Dunkel steigen erste Töne vom Flügel auf, von weit her antworten verhaltene Seufzer. Noch tiefer klagt der Flügel, noch schmerzlicher seufzt er – bei aller Ruhe liegt eine fast greifbare Spannung über dem Spiel von Saskia Giorgini im Kiesel. Sie löst sich etwas, als die Melodie zu fließen beginnt, erst in der rechten, dann in der linken Hand. Ruhelos pulsieren Sechzehntel-Noten, ehe die Musik in einem lyrischen Thema ganz zu sich findet.

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb seine c-moll Fantasie in den Jahren 1784 und 1785 auf dem Gipfel seiner Popularität. Er unterrichtete täglich, gab mehrmals in der Woche Konzerte und komponierte abends oder nachts. Saskia Giorgini spielt sie geradezu liebevoll: sie schenkt jedem Ton ihre Aufmerksamkeit, gestaltet jede Phrase mit Sorgfalt und verfolgt achtsam harmonische Entwicklungen.

Die italienische Pianistin spielt Klavier, seit sie vier Jahre alt ist, hat mit 14 an der Klavier-Akademie Imola und später am Salzburger Mozarteum studiert und lehrt an der Musikakademie in Pinerolo. Sie ist regelmäßiger Gast bei internationalen Festivals, konzertierte mit Orchestern wie dem CBC Radio Orchestra und gewann unter anderem 2016 den Internationalen Mozart-Wettbewerb in Salzburg.

Auch in Ludwig van Beethovens "Waldstein-Sonate" bleibt ihr Ton freundlich. Sie hält die Untiefen der Musik in der Schwebe, kontrastiert energische Akzente mit zart flüsternden Tönen. Beethoven schrieb das Werk 1804/05 in Wien als etablierter Komponist, der aber die Hoffnung auf Heilung seines Ohrenleidens aufgeben und ohne die Zuwendung einiger Gönner auskommen musste.

Die Sonate beginnt mit pochenden Achtel-Akkorden, aus denen sich erst langsam eine Melodie entwickelt, um dann übermütig über die Tasten zu sausen. Die anstelle eines zweiten Satzes stehende Introduktion schwebt mit Tönen in den Saal, die weder Anfang noch Ende haben, ehe der liebliche Rondobeginn sie ablöst. Den Wechsel von hell und dunkel, laut und leise lässt Giorgini in ein prestissimo münden, das sich in aberwitzigem Tempo über sich selbst amüsiert.

Der Komponist Wolfgang Rihm unterrichtet an der Hochschule für Musik in Karlsruhe und erhielt für seine Kompositionen zahlreiche Preise wie den Kranichsteiner Musikpreis, den Beethovenpreis und den Ernst-von-Siemens Musikpreis. Seine sechs Préludes aus dem Jahr 1967 sind Miniaturen, denen Giorgini eigene Gesichter verleiht: dunkel drohend, getragen oder tänzerisch im Walzertakt.

Peter Tschaikowskis Ballett Dornröschen wurde 1890 im Marinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt. Wie schon "Schwanensee" war ihm kein sofortiger, dafür aber lang anhaltender Erfolg beschieden. Es wurde zur Vorlage für eine Orchestersuite und ein Klavierstück zu vier Händen, der russische Komponist Mikhail Pletnev arrangierte es für Klavier Solo. Für die Ouvertüre greift Giorgini mal kraftvoll zu, mal klingelt es sachte wie von einer Spieluhr: der Kampf zwischen guter und böser Fee ist hier schon angelegt. Reines Ballett mit getrippelten Schrittchen und Pirouetten bietet der "Tanz der Pagen". Dynamisch und leichtfüßig springt und tänzelt die "Fée argent", ehe das Finale in festlicher Eleganz die Suite und das Konzert im Kiesel abschließt.