Friedrichshafen – Am 6. Februar 2014 wurden die ersten Entwürfe für eine Bebauung des Apfelbaumfeldes an der Regenerstraße in Windhag vorgestellt. Am 24. April soll der Gemeinderat Baurecht für acht Mehrfamilienhäuser schaffen. Nach über drei Jahren, begleitet von heftigen Auseinandersetzungen vor allem mit Anwohnern, die sich in der Bürgerinitiative Apfelbaumfeld zusammengeschlossen haben, wird mit dem Satzungsbeschluss für diesen vorhabenbezogenen Bebauungsplan eines der umstrittensten Bauprojekte in Friedrichshafen möglich. Etwa 1600 Häfler hatten 2015 eine Petition unterschrieben, um "Monsterbauten" an dieser Stelle zu verhindern. Diese Petition und eine folgende wurden vom Landtag abgelehnt.

Die Firma Prisma AG plant im Auftrag des Grundstückseigentümers Robert Baur acht Gebäude auf der rund 8500 Quadratmeter großen, früheren Obstanlage. Mit dem Bebauungsplan wird deckungsgleich das Modell des Häfler Architekten Fritz Hack umgesetzt. Sein Gebäude-Ensemble ging im März 2015 als Siegerentwurf für die geplante Wohnbebauung aus einem Architektenwettbewerb hervor. Es sieht sieben Wohngebäude mit drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss vor, ein achtes Gebäude am höchsten Punkt des Baugebiets darf vier Geschosse plus Dachgeschoss haben. Die Bürgerinitiative hatte maximal drei Geschosse gefordert, hält die Bebauung an Regener- und Windhagstraße zu massiv, zumal der bis dato gütlige Baulinienplan nur eine eingeschossige Wohnbebauung zulässt. Diese "geringen baulichen Dichten und Kubaturen entsprechen allerdings nicht mehr heutigen städtebaulichen Zielen", steht in der Ratsvorlage für die Sitzung des Technischen Ausschusses, der den Bebauungsplan am 4.

April öffentlich vorberät. Angezeigt seien heute flächensparendes Bauen und Nachverdichtung. Nach Aussage von Prisma-Geschäftsführer Stefan Nachbaur sind maximal 78 Wohnungen geplant, "je nach Aufteilung auch weniger". 20 Prozent der Fläche soll geförderter Wohnraum sein, was in einem Vertrag zwischen Stadt und Investor fixiert wird. Was genau drin steht, weiß Nachbaur noch nicht. "Den Entwurf bekommen wir nächste Woche."

Auf wieviel Gegenwehr das Projekt in der Nachbarschaft des Apfelbaumfeldes stieß, zeigen knapp 900 Seiten mit Einwendungen der Anlieger und den Abwägungsvorschlägen der Verwaltung nach der zweimaligen öffentlichen Auslegung der Pläne. Wesentliche Kritikpunkte waren für einige Eigentümer die künftig schlechtere Sicht auf den See, aber auch die Verkehrssituation in dem Areal. Der zusätzliche Verkehr könne problemlos aufgenommen werden, steht in der Vorlage. Unter den acht Häuser sind zwei Tiefgaragen mit 107 Stellplätzen geplant, oberirdisch kommen 24 dazu.

Für Ulrich Bernard, Sprecher der Bürgerinitiative, ist der vorliegende Bebauungsplan schlicht schlecht, weil er der Situation vor Ort nicht gerecht werde und nach dem Prinzip "Länge mal Breite mal Geld" aufgestellt sei, um teure Penthouse-Wohnungen mit Seesicht verkaufen zu können. "Wir sind nicht gegen Wohnungen, aber so kann man das nicht stehen lassen", erklärte er auf Anfrage. Genauer wird Ulrich Bernard am 4. April darauf eingehen, denn die Initiative habe in der Sitzung 15 Minuten Rederecht eingeräumt bekommen.

Verkehrskonzept

Im Entwurf liegt mit dem Bebauungsplan auch ein Konzept vor, wie die Verkehrssituation verbessert werden kann. Vorschläge sind: eine Verbreiterung der Windhager Straße, künstliche Engstellen an der Glärnischstraße oder eine Ausweitung der 30er-Zone. (kck)