Großes Interesse zeigten knapp 100 Bürger aus dem Friedrichshafener Westen an den Ideen, die vier Architektur- und Stadtplanungsbüros für das Fischbacher Bebauungsplangebiet "Eisenbahnstraße" entwickelt haben. Um diese mit den Planern auch intensiv zu diskutieren und Kritik, aber auch Lob zu äußern, nahmen sich die meisten auch gut dreieinhalb Stunden Zeit.

In den Ecken des Dorfgemeinschaftshauses von Schnetzenhausen präsentierten die Planer ihre Modelle. Bevor sie dort Rede und Antwort standen, hatte jeder der Planer 15 Minuten Zeit, seine grundlegenden Gedanken zu der Aufgabe und seinen Lösungsansatz vor allen Besuchern in Form einer Präsentation zu zeigen. Klaus Sauter, Leiter des Stadtplanungsamtes, fasste zuvor die im Auslobungstext zum Wettbewerb genannten Ziele zusammen: Städtebauliche Defizite beseitigen, Wohnraum schaffen, die Infrastruktur verbessern, Nachverdichtungspotenziale schaffen, eine Verbindung zur Uferzone herstellen und dabei genügend Freiräume beibehalten. "Wir wollen keine Verdichtung auf Biegen und Brechen", machte Sauter klar. In ihren Präsentationen merkten fast alle Architekten am Rande an, dass sie die fast fertig gebaute Neue Ortsmitte im Vergleich zur Nachbarbebauung als zu hoch und zu voluminös betrachten und sich daran kein Vorbild nehmen wollen.

Rund 100 Bürger schauten sich im Dorfgemeinschaftshaus von Schnetzenhausen die Präsentationen der Architekten aufmerksam an und beteiligten sich an der Diskussion über die Entwürfe zum Bebauungsplan für das Gebiet der Fischbacher Eisenbahnstraße.
Rund 100 Bürger schauten sich im Dorfgemeinschaftshaus von Schnetzenhausen die Präsentationen der Architekten aufmerksam an und beteiligten sich an der Diskussion über die Entwürfe zum Bebauungsplan für das Gebiet der Fischbacher Eisenbahnstraße.

Die Erschließung des gut sieben Hektar großen Gebietes soll überwiegend durch die Kapellenstraße, von der Zeppelinstraße her, erfolgen. Einige Planer schlagen hier Kreisverkehre vor. Dort, wo heute der Skaterplatz ist, am Eingang zum neuen Quartier, stellen sich alle Planer markante Gebäude mit anspruchsvoller Architektur vor, die auch in der Form von der sonst im Gebiet überwiegenden Quaderform abweicht. Diese Solitäre sollen entweder für hochwertige Wohnungen oder als Hotel genutzt werden. Alle sehen mindestens einen größeren Platz vor, der zur Begegnung, als Festplatz und auch für einen Markt geeignet wäre. Zwei Planer schlagen vor, diesen direkt an der Ostseite der Neuen Ortsmitte zu platzieren. In den Vorschlägen zur Bebauung entlang der Bahnlinie ist man sich allgemein einig, hier eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe schaffen zu wollen. Was die Vorschläge zur Größe, Form und Anordnung der Gebäude anlangt, bestehen zwischen den einzelnen Entwürfen große Unterschiede. Auch was die Parkmöglichkeiten angeht, gibt es unterschiedliche Lösungsvorschläge. Ein Büro schlägt ein oberirdisches Parkhaus vor, die anderen wollen Parkmöglichkeiten überwiegend unter der Erde schaffen.

Am Stand des Büros Lehen drei aus Stuttgart erläuterte Architekt Matthias Schuster (vorn) seinen Entwurf.
Am Stand des Büros Lehen drei aus Stuttgart erläuterte Architekt Matthias Schuster (vorn) seinen Entwurf.

Viele Bürger fragten, wo künftig der Skaterplatz und der Jugendtreff ihren Platz finden sollen. Die meisten Planer wollen diese auf die Südseite der Zeppelinstraße verlegen. Viel Kritik mussten die Planer von Bürgerseite einstecken, weil die Freiflächen um die Schule bei allen Planungen erheblich kleiner werden. Zudem haben alle den östlichen Ergänzungsbau der Schule in ihren Plänen entweder als Kita ausgewiesen oder durch einen Kita-Neubau oder ein Pflegeheim ersetzt. Architekt Markus Müller wies zum Schluss der Veranstaltung darauf hin, dass es für alle Planer hilfreich wäre, wenn für die Überplanung Rahmenbedingungen zum Freiflächenbedarf für Schule und Kita definiert würden. Nicht nur die Planungsbüros, die bis Ende Oktober ihre Pläne überarbeiten sollen, werden also noch mal über dieses Thema nachdenken müssen.

Die Architekten Fritz Hack (2.v.l.) und Markus Müller nehmen als Arbeitsgemeinschaft am Wettbewerb zur Fischbacher Eisenbahnstraße teil.
Die Architekten Fritz Hack (2.v.l.) und Markus Müller nehmen als Arbeitsgemeinschaft am Wettbewerb zur Fischbacher Eisenbahnstraße teil.

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER lobte Bertram Heimgartner aus dem Leitungsteam der Fischbacher Runde am Ende der Veranstaltung den transparenten Planungsprozess und die konstruktive Diskussion des Abends in Schnetzenhausen. "Jeder Vorschlag hat gute Elemente, die bei guter Kombination eine ideale Lösung bringen könnten", fasste er zusammen.

Reinhard Böwer (Mitte) vom Büro BEMV aus Freiburg ist in angeregter Diskussion über seinen Wettbewerbsbeitrag.
Reinhard Böwer (Mitte) vom Büro BEMV aus Freiburg ist in angeregter Diskussion über seinen Wettbewerbsbeitrag.

Wie geht es weiter?

Die Planer haben die von Bürgern genannten Kritikpunkte und Anregungen sowie auch positive Reaktionen mitgenommen. Bis zum 30. Oktober haben sie Zeit, ihre Pläne zu überarbeiten. Am Donnerstag, 30. November, findet die Gutachtersitzung zu den überarbeiteten Plänen statt. Falls der Wettbewerb ein zufriedenstellendes Ergebnis geliefert habe, werde das Bebauungsplanverfahren im Februar 2018 weitergeführt, falls nicht, solle der Aufstellungsbeschluss unter Berücksichtigung der Workshop-Ergebnisse erneut aufgestellt werden, erklärt Erster Bürgermeister Stefan Köhler. Im ersten Fall erfolge im Bebauungsplanverfahren die Beteiligung der Öffentlichkeit im April 2018. Dann könne der Satzungsbeschluss durch den Gemeinderat im Juli 2018 fallen. (gik)