In den Jahren seit der Gründung des THW-Ortsverbands in Friedrichshafen vor 65 Jahren ist viel passiert. „Hintergrund für die Bundesorganisation war der Schutz der Zivilbevölkerung“, erläutert Ortsbeauftragter Matthias Gruber. Im Laufe der Zeit bekam der Katastrophenschutz einen immer höheren Stellenwert und die technische Unterstützung spielte eine immer wichtigere Rolle.

„Damals hatte jeder eine Schubkarre und eine Schaufel“

Mit zwölf Leuten nahm das THW in Friedrichshafen seine Arbeit damals auf. „Damals hatte jeder eine Schubkarre und eine Schaufel“, beschreibt Gruber die Gerätschaften der Anfangszeit. Heute zählt das THW Friedrichshafen 80 Aktive, darunter zehn Frauen. Für den Job brauche man nicht nur Kraft, sondern auch Köpfchen. „Es dürfen gern noch mehr Frauen werden“, sagt der Ortsbeauftragte. Rund 15 Jungs und Mädchen engagieren sich in der THW-Jugendgruppe. Zu den bekannten blauen Fahrzeugen gehört neben Geräte- und Mehrzweckkraftwagen, Lastwagen, Tieflader, Bergungsräumgeräten und Drucklufterzeuger sogar ein Boot für Einsätze auf dem See.

Einblick in die Arbeit des THW: Ortsbeauftragter Matthias Gruber (rechts) und Philipp Prigge freuen sich auf den Tag der offenen Tür am Sonntag.
Einblick in die Arbeit des THW: Ortsbeauftragter Matthias Gruber (rechts) und Philipp Prigge freuen sich auf den Tag der offenen Tür am Sonntag. | Bild: Claudia Wörner

Von der Gründung bis heute sind beim THW ausschließlich ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter im Einsatz. Es gebe zwar einen stetigen Zulauf, aber Helfer werden immer gebraucht. Der Wegfall der Wehrpflicht sei für das THW ein Einschnitt gewesen. Denn den Wehrerstazdienst konnte man auch im Zivil- und Katastrophenschutz absolvieren. „Ich selbst kam 2001 auf diesem Weg dazu und leistete im Ortsverband meinen Ersatzdienst über zehn Jahre verteilt ab“, erinnert sich Gruber. Der Vorteil heute sei, dass sich wirklich alle Helfer absolut freiwillig engagieren. Ihre Motivation sei eine Mischung aus Begeisterung für die Technik und Kameradschaft.

„Übung ist bei uns das A und O"

Auch der Spaß spiele eine wichtige Rolle. „Wir alle gestalten hier unsere Freizeit und treffen Freunde“, sagt Philipp Prigge, der seit 2014 im THW ist und hier als neu Zugezogener schnell Anschluss fand. Jeden Montag treffen sich die Kameradinnen und Kameraden zur Ausbildung. „Übung ist bei uns das A und O, denn wenn es darauf ankommt, muss jeder Handgriff im Schlaf sitzen“, weiß Gruber.

Flugzeugabsturz im Jahr 2002 in Überlingen: THW-Kräfte packten bei der Katastrophe an der Absturzstelle mit an.
Flugzeugabsturz im Jahr 2002 in Überlingen: THW-Kräfte packten bei der Katastrophe an der Absturzstelle mit an. | Bild: THW

Aktuell kommen beim THW Friedrichshafen jährlich rund 20 000 Dienststunden inklusive Übungen und Ausbildungen zusammen. Vor fünf Jahren lag die Zahl der Stunden noch bei 12 000. Zum einen sei der zeitliche Anteil der Ausbildung gestiegen. Hinzu kommen aber auch Einsätze im Ausland. Gruber war vor drei Jahren zum Beispiel für drei Wochen bei einem Hochwassereinsatz in Bosnien. „Wir leisten nicht nur vor Ort, sondern bei Bedarf weltweit Hilfe“, erläutert er die Aufgabe des THW, das ein Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums ist und zu 100 Prozent vom Bund finanziert wird. Urlaub musste er dafür nicht nehmen. „Mein Arbeitgeber hat mich freigestellt und konnte für diese Zeit dem THW den Lohnausfall in Rechnung stellen“, erläutert Gruber.

Jahrhunderthochwasser 1999: Das Treibholz blieb im Bodensee zurück und drohte weitere Schäden anzurichten. Gemeinsam mit anderen Organisationen befreite das THW den See vom Holz.
Jahrhunderthochwasser 1999: Das Treibholz blieb im Bodensee zurück und drohte weitere Schäden anzurichten. Gemeinsam mit anderen Organisationen befreite das THW den See vom Holz. | Bild: THW

Wichtig ist Gruber und Prigge die hervorragende Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, DRK und Johanniter Unfallhilfe. „Wir sehen uns als große, bunte Blaulichtfamilie“, betonen sie. Als Beispiele für die gelungene Arbeit Hand in Hand nennt Gruber den Bau zahlreicher Notunterkünfte für Flüchtlinge und die zunehmenden Hochwassereinsätze in der jüngsten Vergangenheit. Verändert hat sich seit der Gründung des Ortsverbands vor 65 Jahren in erster Linie die Technik für den Katastrophenschutz. „Sie ist sehr komplex und reicht weit über die Sicherung von Dämmen mit Sandsäcken hinaus.“ Nichtsdestotrotz spiele Improvisation im Notfall eine wichtige Rolle, ergänzt Prigge.

Die Mannschaft des THW-Ortsverbands Friedrichshafen 1992.
Die Mannschaft des THW-Ortsverbands Friedrichshafen 1992. | Bild: THW