Erst am Vortag sind die letzten Container abgebaut worden, jetzt ist der Weg frei zwischen dem Neubau der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) auf dem Campus Fallenbrunnen und dem Hauptgebäude. Obwohl die offizielle Einweihung erst im Oktober stattfinden soll, nutzt die DHBW ihr Familienfest zu einer Art Einweihungsfest in kleinem Rahmen. "Ich freue mich, dass die große Platznot, die an allen Ecken und Enden geherrscht hat, ab dem kommenden Studienjahr erst einmal Geschichte ist", sagt Herbert Dreher, Rektor der DHBW Ravensburg. Vor allem freue er sich für die neuen Möglichkeiten für die Studierenden. "Unsere Studenten sind das Wertvollste, das wir in dieser Gesellschaft haben", sagt er.

Steigende Studentenzahlen machten Neubau nötig

"Dass wir in der Stadt Friedrichshafen so gut situiert sind, liegt nicht an Bodenschätzen und nicht nur am See und den Äpfeln. Es liegt an Innovationskraft und Spitzentechnologie", sagt auch Bürgermeister Andreas Köster. Daher dürfe es bei der Förderung des Nachwuchses keine Engpässe geben. "Wir brauchen Ausbildungs- und Studienstätten, die fortschrittlich sind, die nicht Frontalunterricht betreiben, sondern Begeisterung wecken", sagt er. Die steigenden Studentenzahlen an der DHBW zeigten jedenfalls, dass es hier nicht langweilig sei.

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Allein in diesem Jahr starten 528 Studienanfänger auf dem Campus Technik in Friedrichshafen. Von 2010 bis 2018 stieg die Zahl der angehenden Ingenieure der Fakultät für Technik von 800 auf 1 244. Das DHBW-Präsidium beschloss deshalb 2013 den Neubau. "Acht Millionen Euro konnten wir dafür ausgeben und wir haben daran geglaubt, dass die Region die zusätzlichen Mittel herbeischafft", sagt Wolf Dieter Heinbach, Kanzler der DHBW. Zwei Millionen steuerten Spender und Sponsoren bei, neben der regionalen Industrie auch die Zeppelinstiftung. "Nur wenn wir investieren, vor allem in die Köpfe, kann Großartiges wachsen", ist Heinbach überzeugt.

Weitere Labore entstehen im RITZ

Der Neubau ist in Modulbauweise errichtet, so dass es vom Spatenstich im Juli 2017 nur ein gutes Jahr bis zur Fertigstellung dauerte. "Das Gebäude steht auf über 300 Grundpfeilern, die neun Meter tief in den Boden reichen", sagt Campusleiter Heins-Leo Dudek. Das Wachstum des Technik-Campus im Fallenbrunnen ist aber noch nicht beendet. Weitere Labore sollen in das in direkter Nachbarschaft geplante "Regionale Innovations- und Technologietransfer Zentrum" (RITZ) einziehen. "Ab 2020 werden wir hier eine sehr kompakte Campussituation haben", sagt Dudek und eröffnet damit das Sommerfest.

Neubau hat 2 400 Quadratmeter Fläche

Im zweigeschossigen Gebäude, das in Leichtbauweise errichtet wurde, befinden sich Seminar- und Vorlesungsräume, PC-Arbeitsplätze sowie Labore.

Bild: Corinna Raupach

Im Erdgeschoss finden Labore etwa für Werkstoffprüfung, 3D-Technologien, Hochvolt-, Laser- und Leichtbautechnik ihren Platz. Auch zwei studentische Projekte haben hier ihre Werkstätten, das Formula Student-Team (GFR) und das Team Electric Drive and Infrastructure (EDI). Das noch in einem Container untergebrachte EMV-Labor und der Maschinenprüfstand sollen in das 2020 nebenan gepante "Regionale Innovations- und Technologietransfer Zentrum" (RITZ) umziehen. Rund zehn Millionen Euro hat der Neubau gekostet und hat eine Nutzfläche 2 400 Quadratmetern.

Theorie und Praxis im Wertstofflabor

Im Werkstoffprüflabor können die Studierenden Materialien zum Beispiel schütteln, unter Druck setzen oder ihre Abrisskanten unter dem Mikroskop prüfen.

Im Werkstoffprüflabor können die Studierenden die Materialien zum Beispiel schütteln, unter Druck setzen oder ihre Abrisskanten unter dem Mikroskop prüfen.
Im Werkstoffprüflabor können die Studierenden die Materialien zum Beispiel schütteln, unter Druck setzen oder ihre Abrisskanten unter dem Mikroskop prüfen. | Bild: Corinna Raupach

Die Verbindung von Theorie und Praxis wird großgeschrieben. Im Erdgeschoss reiht sich ein Labor ans Nächste. Im MSR-Labor warten Geräte für Mess- und Regelungstechnik, im Leichtbau-Labor stehen Teile der Rakete Ariane 5 in CFK-Bauweise. Im Labor für Elektromobilität wartet eine Kawasaki-Mule. Studierende haben sie schon mit einem Elektromotor ausgestattet, jetzt soll sie noch das Autonome Fahren lernen. An der Wand lehnen E-Bikes, frisch zurück vom 1000 Kilometer-Testlauf. Das Stereo X Labor für virtuelle Welten ist bis auf zwei 3D-Drucker noch leer.

"ZF Technology Lab" für große Exponate

Die große Halle – das "ZF Technology Lab" – ist mit einem Hubkran ausgestattet, der bis zu fünf Tonnen schwere Exponate transportieren kann.

In der großen Halle finden Helikopter- und Flugzeugsimulator, Luftschiff und CFK-Ofen ihren Platz.
In der großen Halle finden Helikopter- und Flugzeugsimulator, Luftschiff und CFK-Ofen ihren Platz. | Bild: Corinna Raupach

Durch große Rolltore können weitere große Ausstellungsstücke eingebracht werden – oder auch die sperrigen Rennwagen des Racing-Teams. Im Boden ermöglichen Spannschienen in der großen Halle die feste Verankerung etwa vom Helikopter-Simulator. Dieser soll weiter entwickelt werden: er bekommt eine Projektionskuppel und wird auf eine mobile Plattform montiert werden, die die Flugbewegungen nachahmt. Der CFK-Ofen, in dem die Leichtbauer ihre Materialien verbacken, ist bereits installiert, ebenso wie der Flugzeugsimulator. Auch das Luftschiff wird hier seinen Platz finden.

Der große Saal

Der große Saal, in dem Rektor Dreher für die Begrüßung seiner Gäste ans Mikrofon tritt, steht für den gesamten Neubau. "Rechteckig, quadratisch, gut", nennt ihn Campuschef Dudek.

Der großen Saal ist mittels Trennwänden in vier Seminarräume teilbar.
Der großen Saal ist mittels Trennwänden in vier Seminarräume teilbar. | Bild: Corinna Raupach

Große Fenster, klares Design, moderne Präsentationstechnik und strapazierfähige Böden zeichnen die Räume aus, vor allem aber ihre Zweckmäßigkeit und Flexibilität. Der große Saal etwa ist mit Trennwänden in bis zu vier Seminarräume teilbar. Die Richtgröße für Vorlesungen und Seminare an der DHBW sind rund 30 Teilnehmer. Darauf sind alle Vorlesungs- und Seminarräume sowie Labore ausgerichtet. Auch die Studienvertretung hat einen Raum, der mit einer flexiblen Wand zum Versammlungsraum zu erweitern ist.