Wer zum Beispiel im Bereich der Freitreppe in Friedrichshafen Abkühlung im Bodensee sucht, begeht nach der Polizeiverordnung eine Ordnungswidrigkeit. Eine SÜDKURIER-Umfrage unter Einheimischen und Besuchern ergab, dass dieses seit mindestens zehneinhalb Jahren existierende Verbot vielen unbekannt ist. Auf der Facebook-Seite der Redaktion wird seither rege diskutiert und auch Leserbriefe sowie Kommentare auf SÜDKURIER Online zeigen: Dieser "alte Hut" bewegt.

 

Manche Facebook-User lassen sich durch diese Regelung irritieren. „Wenn’s mir im Sommer heiß ist und ich grad einen See neben mir hab, geh ich auch rein“, lautet etwa ein Kommentar auf der Facebook-Seite der Häfler Lokalredaktion. „Ich hüpfe im Sommer (fast) täglich morgens in der Seestraße ins Wasser“, schreibt ein anderer Nutzer. Oder: „Mir wurscht, geh‘ trotzdem an der Freitreppe ins Wasser, wenn‘s sein muss auch bekleidet.“ User „Streichholz 1964“ meint auf SÜDKURIER Online: „Lasst die Menschen doch schwimmen, wenn sie wollen. Das hat Jahrtausende funktioniert, jeder auf eigene Gefahr natürlich.“

Zugleich sind aber auch Verständnis und Zustimmung unter den Kommentaren zu finden. Die Frage nach der Begründung des Verbots beantwortet eine Userin bei Facebook beispielsweise so: „Weil sicher wieder alles ausartet wie überall. Da würden sie mit Handtüchern, Sonnenschirmen, Schlauchbooten, (…) baden gehen. Toller Anblick an der Promenade.“ In einem anderen Kommentar wird es als „nicht so prickelnd“ beschrieben, während des Kaffee-Genusses im Beach-Club von „lauter Halbnackerten“ umgeben zu sein. „Stören tun mich nur komplett nackte Kinder, die dann zu ihren Eltern an die Beach-Club-Tische laufen“, ist außerdem zu lesen.

Könnten entsprechende Schilder Abhilfe schaffen? „Verbotsschilder würde nichts nützen“, kommentiert eine Userin auf Facebook: „Hält sich ja eh niemand dran ... genau wie ans Radfahrverbot.“ Das im Sommer geltende Radfahrverbot treibt auch andere User um: „So lange die Radfahrer keine Strafe bekommen fürs Fahren an der Promenade, werden die Leute auch weiterhin dort schwimmen gehen“, heißt es etwa. „Wozu gibt es den See?“ User „Miche“ schreibt in seinem Kommentar auf SÜDKURIER Online: „Es wäre so viel sinnvoller, das Fütterungsverbot wegen der Gefahr der Wasserverkeimung zu kontrollieren. Man kann das tagtäglich beobachten, dass die Leute sich oft nicht darum scheren. Im übrigen ist das Verbotsschild wirklich erneuerungsbedürftig. Ebenso habe ich noch nie erlebt, dass Radfahrer auf ihr Fehlverhalten hingewiesen werden.“

In einem Leserbrief im SÜDKURIER war zu lesen: „Juristisch hat die Stadt Recht, eine verkündete Polizeiverordnung gilt auch ohne Schilder im Einzelfall. An der östlichen Uferstraße sind aber Schilder mit Verbot von Zelten, Lagern und so weiter, was auch in der Polizeiverordnung steht.“ Die Stadt solle Verbotsschilder aufstellen, zumal Baden an der Freitreppe wahrscheinlicher sei, als Zelten und so weiter – oder dort das Baden freigeben, wie weiter westlich. „Was ist denn an der Freitreppe so gefährlich – mehr als anderswo?“

Anderswo ist für eine Facebook-Userin überhaupt die beste Alternative: „Wer badet auch an der Uferpromenade“, fragt sie. „Rechts und links von FN Stadt gibt's doch genug Möglichkeiten.“