Roman Rieg wünscht sich mehr bezahlbaren Wohnraum in Friedrichshafen. In der Stadt sucht er gemeinsam mit seiner Mutter eine Wohnung. Auch die anderen Schüler im Großen Sitzungssaal des Gemeinderats machen sich zum Thema Gedanken: Finden sie mit einem Ausbildungsgehalt eine Wohnung? Die Jugendlichen gehen in die neunte Klasse der Graf-Soden Gemeinschaftsschule. Gemeinsam haben sie am Mittwochmorgen das Häfler Rathaus besucht, um etwas über Kommunalpolitik zu lernen und mit dem Oberbürgermeister zu sprechen. Veranstaltet wurde der Morgen von der Landeszentrale für politische Bildung.

Die Brisanz des Themas ist den Schülern bewusst: Wortkonstrukte wie "Mietpreisbremse" und "sozialer Wohnungsbau" stehen im Raum und selbst Oberbürgermeister Andreas Brand gibt zu: "Es ist schwierig." Die Jugendlichen erleben das Thema jedoch nicht durch die Nachrichten, wie viele Erwachsene das tun. Ihr direktes Umfeld ist es, das ihnen Sorgen bereitet: Die große Schwester findet keine Wohnung, von den Eltern erfahren sie, wie teuer Mieten sein können und wie das den Geldbeutel belastet.

Doch auch andere Themen beschäftigten an diesem Morgen die Jugendlichen. Edgar Arean etwa vergleicht die Häfler Basketballplätze mit denen in Ravensburg: "In Friedrichshafen gibt es Möglichkeiten zum Spielen. Die in Ravensburg haben aber gleich vier Felder direkt nebeneinander." Er selbst spielt aktiv im Verein.

Die Busverbindungen sind für den Neuntklässler ebenfalls ein Thema. Bis zum Führerschein sind die Schüler auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. "Im Umland fährt der letzte Bus allerdings schon früh", beschwert Arean sich bei Brand. Seine Mitschüler stimmen ihm nickend zu und Edgar merkt an: "Wenn ich Nachts nach Hause laufen muss, fühle ich mich nicht wohl." Das Ruftaxi im Abendverkehr, auf das Brand als Antwort verweist, ist bei den Schülern unbekannt. "Unser Busliniensystem ist nicht perfekt, aber wir versuchen, kontinuierlich nachzubessern", so Brand. Er weist darauf hin, dass auch der Einsatz von Nachtbussen Geld kostet. Es müsse sich lohnen, so etwas zu etablieren.