Reinaldo Coddou H. hat einen Job, um den ihn viele beneiden. Er ist Fotograf. Aber nicht irgendein Fotograf. Coddou lichtet Fußballstadien ab. In den vergangenen 20 Jahren hat der 47-Jährige einiges von der Welt gesehen. Er war beim Sommermärchen 2006 dabei, hat die Deutsche Mannschaft beim Finale der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien fotografiert und auch in kleineren Stadien einige sportliche Höhepunkte festgehalten.

Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2006 zu sehen

Acht ausgewählte Fotografien Coddous sind seit Sonntag im Rahmen des Projekts "Fußballtempel Friedrichshafen" des Kunstvereins in der Zeppelinstadt zu sehen. Auf großen Leinwänden – mit Maßen von 4,80 Mal 1,78 Meter – haben Vereinsmitglieder und externe Helfer die Bilder aufgestellt. So ist etwa eine Fotografie des Eröffnungsspiels der Weltmeisterschaft 2006 beim Stadtbahnhof zu finden. An jeder Leinwand liegen Stadtpläne aus, auf der die Standorte der Bilder eingezeichnet sind.

Die Leinwand am Stadtbahnhof zeigt das Eröffnungsspiel des Sommermärchens in München.
Die Leinwand am Stadtbahnhof zeigt das Eröffnungsspiel des Sommermärchens in München. | Bild: Mona Lippisch

"Das Projekt ist für die ganze Stadt gedacht. Dabei wollen wir auch Leute ins Boot holen, die sich sonst nicht für Kunst interessieren", sagt Julian Denzler, Kurator des Kunstvereins, beim Eröffnungsrundgang. Dabei sind Fotograf Coddou, zahlreiche Mitglieder des Vereins und der ein oder andere Fußballliebhaber. Anders als sonstige Großflächen in der Stadt dienen die ausgestellten Bilder nur dem Selbstzweck.

Fußball weckt Begeisterung

"Das Ganze soll Spaß machen und die Menschen motivieren, die Stadt noch einmal von einer anderen Perspektive aus kennenzulernen", sagt Denzler. Ziel sei es auch, den Austausch der Passanten untereinander anzuregen. Denn Fußballsport weckt Begeisterung, ist sich Denzler sicher. "Indem persönliche Anekdoten zu den jeweiligen Spielen und Spielorten geteilt werden, ist es möglich, eine Brücke zwischen Kunst und Populärkultur zu schlagen", so der Kurator.

Teilnehmer kommen mit Fotograf ins Gespräch

Das war beim Eröffnungsrundgang zwar nur bedingt der Fall, die Teilnehmer hatten dennoch Spaß und kamen mit dem Fotografen ins Gespräch. "Ich bin da, weil es die Ausstellung meines Schwiegersohns ist. Die Idee ist toll, überraschend und ungewöhnlich", sagt Niels von Eisenhart. Der Meersburger betont: "Eigentlich ist Friedrichshafen ja keine Fußballstadt. Ich finde es super, dass das Projekt trotzdem realisiert wurde."

Caddou: "Hauptsache groß ist das Thema während der WM"

Fotograf Caddou war sofort überzeugt, als die Anfrage des Kunstvereins bei ihm einging. "Ich habe nicht lange überlegt. Hauptsache groß ist das Thema während der WM. Und große Fußballbilder am Bodensee? Das ist einfach top", sagt Caddou.