Friedrichshafen – Irgendwie war der Wurm drin bei diesem Rathaussturm am Gumpigen im Hafen, ohne dass der (Pauliner) Kuckuck etwas davon gehabt hätte. Erst ließ die Zimmermannsgilde auf sich warten, weil sie den Narrenbaum mit Muskelkraft auf den Adenauerplatz hieven mussten – die Zugmaschine war verreckt. So begann das närrische Spektakel mit etwas Verspätung. Man kann es aber auch so sehen: Seegockel und Co. nahmen sich diesmal alle Zeit der Welt, um die Bastion der Stadtoberen zu erobern. Nach dem buchstäblich stürmischen Rathaussturm im vergangenen Jahr geschah das diesmal eher in der Manier eines lauen Lüftchens.

Zunftmeister Oliver Venus mühte sich redlich und lange, einen der Großkopfeten mit Narrenkappe endlich auf den Rathausbalkon zu bekommen. Das könnte für den jüngsten Bürgermeister auch der Grund fürs Fernbleiben gewesen sein, mutmaßte der Hausmeister, der auf dem Balkon die Stellung hielt. "Seit 14 Tagen hat der die Hose voll wegen der Kapp'". Schultes Andreas Köster hat nämlich noch gar keine, weil er am 11.11., als er seine Narrenkappe kriegen sollte, geschwänzt habe. Keine Frage für den Hausmeister, dass er sich deshalb am Gumpigen lieber krank gemeldet hat.
 

Ihren großen Auftritt hatten stattdessen der Fanfarenzug Graf Zeppelin und die Schalmeiengruppe "Hupequäler", die abwechselnd musikalisch für Stimmung sorgten. "Es wird Zeit, dass wir Sie absetzen", rief Zunftmeister Oliver Venus irgendwann. Bis dahin war eine Menge davon vergangen, bis sich ein Rathaus-Chef endlich auf dem Balkon blicken ließ. Erst als der Narrenbaum stand, tauchte zunächst Bürgermeister Köhler, dann Oberbürgermeister Andreas Brand auf, die sich der drohenden Vertreibung entgegen stellten und lieber weiter schaffen wollten. Half trotzdem nichts: Nach zwei Spielchen – Ballwerfen auf Büchsen und den richtigen Schlüssel fürs Rathausschloss finden – holte der Narrensamen das Bürgermeister-Duo nach draußen. Hier wurden beide dann so richtig aktiv – beim Plündern der Stadtkasse und zur Freude der Kinder, die sich mit Gutzele und Gummibärchen eindeckten. Kaum hatte der Seegockel-Chef den Rathausschlüssel inne, war das Spektakel vorbei – und der Wind frischte auf.