Durch die lange Hitzeperiode mit viel Sonnenschein wuchert das sogenannte Laich- oder Seegras so üppig wie schon lange nicht mehr und führt derzeit zu massiven Behinderungen für Wassersportler. Doch nach Angaben der Biologin Petra Teiber-Sießegger vom Institut für Seenforschung in Langenargen sollte es ab Mitte August besser werden, denn dann sterben die Pflanzen nach und nach ab. In manchen Bereichen darf das Seegras trotz der Brutzeit einiger Fischarten dennoch gerodet werden, um beispielsweise Hafeneinfahrten für die Schifffahrt freihalten zu können.

Hafemeister über Arbeit im Yachtclub Langenargen

"Bei uns gibt es jede Menge Segler und Motorbootbesitzer. Die gehen trotz des schönen Wetters gar nicht mehr raus auf den See wegen des Seegrases. Viele müssen von ihrem Bootsliegeplatz bis zur Hafenausfahrt zweimal tauchen um das Seegras zu entfernen", weiß Dieter Härle, Hafenmeister vom Yachtclub Langenargen. Ihm geht die Arbeit zur Zeit nicht aus – jeden Tag zieht er mit einer Mistgabel bewaffnet los, um das Gras im Hafen so weit wie möglich zu entfernen. "Das ist aber wie bei einem Eisberg – das meiste ist unter der Wasseroberfläche, deshalb haben einige Motorbootfahrer, die keinen klappbaren Außenborder haben auch schon Schäden an den Motoren aufzuweisen", schildert Härle die Lage.

Das üppig wchsende Seegras behindert zur Zeit viele Wassersportler am Bodensee. In diesem Jahr wächst es durch die warme Witterung besonders üppig.
Das üppig wchsende Seegras behindert zur Zeit viele Wassersportler am Bodensee. In diesem Jahr wächst es durch die warme Witterung besonders üppig.

Bei ihm riefen auch immer wieder Vertreter anderer Clubs an, die ebenfalls Probleme mit dem wuchernden Grünzeug haben. Große Probleme haben in den östlichen Gemeinden auch Stand-Up-Paddler und Ruderer ebenso wie kleinere Segelboote, die oft von ihren zu gewucherten Liegeplätzen gar nicht mehr ablegen können.

Lange Trockenperiode mit viel Sonnenschein

Petra Teiber-Sießegger, Biologin am Institut für Seenforschung in Langenargen, weiß, warum das Seegras in diesem Jahr besonders üppig ist. "Wir haben eine sehr lange Trockenperiode mit viel Sonne und daher auch einen extrem niedrigen Wasserstand." In den östlichen Gemeinden von Lindau bis Friedrichshafen ist das Seegras besonders ausgeprägt, da dort die ufernahen Bereiche flach sind und erst weiter im See draußen steiler abfallen. In der Region um Überlingen gäbe es laut Teiber-Sießegger das Problem nicht, da dort oft ein steiniger, felsiger Seegrund ist, auf dem sich das Seegras nicht gut wachsen kann.

Grün so weit das Auge reicht: Der Lindauer Hafen ist größstenteils vom üppig wachsendem Seegras bedeckt.
Grün so weit das Auge reicht: Der Lindauer Hafen ist größstenteils vom üppig wachsendem Seegras bedeckt.

Doch neben der Seekuh, die in etlichen Hafenbereichen und Regionen derzeit dafür sorgt, dass das Seegras nicht ganze Hafeneinfahrten blockiert, gibt es auch sonst Hoffnung, denn: Ab Mitte August sterben die Pflanzen dann ohnehin nach und nach ab. In Langenargen soll nach Angaben von Hafenmeister Dieter Härle ab Montag die Seekuh zumindest die Hafeneinfahrt frei von Seegras machen.

Doch das geht nicht überall: In Lindau wird bis zum 15. August nur der Hafen in dem die BSB-Schiffe ein- und ausfahren größtenteils mithilfe der Seekuh grasfrei gehalten. Nach Angaben des zuständigen Landratsamtes darf das Seegras bis Mitte August wegen der Laichzeit der Fische auch im sogenannten Kleinen See (neben der Seebrücke) nicht gerodet werden.

Das sagt das Landratsamt Lindau zur Situation

In einer ausführlichen Stellungnahme des Landratsamtes Lindau heißt es dazu: "Im Zweifel entscheidet das Landratsamt zusammen mit der Fachberatung für das Fischereiwesen beim Bezirk Schwaben über den richtigen Schnittzeitpunkt. Im Kleinen See darf beispielsweise heuer das Seegras ab dem 15. August gemäht werden. Für die Freihaltung der Fahrrinne muss dort mit dem Rückschnitt immer rechtzeitig vor der Laichzeit begonnen werden. Das Ablaichen in der Fahrrinne kann dann durch regelmäßigen Rückschnitt verhindert werden. Ausnahmen können nicht erteilt werden. Für betroffene Gemeinden ist es empfehlenswert, ein Mähkonzept auf der Basis eines aussagekräftigen naturschutz- und fischereifachlichen Gutachtens erarbeiten zu lassen und dieses mit den Behörden abzustimmen. Hiermit kann Klarheit auch für die Zukunft geschaffen werden, in welchem zeitlichen Rahmen und in welchen räumlichen Zonen in rechtlich einwandfreier Weise gemäht werden kann."

Es grünt so grün: Das Seegras wächst in diesem Jahr wegen der langanhaltenden Schönwetterperiode besonders gut – da es auch Laichplatz für etliche Fischarten ist, darf es nicht überall gerodet werden.
Es grünt so grün: Das Seegras wächst in diesem Jahr wegen der langanhaltenden Schönwetterperiode besonders gut – da es auch Laichplatz für etliche Fischarten ist, darf es nicht überall gerodet werden.

Darum rufen bei der Stadt Lindau derzeit viele Einheimische und Urlauber an, die wissen wollen, warum das Seegras nicht gerodet wird und was es damit auf sich hat. Wer derzeit von der Lindauer Hafenpromenade aus auf die Wahrzeichen Löwe und Leuchtturm schaut, sieht in erster Linie einen fast geschlossen grünen Teppich. Am Wochenende hat das Sommerwetter erst einmal Pause gehabt und bei Regen, so die Experten, wächst das Seegras zumindest langsamer weiter.