Friedrichshafen – Vor 40 Jahren startete in Friedrichshafen der deutschlandweit erste Rufbus. Bis 1987 ersetzten kleine grüne Busse die roten Bahnbusse im Stadtverkehr und im Umkreis. Dank Digitalisierung und Smartphone-Apps erleben die Ideen von damals heute eine Renaissance.

Erinnerung: "Manchmal 40 Minuten für 1,5 Kilometer"

Beim Fachkongress "Rufbus meets Mobility 4.0" auf dem See-Campus der Zeppelin-Universität diskutierten rund 85 Vertreter aus Verkehrsplanung und -politik, Praktiker und Zeitzeugen Geschichte, Gegenwart und Zukunft des flexiblen Nahverkehrs. Jürgen Löffler, Geschäftsführer des Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbunds, ist in Friedrichshafen aufgewachsen und hat den grünen Rufbus als Jugendlicher häufig genutzt. "Ohne festen Fahrplan und Linien gab man an der Rufsäule seinen Fahrtwunsch ein. Diese Technik war damals faszinierend", erinnert er sich. In der Regel habe sie auch ganz gut funktioniert. "Manchmal ging die Fahrt für eine 1,5 Kilometer lange Strecke aber auch um die ganze Stadt herum und dauerte 40 Minuten", schildert Löffler. Auch dass man sich immer anmelden musste, wenn man mit dem Bus fahren wollte, sei nicht ganz optimal gewesen.

Bei der Tagung "Rufbus meets Mobility 4.0" an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen beschäftigten sich 85 Teilnehmer aus ganz Deutschland mit flexiblen Nahverkehrsangeboten in Gegenwart und Zukunft.
Bei der Tagung "Rufbus meets Mobility 4.0" an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen beschäftigten sich 85 Teilnehmer aus ganz Deutschland mit flexiblen Nahverkehrsangeboten in Gegenwart und Zukunft. | Bild: Claudia Wörner

Zwischen siebeneinhalb und acht Minuten habe man zu Häfler Rufbus-Zeiten im Schnitt auf eine Verbindung gewartet. "Das war für die damalige Zeit eine sehr gute Leistung", sagt Martin Schiefelbusch von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg. "Technik und Betrieb waren jedoch zu aufwendig und auch aus wirtschaftlichen Gründen hat das System auf Dauer nicht funktioniert."

Technik und Betrieb waren zu aufwendig

Dem Vorteil der Flexibilität standen zu wenig Bündelungseffekte entgegen. Ein weiterer Grund für das Scheitern des grünen Rufbusses, der 1987 wieder durch Linienbusse ersetzt wurde, sei die Ausweitung über das Stadtgebiet hinaus gewesen, erläutert Jürgen Löffler. "Da kam die Technik nicht mehr mit und die Fahrgäste waren frustriert." Nichtsdestotrotz entwickelten sich aus den Friedrichshafener Erfahrungen heraus anschließend in Stadt und Land weitere lokale Rufbus- und Anrufsammeltaxisysteme.

Modell eines autonomen Rufbusses für die Zukunft: (von links) Jürgen Löffler (Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund), Martin Schiefelbusch (Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg), Gerd Hickmann (Verkehrsministerium Baden-Württemberg).
Modell eines autonomen Rufbusses für die Zukunft: (von links) Jürgen Löffler (Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund), Martin Schiefelbusch (Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg), Gerd Hickmann (Verkehrsministerium Baden-Württemberg).

Gerd Hickmann, Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr im Verkehrsministerium Baden-Württemberg, erklärte, dass der Nahverkehr im ländlichen Raum bei der Landesregierung ganz oben stehe. "Ziel ist die stündliche Erreichbarkeit mit Bus, Rufbus oder Sammeltaxis." Neben Linienbussen auf nachfragestarken Achsen – im Bodenseekreis zum Beispiel zwischen Friedrichshafen und Tettnang, Überlingen und Heiligenberg sowie Überlingen und Pfullendorf – seien die flexiblen Busse ideal.

Gute Beispiele in Meckenbeuren und Deggenhausertal

Schon heute werden die Linienbusse im Kreis durch Anruferbusse und Bürgermobile in den Städten und Gemeinden ergänzt, sagte Jürgen Löffler. "Gute Beispiele haben wir in Meckenbeuren und in Deggenhausertal." Gerade angesichts der hohen Mieten in den Städten sei es ganz wichtig, den ländlichen Raum besser an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen.