Eng gedrängt stehen die neun Schüler vor der großen Magnetwand, an denen die Zeitungsseiten aufgehängt sind. Fabian beäugt einen der Texte genauer, zählt die Zeilen. „Wie wird die Länge einer Geschichte eigentlich festgelegt?“, fragt der Schüler und dreht sich zu Andreas Ambrosius um. „Je nachdem, an welcher Stelle der Text steht, gibt es dafür grobe Vorgaben. Die können je nach Brisanz der Geschichte natürlich variieren“, erklärt der Regionalleiter. Fabian nickt, dreht sich um und widmet sich wieder der Seite.

Beim Besuch des Seminarkurses „Medien“ des Graf-Zeppelin-Gymnasiums (GZG) in der SÜDKURIER-Redaktion bleibt diese nicht die letzte Frage. Gemeinsam mit Lehrer Tilman Bechthold-Hengelhaupt beschäftigen sich die neun Gymnasiasten seit Beginn des Schuljahrs mit der Medienbranche. Angefangen von der Buchhandlung, über die Werbeagentur bis zum Rechenzentren – alles, was in irgendeiner Art mit dem Thema Medien zusammenhängt, wird im Rahmen des Seminarkurses thematisiert. Da darf natürlich auch die klassische Zeitung nicht fehlen.

Wobei diese nicht mehr so klassisch sei, wie man sich das vorstelle, erklärt Ambrosius. „Wir schreiben nicht mehr nur für Print. Wir schreiben eine Geschichte, die dann auf verschiedenen Kanälen ausgespielt wird“, sagt der Redakteur. Die Geschichten würden dann den jeweiligen Anforderungen des Kanals angepasst. Auf suedkurier.de werde eine Geschichte also anders aufbereitet, als dies in der klassischen Zeitung der Fall sei. Trotz der vielfältigen Angebote, die das SÜDKURIER-Medienhaus biete, seien es nach wie vor die Lokalredaktionen, die den Grundstein des Unternehmens bildeten.

„Im Lokalen liegt unsere Kernkompetenz, denn wir sind vor Ort direkt an den Themen dran“, so Ambrosius. Die Recherche von Geschichten, nachhaken bei interessanten Themen – das interessiert auch Julius. Er habe schon einmal darüber nachgedacht, selbst Journalist zu werden. „Es ist bestimmt spannend zu wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt“, erklärt der Schüler sein Interesse an dem Beruf. Andere Seminarteilnehmer, wie Fabian, interessieren sich für die technischen Aspekte bei der Produktion einer Zeitung. Im Gegensatz zu früher seien die Aufgaben heute klar getrennt, sagt Ambrosius. „Die Redaktion ist für die Planung, die Recherche und das Schreiben verantwortlich. Die Gestaltung und Produktion übernimmt der Newsdesk“, erklärt Andreas Ambrosius. Dem Newsdesk statten die Gymnasiasten zum Abschluss des Gesprächs auch noch einen Besuch ab. Dort sitzen die Mediengestalter, die für das Layout der Seiten verantwortlich sind. Dem Drang, einen Blick in die Zeitung von morgen zu werfen, können nur die wenigsten widerstehen. Ob das, was die Schüler momentan sehen, am nächsten Tag in der Zeitung steht, kann ihnen Ambrosius aber nicht garantieren. „Es kann sein, dass wir die Seiten noch mal umplanen, falls sich die Nachrichtenlage ändert.“ Und so sollte es dann auch geschehen. Auf der Seite gegenüber war eine andere Story geplant - bis bekannt wurde, dass der Flughafen Zuschüsse zu Investitionen bekommen soll.