Auf großes Interesse stieß der Schnupperkurs der Zieglerschen zum Thema Gebärdensprache in Kluftern. Rund 20 Frauen und ein Mann erfuhren an nur zwei Abenden, wie sie mithilfe ihrer Hände Gefühle ausdrücken, Essen, Kleidung und Farben benennen und sogar einfache Sätze bilden können.

Schnupperkurs zum Thema Gebärden der Zieglerschen in Kluftern: Kursleiterin Roswitha Österle erläutert mit viel Humor die Basis für erste Begriffe aus dem Alltag.
Schnupperkurs zum Thema Gebärden der Zieglerschen in Kluftern: Kursleiterin Roswitha Österle erläutert mit viel Humor die Basis für erste Begriffe aus dem Alltag. | Bild: Claudia Wörner

Die Bewegung ähnelt dem Anziehen einer Hose und benennt dieses Kleidungsstück, und der Pullover ist leicht an der Ausziehbewegung zu erkennen. Aber warum man für die Farbe Blau mit dem Daumen an der Unterlippe entlang fährt, muss man sich einprägen.

Einfacher ist die Farbe Weiß, bei der man nur auf seine Zähne zeigt. Manche Gebärden, die Kursleiterin Roswitha Österle charmant und mit Witz präsentiert, erschließen sich auf den ersten Blick.

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Neugier wecken und ausprobieren

Andere muss man sich, ähnlich wie Wörter und Grammatik einer Fremdsprache, einfach merken. „Im Schnupperkurs geht es aber erst mal darum, die Neugier zu wecken und auszuprobieren“, sagt die Referentin für Unterstützte Kommunikation der Zieglerschen in Wilhelmsdorf.

„Schau doch meine Hände an“ heißt die Gebärdensammlung, nach der Österle unterrichtet. „Sie will auf einfache Weise die Kommunikation mit nicht sprechenden Menschen ermöglichen“, erläutert sie.

Nicht jede Gebärde erschließt sich auf den ersten Blick: Die Kursteilnehmerinnen des Schnupperkures zeigen die Farbe oder das Material Silber.
Nicht jede Gebärde erschließt sich auf den ersten Blick: Die Kursteilnehmerinnen des Schnupperkures zeigen die Farbe oder das Material Silber. | Bild: Claudia Wörner

Jule Schmidt arbeitet als Logopädin in der Frühförderstelle in Markdorf und hat bereits einen Grundkurs in Gebärden hinter sich. „Über die Gebärden komme ich insbesondere mit Kindern mit Behinderung, zum Beispiel dem Down Syndrom, gut ins Gespräch“, schildert sie ihre Erfahrung. Der Schnupperkurs der Zieglerschen habe ihr Lust gemacht, sich noch tiefer in das Thema einzuarbeiten.

Jedes Kind sollte Gebärdensprache lernen

Sabine Müller-Schlingloff ist Tagesmutter und betreut ehrenamtlich einen Jungen mit Autismus. „Die Gebärdensprache hat mich schon immer gereizt“, sagt die Markdorferin. Kürzlich habe sie im Sport eine gehörlose Frau kennengelernt. „Ich freue mich schon darauf, demnächst auf diese Weise mit ihr ins Gespräch zu kommen und das Gelernte auszuprobieren.“ Eigentlich wäre es toll, wenn jedes Kind die Gebärdensprache ganz spielerisch im Kindergarten lernen würde, meint Sabine Müller-Schlingloff.

Nicht jede Gebärde erschließt sich auf den ersten Blick: Die Kursteilnehmerinnen des Schnupperkures zeigen die Farbe oder das Material Silber.
Nicht jede Gebärde erschließt sich auf den ersten Blick: Die Kursteilnehmerinnen des Schnupperkures zeigen die Farbe oder das Material Silber. | Bild: Claudia Wörner

Wochentage, Monate, Jahreszeiten – für alles gibt es eine Gebärde. Dabei zeigt zum Beispiel die angedeutete Länge eines Ärmels, ob gerade Sommer oder Winter ist. Geduldig erklärt Roswitha Österle den feinen Unterschied zwischen traurig sein, weinen und jemanden trösten.

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Auch Pizza, Salat, Wurst oder verschiedene Obst- und Gemüsesorten kennen die Teilnehmerinnen des Schnupperkurses bereits am zweiten Abend.

Die Banane ist an der Schälbewegung sehr leicht zu erkennen. Kirschen hat man sich als Kind gern ans Ohr gehängt. Genau diese Geste beschreibt das Obst. Schwieriger wird es, wenn man die Zucchini von der Salatgurke unterscheiden möchte, sind doch beide grün.

Teilnehmerinnen sind mit Spaß dabei

Immer wieder haben die Teilnehmerinnen Aha-Erlebnisse und es gibt natürlich auch viel zu lachen. Kann man sich doch nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gebärden versprechen. Ganz nah beieinander liegen zum Beispiel die Gebärden für Freude und für Salat. Roswitha Österle erklärt den Unterschied. „Bei Freude bewegen sich die Hände von unten herauf. Bei Salat eher von außen nach innen.“

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Die Lieblingsgebärde von Petra Klein aus Meckenbeuren ist die für jemanden mögen oder lieben: Dafür legt man beide Hände übereinander aufs Herz. „Manche Gebärden bleiben gleich hängen, andere müssen sich erst setzen“, beschreibt sie ihre Erfahrung nach dem zweitägigen Schnupperkurs. Auch sie arbeitet ehrenamtlich mit Menschen mit Behinderung. „Man weiß nie, wann man diese besondere Sprache mal brauchen kann“, sagt sie zu ihrer Motivation.

Die Gebärde für Urlaub sind die Finger beider Hände in schneller Bewegung: Beim Schnupperkurs lernen die Kursteilnehmerinnen in Kluftern zahlreiche Gebärden kennen.
Die Gebärde für Urlaub sind die Finger beider Hände in schneller Bewegung: Beim Schnupperkurs lernen die Kursteilnehmerinnen in Kluftern zahlreiche Gebärden kennen. | Bild: Claudia Wörner

Genau deshalb bieten die Zieglerschen die kostenlosen Schnupperkurse überall dort an, wo sie Außenstellen haben und wo Menschen mit Behinderung leben. „Wir möchten einfach, dass Menschen diese Art der Kommunikation kennenlernen und so vielleicht einfacher miteinander in Kontakt kommen“, sagt Roswitha Österle.