Autos, Lastwagen oder andere Nutzfahrzeuge entwickeln sich derzeit rasant. Es gibt bereits Elektrofahrzeuge auf den Straßen, die Technologie wird immer ausgefeilter, autonom fahrende Autos oder Nutzfahrzeuge sind längst in der Testphase und werden in naher Zukunft Realität werden. Die ZF Friedrichshafen AG setzt für Forschung und Entwicklung all dieser Zukunftsszenarien viel Geld und Know-How ein.

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Die Division "ZF Aftermarket", die weltweit 8 585 Mitarbeiter beschäftigt, kümmert sich darum, dass die Innovationen auch in den Werkstätten ankommen. Denn ein Elektromotor etwa muss anders repariert werden, als ein Benzinmotor, ein Hybridfahrzeug anders als ein Diesel-LKW. "ZF erwartet, dass bis zum Jahr 2030 rund 30 Prozent der weltweiten Automobilproduktion reine Elektro- oder Hybridfahrzeuge sein werden", erklärte Markus Wittig, Leiter der Einheit Independent Aftermarket bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Helmut Ernst, Leiter ZF Aftermarket, erläuterte, dass auch die fortschreitende Digitalisierung zu Veränderungen in den Werkstätten führt. "Bald wird es zum Beispiel Standard sein, dass Autos auch Geräuschsensoren haben. Mit Hilfe dieser Technik könnte ein Mechaniker in einer Werkstatt vom Computer aus überprüfen, ob das Auto einen Schaden hat, der dringend repariert werden muss", erklärt Ernst. Die vernetzte Werkstatt der Zukunft kennt dank datenbasierter Lösungen den Zustand der Kundenfahrzeuge. "Im Pannenfall kann dann der Service sogar Ferndiagnosen am Fahrzeug durchführen", fügt Markus Wittig hinzu. Grundsätzlich seien auch die Kunden daran interressiert, einen exzellenten Service mit einer individuellen Ansprache von ihrer Werkstatt zu erhalten. "Fast 58 Prozent der Fahrzeugbesitzer reagieren mittlerweile auf Wartungs- und Werkstattempfehlungen ihrer Fahrzeuge", so Wittig.

Die Division ZF Aftermarket entwickelt genau solche Lösungen für Werkstätten, Firmen-Fahrzeugflotten und Mechaniker. Ein Überblick:

Der Bremsbelag "Electric Blue"

Eine Weltneuheit wird ZF Marke TRW auf der Automechanika präsentieren: Die Bremsbeläge "Electric Blue" für elektrische Fahrzeuge.

  • Weniger Innengeräusche: Beim Bremsen entstehen in Elektroautos oft höhere Geräusche als in herkömmlichen Wagen, weil es kein Motorengeräusch gibt. Die neuen ZF-Bremsbeläge haben eine besondere Bremsbelagsmischung und blaue Dämpfungsschichten (so genanne Shims). Auch das Zubehör soll geräuschdämpfend wirken.
  • Weniger Feinstaub: ZF verspricht, dass "Electric Blue" zu einer Reduktion der Feinstaubentwicklung beim Bremsen führt. "So entsteht 45 Prozent weniger Feinstaub als bei herkömmlichen Bremssystemen", erklärt Ulrich Walz von ZF.
  • Serienproduktion: Schon im September 2018 sollen die Bremsbeläge für die 15 gängigsten Elektrofahrzeuge auf den Markt kommen. Bis Ende des Jahres sollen 97 Prozent der europäischen E-Fahrzeuge abgedeckt sein.
Die Bremsscheibe Electric Blue von ZF ist eine Weltneuheit für elektrische Fahrzeuge. Bild: Mommsen
Der Bremsbelag Electric Blue von ZF ist eine Weltneuheit für elektrische Fahrzeuge. | Bild: Mommsen, Kerstin

Der Vivaldi-Dongle für "Openmatics"

Mit einem solchen Gerät gelingt die perfekte Vernetzungen von Fahrzeugflotten, Werkstätten und Einzelfahrzeugen.

  • Der OSB-Dongle Vivaldi: Das Gerät, das wie ein etwas größerer USB-Stick aussieht, sendet Daten aus dem Fahrzeug in eine virtuelle Datenbannk. So können etwa Kraftstoffstand, Bremsverhalten oder Fehlermeldungen auch von außerhalb gelesen werden. Das Gerät kann in jedes Fahrzeug nachgerüstet werden und ist herstellerunabhängig. Insgesamt liest der Dongle 74 spezifische Signale des Autos aus.
  • Openmatics: Diese Software vernetzt einzelne Autos, die den Dongle nachgerüstet haben, mit einer virtuellen Datenbank. So kann etwa eine Werkstatt einem Kunden auch aus der Ferne mitteilen, ob eine Reparatur notwendig sein und wie lange dies dauern wird.
    Firmen, die Fahrzeugflotten betreiben, können ebenfalls bequem am Desktop die Daten der einzelnen Firmenwagen einsehen und so die gesamte Flotte im Blick behalten.
Ein solcher OBD-Dongle, den ZF für den Bereich Openmatics entwickelte, kann 74 spezifische Signale aus dem Fahrzeug herauslesen, unter anderem Kraftstoffstand, Bremsverhalten oder Fehlermeldungen. Zusätzlich übermittelt ein Dongle GPS-Daten und plötzlich auftretende Geschwindigkeitsveränderungen. Bild: Kerstin Mommsen
Ein solcher OBD-Dongle, den ZF für den Bereich Openmatics entwickelte, kann 74 spezifische Signale aus dem Fahrzeug herauslesen, unter anderem Kraftstoffstand, Bremsverhalten oder Fehlermeldungen. Zusätzlich übermittelt ein Dongle GPS-Daten und plötzlich auftretende Geschwindigkeitsveränderungen. Bild: Kerstin Mommsen | Bild: Mommsen, Kerstin

Schulungen zum "Hochvolt-Experten"

Immer mehr elektrische Fahrzeuge sind bereits auf unseren Straßen unterwegs, auch die Zahl der Hybrid-Autos steigt. Daher müssen Mechaniker lernen, mit batteriebetriebenen Motoren umzugehen.

  • Schulungen: Ein KFZ-Mechaniker, der weder Mechatronik noch Elektronik gelernt hat, muss geschult werden, um batteriebetriebene Fahrzeuge reparieren zu können. "Die Motoren haben eine Spannung zwischen 400 und 800 Volt. Wenn ein Werkstattmitarbeiter einen Schlag bekäme, hätte das fatale Folgen", erklärt Harald Dämpfle von ZF. Daher bietet ZF spezielle Schulungen zum "Hochvolt-Experten" an, die gut angenommen werden. Ursprünglich war das Programm ZF-intern angelegt. Nun wird das Know-How an die Werkstätten weitergegeben.
  • Rettungskräfte: Auch Feuerwehren oder Notärzte besuchen diese Schulungen, denn sie wissen bisher auch nicht, auf was sie bei einem Unfall mit einem Elektro-Fahrzeug achten müssen.
Harald Dämpfle schult Werkstatt-Mitarbeiter zu Hochvolt-Experten. Bild: Kerstin Mommsen
Harald Dämpfle schult Werkstatt-Mitarbeiter zu Hochvolt-Experten. Bild: Kerstin Mommsen | Bild: Mommsen, Kerstin