Peter Meschenmoser liebt es, morgens um 7.15 Uhr mit Warnweste, Schildkappe und Kelle am Ailinger Kreisel zu stehen und den Erstklässlern zu zeigen, wie man sicher über die Straße kommt. Dafür früh aufzustehen macht ihm und seiner Frau nichts aus. "Es macht Spaß und es ist eine Möglichkeit sich in die Gemeinschaft einzubringen. Die Zeit hat ein Rentner ja", sagt er. Seit 2009 stehen er und Margret Meschenmoser einmal die Woche als Verkehrshelfer am Zebrastreifen.

70 Erstklässler machen sich erstmals auf den Schulweg

Insgesamt sorgen in Ailingen 15 Seniorenlotsen vier Wochen lang täglich dafür, dass sich alle Verkehrsteilnehmer aneinander gewöhnen. Sie bringen Autofahrer dazu, vorsichtig anzuhalten und bitten Radfahrer abzusteigen, wenn sie den Zebrastreifen benutzen wollen. Das läuft nicht immer konfliktfrei ab, aber es geht ja um Rücksichtnahme und um die Vorbildfunktion, die andere Verkehrsteilnehmer für die Erstklässler haben. Immerhin machen sich in Ailingen und Berg am Montag 70 Erstklässler erstmals auf den Schulweg.

Heike Kistler ist ab kommender Woche die neue Lotsin am Ailinger Kreisel, Polizei-Hauptmeister Karl-Heinz Koß hat sie am Montag gründlich eingewiesen.
Heike Kistler ist ab kommender Woche die neue Lotsin am Ailinger Kreisel, Polizei-Hauptmeister Karl-Heinz Koß hat sie am Montag gründlich eingewiesen. | Bild: Andrea Fritz

Viele davon, und das ist das Problem, aber leider im Auto der Eltern. Hauptkommissar Harald Müller beobachtet seit 20 Jahren, dass immer mehr Eltern ihre Kinder zur Schule chauffieren. "Nicht aus Zeitgründen, weil sie zur Arbeit müssen, sondern weil sie sie beschützen wollen", sagt er. Um die Kinder aussteigen zu lassen, halten die Eltern dann aber einfach irgendwo an, mitten auf der Straße, sogar auf Zebrastreifen und natürlich auch auf Gehwegen. Das wiederum bringt die Kinder erst recht in Gefahr. Im vergangenen Jahr hat die Polizei im Bodenseekreis 23 Verkehrswegunfälle registriert, das sind sechs mehr als im Jahr davor.

Richtiges Verhalten im Straßenverkehr lernen

In den 15 Jahren, in denen die Seniorenlotsen bereits am Ailinger Kreisel standen, ist noch nie etwas passiert. Dabei liegt der Kreisel an einer der Hauptverkehrsachsen für den Berufsverkehr. Ginge es nach den Seniorenlotsen, würden alle Eltern ihre Kinder zu Fuß zur Schule schicken, denn nur so lernen sie das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Die Eltern, die ihre Kinder begleiten, bedanken sich daher auch oft bei den Seniorenlotsen. "Unsere Arbeit wird positiv aufgenommen, auch die Kinder bedanken sich", sagt Peter Meschenmoser. Das ist zumindest einer der Gründe, weshalb neun der 15 Seniorenlotsen schon seit dem ersten Tag im Jahr 2003 dabei sind.

Heike Kistler ist zum ersten Mal dabei

Heike Kistler wird in diesem Jahr zum ersten Mal am Kreisel stehen. Hauptmeister Karl-Heinz Koß zeigt ihr den Umgang mit den Hilfsmitteln. Die Polizei ist froh um die Verkehrshelfer. "Und die machen das alle nur, weil es ihnen Spaß macht und gefällt. Ehrenamt sollte so sein", freut sich Angelika Drießen, Sprecherin vom Arbeitskreis Familie der lokalen Agenda Ailingen, auf dessen Initiative die bundesweit einzige reine Seniorenlotsengruppe zurückgeht. In Markdorf machen Schüler den Lotsendienst und in Meckenbeuren sind neben Senioren auch Eltern im Dienst.