Donnerstagnachmittag in der Friedrichstraße: Wie so oft rollt der Verkehr nur langsam voran. Autos stehen dicht an dicht hintereinander. Geduld ist gefragt. Binnen 45 Minuten ändert sich an dieser Situation rund um den Blitzer-Mast nahe der Riedleparkstraße kaum etwas. Da ist es doch schlecht möglich, schneller als die höchstens erlaubten 30 Stundenkilometer zu fahren, oder? Das Gegenteil beweist eine erste Zwischenbilanz mit bemerkenswerten Zahlen.

Bereits seit zwei Jahren gilt Tempo 30 in der Friedrichstraße. Dies scheinen viele Autofahrer nach wie vor zu vergessen.
Bereits seit zwei Jahren gilt Tempo 30 in der Friedrichstraße. Dies scheinen viele Autofahrer nach wie vor zu vergessen. | Bild: Singler, Julian

Das Thema Verkehr in der Friedrichstraße wird schon lange diskutiert. Bereits vor knapp zwei Jahren beschloss der Gemeinderat, dass die Einhaltung von Tempo 30 an zwei Stellen stationär überwacht werden soll. Das Tempolimit gehört zum Lärmaktionsplan der Stadt. Zuerst beschränkte die Verwaltung Ende 2016 die zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer. Im Mai und Juli wurden zur Überwachung dieser Regelung zwei Messanlagen installiert.

Zahlreiche Autofahrer tappen in die Falle

Diese beiden neuen Blitzer in der Friedrichstraße haben seit dem 1. Mai bereits 1881 Mal Autofahrer fotografiert, die schneller als erlaubt unterwegs waren, erklärt Monika Blank, Sprecherin der Stadt Friedrichshafen, auf Anfrage dieser Zeitung. Genauso viele Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden eingeleitet. Dabei verhängte die Behörde Verwarnungs- und Bußgelder in Höhe von 52 955,85 Euro, wobei es sich noch nicht um Zahlungseingänge handele. Die Summe könne, je nach Ausgang der Verfahren, geringer ausfallen.

Höchstbußgeld liegt bei 188,50 Euro

Die meisten Autofahrer, die bisher geblitzt wurden, haben offensichtlich das neue Tempolimit noch nicht verinnerlicht. Bei einem Großteil der Verfahren – in Summe 1804 Fälle – sind Verwarnungsgelder zwischen 15 und 35 Euro fällig. Laut bundeseinheitlichem Bußgeldkatalog fuhren diese Fahrer maximal bis zu 20 Stundenkilometer zu schnell, also nicht mehr als 50 km/h. Die übrigen Fälle verteilen sich auf höhere Bußgelder zwischen 43,50 Euro und 188,50 Euro, wobei diesen Höchstbetrag nach Informationen des Rathauses bisher vier Autofahrer zahlen mussten. Laut Bußgeldkatalog sind diese Autofahrer bis zu 40 km/h zu schnell gewesen, was neben der Geldstrafe auch ein Fahrverbot von einem Monat sowie zwei Punkte beim Kfz-Zentralregister in Flensburg nach sich zieht.

Diese Messstation in der Friedrichstraße steht direkt neben Hausnummer 13.
Diese Messstation in der Friedrichstraße steht direkt neben Hausnummer 13. | Bild: Singler, Julian

Die Blitzer sind nach Aussage von Monika Blank nicht ständig und in beide Fahrtrichtungen mit Kameras bestückt. Die Kamera wechselt immer wieder den Standort sowie die Richtung. "Unter allen Verstößen war die Anzahl der gravierenden Verstöße (71) mit mehr als 20 Stundenkilometern Überschreitung eher gering", so die Pressesprecherin der Stadt. Gerade bei potenziellen Rasern würden die Anlagen somit die erhoffte Wirkung auf das Fahrverhalten zeigen. Nachts, also von 22 bis 6 Uhr, liegt die Zahl der Verstöße bei bislang 419, wie Blank mitteilt. Die anderen 1462 Verstöße verteilen sich annähernd gleichmäßig auf den Tagzeitraum.

Meinungen der Bürger gehen auseinander

Und wie reagiert die Bevölkerung? Werden neue Radarfallen aufgestellt, gibt es bekanntlich unterschiedliche Reaktionen. Nach Aussage von Blank sind die Rückmeldungen sowohl positiv als auch kritisch. "Insgesamt stellen wir fest, dass Anwohner die Kontrollen fordern und auch begrüßen. Natürlich gibt es auch andere Stimmen, die kein oder wenig Verständnis zeigen."

Lärmschutz steht im Vordergrund

Ob sich die seit Mai betriebenen Blitzer auch in finanzieller Hinsicht lohnen, stellt die Verwaltung in den Hintergrund. "Die Geräte wurden nicht installiert, um Einnahmen zu erhöhen, auch wenn das oft vermutet wird", sagt die Sprecherin der Stadtverwaltung. Es gehe nicht um Geld, sondern um den Lärmschutz und die damit verbundene Gesundheit der Anwohner. Für die Friedrichstraße gilt Tempo 30 als Teil des Lärmaktionsplans, so die klare Aussage. Da gehöre die Tempo-Überwachung mit dazu.

Regelmäßig sehen Autofahrer diese Hinweisschilder am Rande der Fahrbahn. In der Friedrichstraße gilt zum Schutze der Anwohner Tempo 30.
Regelmäßig sehen Autofahrer diese Hinweisschilder am Rande der Fahrbahn. In der Friedrichstraße gilt zum Schutze der Anwohner Tempo 30. | Bild: Singler, Julian

„Blitzer werden nicht aufgestellt, um Geld zu verdienen“, erklärte Ende September auch Erster Bürgermeister Stefan Köhler während der Infoveranstaltung zur Teststrecke für automatisiertes Fahren. Vielmehr würden Blitzer häufig aus der Bürgerschaft eingefordert, um die Einhaltung von Höchstgeschwindigkeiten sicherzustellen. Der Gemeinderat entscheide, wie die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel verwendet werden, sagte Köhler, bezog sich damit aber nicht speziell auf Einnahmen, die über Blitzer gemacht werden. „Ein beachtlicher Teil geht in Straßenbaumaßnahmen, Sanierungs- und Umrüstungsmaßnahmen“, erläuterte er. Bürgermeister Köhler weiter: „Wir gestalten Verkehrsräume auch nach und nach um – tendenziell in die Richtung, dass der motorisierte Verkehr etwas entschleunigt wird und mehr Platz für Fahrradfahrer und Fußgänger geschaffen wird.“

Das könnte Sie auch interessieren