Wenn ein Haustier entlaufen oder entflogen ist, machen sich die Besitzer meist große Sorgen und setzen alles daran, ihr Tier wiederzufinden. Schließlich sind Hund und Katze Familienmitglieder – genauso Wellensittiche, Schildkröten, Meerschweinchen oder andere Mitbewohner. Die Suche nach dem Nymphensittich-Pärchen Lucy und Rocky hielt jüngst Familie Montano aus Manzell tagelang auf Trab. Dabei haben Melanie, Giovanni, Diego und Leni Montano viel Unterstützung bekommen und zahlreiche nette Leute kennengelernt. Und auch das Happy End blieb nicht aus.

Vögel sind sehr zutraulich

Lucy und Rocky gehören seit sechs Jahren zur Familie. Die Vögel sind sehr zutraulich und fliegen den größten Teil des Tages frei im Haus umher. Vielleicht sei Rocky an einem Samstag zu viel Trubel im Haus gewesen oder er sei erschrocken, vermutet Melanie Montano. Jedenfalls sei er gegen das Fliegennetz an der Terrassentür geflogen, das Netz habe sich gelöst und der Vogel sei draußen gelandet. Als die Kinder ihm nachliefen, um ihn wieder einzufangen, sei auch noch Lucy hinterher und mit ihrem Partner davongeflogen.

Suche in der nahen Umgebung

Die ganze Familie machte sich in der Umgebung auf die Suche, klingelte an unzähligen Türen und sprach mit noch mehr Leuten. Alle seien sehr hilfsbereit gewesen, freut sich Melanie Montano. "Lucy hörten wir schließlich von einem Balkon etwa 100 Meter entfernt von unserem Haus rufen. Wir haben geklingelt und die netten Leute haben uns reingelassen. Zum Glück ist Lucy gleich zu meinem Mann gekommen", erzählt Melanie Montano. "Sie hatte wohl genug von ihrem Ausflug und wollte nach Hause."

Flyer mit einem Bild der Vögel

Mit Rocky war es nicht so einfach: "Er ist in den folgenden Tagen immer mal wieder übers Haus geflogen und wir haben ihn auch immer wieder auf Bäumen in der Umgebung gesehen", berichtet Melanie Montano. "Wir sind auch stundenlang unter einem dieser Bäume gesessen, aber er kam einfach nicht runter, obwohl Lucy laut nach ihm gerufen hat." Am PC entwarf die Familie Flyer mit einem Bild der Vögel und verteilte diese in alle Briefkästen in der Nachbarschaft. "Damit alle wussten, wo Rocky hingehört, wenn er jemandem zufliegt."

Entscheidender Hinweis auf Ebay-Kleinanzeigen

Auch das Tierheim haben sie über den vermissten Vogel informiert. Um weitere Sucher zu aktivieren, postete die Familie zudem auf Facebook einen Suchaufruf an alle Freunde, die diesen wiederum mit ihren Freunden teilten. "Eine Facebook-Freundin meines Mannes hat am fünften Tag auf Ebay-Kleinanzeigen gelesen, dass in Efrizweiler ein Nymphensittich zugeflogen ist", erzählt Melanie Montano. So habe die Familie wieder eine nette Frau kennengelernt, die in Efrizweiler in großen Volieren viele Nymphensittiche hält. Von diesen fühlte sich Rocky offenbar angezogen. "Als Rocky wieder zuhause war, hat er erst einmal stundenlang mit Lucy geturtelt", berichtet Melanie Montano.

Das Tier ist weg – was tun?

  • Was tun, wenn ein Haustier weg ist? Wenn ein Tier vermisst wird, sei es erst einmal sehr wichtig, das örtliche Tierheim zu informieren, erklärt Anne Juhre, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedrichshafen. Fundtiere werden meist dort abgegeben. Im Tierheim gibt es für vermisste Tiere auch spezielle Erfassungsbogen. Zusätzlich könne durchaus sinnvoll sein, Suchplakate aufzuhängen, Suchzettel zu verteilen und in sozialen Medien Suchmeldungen zu posten.
  • Was kann man im Vorfeld tun? Hunden und Katzen kann der Tierarzt einen Chip mit einer eindeutigen Kennung einsetzen. Bei Hunden und Katzen wird im Tierheim mit einem speziellen Lesegerät routinemäßig nach solchen Chips gesucht und falls vorhanden die Kennung ausgelesen. Tier und Besitzer könnten über den Chip aber nur wieder zusammengebracht werden, wenn die Kennung entweder bei der Organisation Tasso oder bei Findefix registriert sei, erklärt Juhre. Am besten sei es, bei beiden Organisationen zu registrieren. Dies sei nicht allen Tierbesitzern klar, weiß sie aus Erfahrung. Die Registrierung ist kostenlos. Das Tierheim gleicht die Kennungen von Fundtieren mit den Suchdatenbanken beider Organisationen ab. Das könnten auch Tierärzte. Alternativ zum Chip kann der Tierarzt – vor allem bei Katzen – eine Tätowierung am Ohr vornehmen, um das Tier zu kennzeichnen. "Die Tätowierung enthält ein Kürzel für den Tierarzt und die Stadt", erklärt Juhre. "Dann können wir den Fund diesem Tierarzt melden. Der kennt dann den Besitzer."
  • Was tun, wenn man ein herrenloses Haustier findet? "Uns ist immer geholfen, wenn das Tier zu unseren Öffnungszeiten ins Tierheim gebracht wird und wir es nicht abholen müssen, denn wir haben nur wenig Personal", sagt Anne Juhre. Aus dem gleichen Grund bittet sie, aufzunehmende Fundtiere möglichst vorab anzukündigen.
  • Kommen zur Urlaubszeit besonders viele Fundtiere ins Tierheim? "Das ist zum Glück bei uns kaum ein Problem", sagt Anne Juhre, "aber wir merken die Urlaubszeit, weil wir gerade viele Pensionstiere haben". Wer sein Tier nicht mit in den Urlaub nehmen kann, kann es im Tierheim gegen eine angemessene Gebühr während des Urlaubs betreuen lassen. Auch dafür sollte das Tier möglichst frühzeitig angemeldet werden. (gik)