Beim Konzert des Sinfonieorchesters Friedrichshafen am Vorabend des vierten Advents ist es Musikdirektor Joachim Trost einmal mehr gelungen, die Amateurmusiker zu hervorragenden Leistungen zu motivieren. Mit der erst 19-jährigen, vielfach preisgekrönten Anne Maria Wehrmeyer an der Violine engagierte das Sinfonieorchester eine erstklassige Solistin für Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll op. 64.

Anne Maria Wehrmeyer lässt den Bogen tanzen

Nicht umsonst bezeichnete es der berühmte Geiger Joseph Joachim als „Herzensjuwel“ unter den deutschen Violinkonzerten. Wehrmeyer musizierte mit Hingabe, ließ den Bogen tanzen und zupfte die Saiten. Mal expressiv und energisch, mal ruhig und ganz nach innen gewandt machte die 2018 in die Bundesauswahl Junger Künster aufgenommene Geigerin das Violinkonzert zu einem Hörerlebnis. Dabei gelang das Zusammenspiel mit dem Sinfonieorchester, dessen Klang sich wie ein dicht gewobener Teppich unter das Spiel der Solistin legte. Den anhaltenden Applaus belohnte Wehrmeyer mit der atonalen Interpretation von „Stille Nacht“ des Komponisten Alfred Schnittke als Zugabe. Es ist davon auszugehen, dass sie die Töne traf, trotzdem besteht bei dieser Variante des Weihnachtslieds die Gefahr, dass die Nadeln vom Baum fallen.

Unter der Leitung von Musikdirektor Joachim Trost standen Werke von Tschaikowsky, Schostakowitsch und Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm.
Unter der Leitung von Musikdirektor Joachim Trost standen Werke von Tschaikowsky, Schostakowitsch und Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm. | Bild: Claudia Wörner

Ein rasantes Feuerwerk von Melodien

Umrahmt war das Violinkonzert von der Festlichen Ouvertüre für Orchester op. 96 von Schostakowitsch und der Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74, besser bekannt als „Pathétique“, von Peter I. Tschaikowsky. Uraufgeführt zum 37. Jahrestag der Oktoberrevolution, ist die Festliche Ouvertüre ein rasantes Feuerwerk vertrackter Rhythmen und eingängiger Melodien. Dirigent Joachim Trost führte seine Musiker gleich zu Beginn zu einer ausdrucksstarken Leistung. Mit der „Pathétique“ gab es nach der Pause ganz großes Kino für die Ohren. Als erschütternd, ergreifend und leidenschaftlich beschrieben, gelang es dem Sinfonieorchester Friedrichshafen, dass die große Musik das Publikum ergriff und berührte. Den letzten Takten in dunkelstem Moll ließ Trost als Zugabe den „Russischen Tanz“ aus der Nussknacker-Suite folgen.