"Die Übersichtlichkeit der Dornierstraße ist so schlecht, dass die Schulwegsicherheit der Kinder nicht mehr gegeben ist." Und das in einem Gebiet, in dem nach Einschätzung von Anwohnern aktuell deutlich mehr Kinder als noch vor einigen Jahren leben. Kinder, die die Dornierstraße auf dem Weg in den Kindergarten, zur Schule oder zum Schulbus täglich überqueren müssen. So wird die Ausgangslage auf einem Papier beschrieben, das Anwohner für ein Treffen mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Polizei vorbereitet hatten. Dass es sich nicht nur einige wenige sind, die sich eine Veränderung in der Dornierstraße wünschen, zeigt eine Unterschriftenliste mit mehr als 200 Unterzeichnern. "Wir, das sind rund 150 Anwohnerfamilien, fordern, dass die Stadt Friedrichshafen verschiedene Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ergreift", ist dem Papier weiter zu entnehmen. Die Beobachtungen, die diese Ausgangslage ergeben: Der Verkehr und der Parkdruck haben zugenommen, Autofahrer nutzen die Dornierstraße als Ausweichstrecke, halten sich oft nicht an die zulässige Höchstgeschwindigkeit und machen auch vor den Zebrastreifen nicht unbedingt Halt. Ein Unfall, bei dem im März ein Sechsjähriger schwere Verletzungen erlitten hatte, gab den Ausschlag, diese Sorgen öffentlich zu machen. Der Vorort-Termin, der Anwohnerin Katharina Vinkovic während der Bürgerfragestunde in der Gemeinderatssitzung in Aussicht gestellt worden war, fand am Freitag statt. "Das ist kein Termin, der presseöffentlich ist", hatte Oberbürgermeister Andreas Brand zuvor in der Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschusses erklärt.

Drei Parkplätze werden entfernt

Besprochen wurden laut Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt (BSU), "mehrere Maßnahmen, die nun zeitnah umgesetzt werden sollen". Dazu gehören Seitenradarmessungen, die an verschiedenen Stellen der Dornierstraße zeigen sollen, wie oft die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit dort tatsächlich überschritten wird. Temporär und ebenfalls an verschiedenen Stellen soll eine Smiley-Anzeige Autofahrer anlächeln – oder eben auch nicht. Darüber hinaus werde das BSU anordnen, dass Linien- und Schulbusse bei Stopps an Haltestellen die Warnblinkanlage einschalten müssen. "Damit ist geregelt, dass hinter dem Bus fahrende Fahrzeughalter den anhaltenden Bus nicht passieren dürfen und der Gegenverkehr den Bereich beim Halten von Bussen nur in Schrittgeschwindigkeit befahren darf", so Schraitle. Die Sicht für Autofahrer auf den Zebrastreifen beim Lausbüchelweg soll durch die Entfernung dreier Parkplätze erhöht werden. Außerdem wurde Schraitle zufolge vereinbart, dass die Stadt zusätzliche Geschwindigkeitskontrollen in der Dornierstraße vornehmen wird. Das BSU werde im laufenden Frühjahr zusätzlich die Querungszahlen über die Dornierstraße und die Fußgängerströme, insbesondere der Schulkinder, erheben. "Wenn diese Zahlen ausgewertet sind, kann entschieden werden, ob weitere Maßnahmen in diesem Abschnitt notwendig und möglich sind", teilte Schraitle mit.

Aus Sicht der Anwohner sind sie es. Auch sie schlagen unter anderem den Einsatz von Smiley-Anzeigen vor. Ein Lächeln soll Autofahrern nach Vorstellung der Familien allerdings nur geschenkt werden, wenn sie höchstens 30 Stundenkilometer schnell sind. "Wir hoffen, dass auch die Frage nach der Möglichkeit einer abschnittsweisen Geschwindigkeitsbegrenzung noch mal geprüft wird", sagte Katharina Vinkovic nach dem Treffen am Freitagmorgen. Weitere Maßnahmen, die die Anwohner anregen, sind Bedarfsampeln, die Verlegung des Zebrastreifens am Lausbüchelweg, Verkehrsinseln auf Höhe der Bushaltestellen und die Verbreiterung von Gehwegen.

Zugleich besteht der Wunsch nach Schaffung neuer Parkplätze. Die Stadt habe es versäumt, im Bereich der neuen Siedlungen – Buchschach I – genügend Parkplätze auszuweisen. Der Vorschlag der Familien: Die Stadt könne im Bereich Buchschach II kurzfristig Abhilfe schaffen. Und: "Bei Neubauten sollte unbedingt auf genügend Parkplätze geachtet werden." Auf Anfrage hierzu verweist die Stadtverwaltung auf die Landesbauordnung Baden-Württemberg, der zufolge für eine Wohnung ein Stellplatz nachzuweisen sei. Bei der Wohnsiedlung ergebe sich ein Schlüssel von 1,5 Stellplätzen pro Wohnung – "deutlich über der gesetzlichen Vorschrift". Der Stellplatzschlüssel orientiere sich an den vorhandenen Anbindungen durch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und den verkehrspolitischen Zielvorstellungen, den ÖPNV sowie Carsharing-Modelle zukünftig zu stärken, heißt es seitens der Stadtverwaltung außerdem. "Aufgrund der verdichteten Siedlungsstruktur der Buchschachsiedlung bieten sich keine räumlichen Freiräume an, die eine nachträgliche Ausweisung von Stellplätzen ermöglichen."

Tempo 30

Die Ausweisung einer Tempo-30-Zone schließt die Straßenverkehrsordnung auf Kreisstraßen wie der Dornierstraße aus. Sogenannte "Streckenbezogene Geschwindigkeitsbeschränkungen" können laut Stadtverwaltung aus Gründen der Verkehrssicherheit angeordnet werden, "insbesondere bei sehr unübersichtlichen, kurvenreichen Strecken, an Unfallschwerpunkten mit ursächlich überhöhten Geschwindigkeiten". Weder sei dies der Fall, noch machen laut Stadtverwaltung Lärmwerte eine Geschwindigkeitsreduzierung in der Dornierstraße notwendig.