Beim ersten Treffen im "Gessler 1862" stand das Thema "Klimaentwicklung und Artenvielfalt" im Fokus. Tillmann Stottele vom städtischen Umweltamt schickte der angeregten Diskussion Informationen über Entwicklungstrends voraus und formulierte Ziele mit Blick auf eine lebenswerte Stadt.

Mehr Bürger, höhere Ansprüche

"Von 2005 bis 2018 ist die Zahl der Einwohner von 56.000 auf 62.000 gewachsen", so Stottele. Insbesondere seien dies Menschen, die hier Arbeit suchen und finden, aber auch Ruheständler, die ihren Lebensabend am See verbringen wollen. Die Ansprüche der heterogenen Gesellschaft und die Nutzungsintensität von Stadt und Landschaft würden weiter zunehmen. "Wir fahren SUVs, bauen Radschnellwege und ersetzen ein Hallenbad durch eine Bäderlandschaft", sagte Stottele.

Städtisches Grün großteils aufgebraucht

Die Industrialisierung im Obstbau habe Grünland und Streuobstwiesen ersetzt. Die Innenverdichtung gehe auf Kosten alter Bausubstanz und innerstädtischen Grüns. "Wir sägen buchstäblich am Ast, auf dem wir sitzen", warnte Stottele. So habe die Stadt in den vergangenen 100 Jahren vom Kapital der Landschaft gelebt und das Stadtgrün zu großen Teilen aufgebraucht.

Stottle: Vier Geschosse sind zu niedrig

"Ich spitze bewusst zu. Zum Glück gibt es außerhalb der Stadt noch reiches Potenzial", sagte Stottele. Nichtsdestotrotz sei nur eine grüne Stadt zukunftsträchtig. Deshalb müsse man zusammenrücken und in die Höhe bauen. "Wiggenhausen-Süd ist zwar hoch, aber nicht hoch genug." Grundsätzlich könne es bei Neubauten künftig nicht bei vier Stockwerken bleiben, wenn man Grünflächen zwischen den Häusern haben wolle. "All diese Herausforderungen meistern wir nur mit informierten und verantwortungsbewussten Bürgern."

Appell an mehr Eigenverantwortung

In der Diskussion kam der Zustand des Waldes bei der Siedlung Löwental ebenso zur Sprache wie Fragen des sozialen Wohnungsbaus und Ausgleichsflächen im Außenbereich. Immerhin hat Friedrichshafen 200 Hektar hinzugewonnen. Wie gestalte ich meinen Vorgarten, wo kaufe ich ein und wie bewege ich mich fort? SPD-Gemeinderätin Christine Heimpel unterstrich, dass jeder nur bei sich selbst anfangen könne. Als größtes Streitthema der nahen Zukunft sieht sie Bebauung der Schätzlesruh, einer grünen Lunge der Stadt.