sogar noch einen Schritt weiter gehen und selbst zum Bauern werden: In Fischbach ist eine solidarische Landwirtschaft (Solawi) entstanden. "Sich die Ernte teilen" lautet das Motto der Gemeinschaft zwischen Verbrauchern und Erzeugern. Eine Solawi soll nicht nur den Ansprüchen der Kunden gerecht werden, sondern auch dem Farmer helfen.

"Für ein Jahr nehmen die Interessenten von einem Landwirt das Obst oder Gemüse ab. Sie gehen dann nicht mehr zum Markt oder haben eine Abo-Kiste, sondern verpflichten sich, den Landwirt zu unterstützen", erklärt Ursula Gérard die Spielregeln. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Scholl hat sie sich dazu entschlossen, ein solches Projekt zu starten. Etwa 50 Ernteanteile kann das Ehepaar an Kunden vergeben. Das Budget, das erstellt wird, werde dann unter den Teilnehmern aufgeteilt.

Jeder Abnehmer wird laut Ursula Gerard wöchentlich mit Obst und Gemüse beliefert. "Alles ist regional, saisonal und eben – ganz wichtig – in Bio-Qualität", sagt sie. Im Konzept der Solawi sieht Gerard viele Vorteile: Es gebe eine größere Vielfalt, Raritäten und alte bewährte Sorten; die Käufer wissen dann, wo Obst und Gemüse herkommen, können beim Pflanzen und beim Pflegen mithelfen und sehen das Angebaute wachsen. "Man bekommt wieder einen Bezug zur Natur", meint Gérard. Als zusätzliches Angebot hat das Ehepaar eine Gartenschule, in der über das Jahr verteilt einige Kurse stattfinden. "Wer etwas lernen möchte, der kann hier dazustoßen", sagt Gérard.

Preislich sei man, so die Gärtnerin, "besser dabei". Werde alles zusammengerechnet, was wächst, sei es günstiger, als die Waren auf dem Markt einzukaufen. "Man bekommt mehr für sein Geld, auch Raritäten. Aber natürlich ist das alles wetterabhängig", erklärt Gérard.

Auf einer Fläche im Deggenhausertal werden vor allem Beerensträucher und Gehölze kultiviert, in Fischbach Gemüsekulturen und Kräuter, damit die Wege möglichst kurz sind und alles erntefrisch auf den Tisch kommt. Gérard und Scholl aus Fischbach sind nicht die einzigen, die eine Solawi gegründet haben. "Es gibt hier am Bodensee zum Beispiel die Solawi in Ravensburg, in Bad Waldsee und Raderach", zählt Gérard auf. Konkurrenz zwischen den Landwirten gebe es keine, stattdessen seien es Kooperationen. "Jeder Ortsteil könnte eigentlich eine Solawi haben und dann eben genau die Menschen vor Ort mit Obst und Gemüse beliefern", findet die Gärtnerin.

Träger der Solawi in Fischbach ist der Verein Garten der Fülle. "Momentan befinden wir uns noch in der Aufbauphase. Sobald zwei der Gründungsmitglieder aus ihren Flitterwochen zurückkommen, geht es dann los", erzählt Gérard. Momentan haben die Landwirte etwa zehn Kunden. "Wir haben gesagt, wir starten einfach mal, weil wir Lust drauf haben", sagt Gérard.


Das Gärtner-Ehepaar stellt die Fischbacher Solawi am Donnerstag, 23. März, von 17 bis 18 Uhr in der Dornierstraßes 75 in Friedrichshafen-Fischbach vor.


Das Projekt

Solidarische Landwirtschaft (Solawi) ist ein Konzept, bei dem mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs tragen. Im Gegenzug erhalten sie einen Teil des Ernteertrags. Verbraucher schließen sich dafür mit einem Landwirt oder Gärtner für ein Wirtschaftsjahr zusammen. In diesem Zeitraum werden sie wöchentlich mit frischem Obst oder Gemüse beliefert. Durch persönlichen Bezug erfahren sowohl Erzeuger als auch Konsumenten die Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft.