Die Bürgerinitiative Pro Kluftern hat jüngst Nehmerqualitäten gezeigt. Es galt, die Niederlage in einem Rechtsstreit zu verkraften. Und zwar in dem von Pro Kluftern unterstützten Verwaltungsgerichtsverfahren eines Klufterner Landwirts gegen die Planfeststellung der Markdorfer Südumfahrung. „Für uns eine maximale Enttäuschung, die wir erst verdauen mussten“, erklärte Walter Zacke, Vorsitzender der Initiative im Ortsteil Kluftern, bei der Mitgliederversammlung im Gasthaus Gehrenbergblick.

Ein zweites Gleis ist nicht in Sicht für die Bodensee-Gürtelbahn, geschweige denn eine Elektrifizierung. Bilder:
Ein zweites Gleis ist nicht in Sicht für die Bodensee-Gürtelbahn, geschweige denn eine Elektrifizierung. | Bild: Jörg Büsche

Sodann gab es eine weitere „böse Überraschung“, zitierte Zacke den grünen Landtagsabgeordneten Martin Hahn, der im Mai die bittere Botschaft vom Stuttgarter Zuschuss von 9,5 Millionen Euro für die Markdorfer Südumfahrung überbracht hatte. „Für uns eine maximale Enttäuschung.“ Im Übrigen aber seien die zurückliegenden Monate recht ruhig gewesen, abgesehen vom Kommunalwahlkampf. Aus dem sind die Mitglieder der Bürgerliste Pro Kluftern trotz Stimmeinbußen als stärkste Fraktion im Ortschaftsrat hervorgegangen.

Pro Kluftern prophezeit, dass mit dem Bau der Markdorfer Südumfahrung ein wertvolles Naherholungsgebiet für die Klufterner sowie die Markdorfer verloren gehe.
Pro Kluftern prophezeit, dass mit dem Bau der Markdorfer Südumfahrung ein wertvolles Naherholungsgebiet für die Klufterner sowie die Markdorfer verloren gehe. | Bild: Jörg Büsche

Wie der Kreistag auf Antrag von SPD und Grünen zur Südumfahrung reagiert hat, bezeichnete Walter Zacke als „undemokratisch“. Laut den Kreistagsfraktionen von SPD und Grünen sei die Südumfahrung für Markdorf überflüssig geworden. Sie hatten zuletzt den Antrag gestellt, den Entscheid für die Umgehungsstraße im Süden der Gehrenbergstadt zurückzunehmen. Nicht zuletzt weil sich in den letzten 16 Jahren – so lange liegt der Bürgerentscheid mit knappem Pro für die Südumfahrung zurück – die Verkehrspolitik verändert habe.

Öffentlicher Personennahverkehr soll ebenso ausgebaut werden wie der Fahrradverkehr. Auch sei nicht mehr mit der seinerzeit veranschlagten Entlastung zu rechnen. Statt 10 000 stehen künftig lediglich 4000 Fahrzeuge in Rechnung. Schließlich verwiesen Kreis-Grüne und -SPD auch auf die massiven Kostensteigerungen fürs Projekt. Man habe den Beschluss „mit Hilfe der ausscheidenden Kreisräte einfach durchgepeitscht“.

Der Vorstand von Pro Kluftern (von links): Bernhard Kettner, Adalbert Kühnle, Manfred Roth, Elke Rudolf, Hatto Enzle, Gerhard Schwaderer, Walter Zacke und Artur Rudolf.
Der Vorstand von Pro Kluftern (von links): Bernhard Kettner, Adalbert Kühnle, Manfred Roth, Elke Rudolf, Hatto Enzle, Gerhard Schwaderer, Walter Zacke und Artur Rudolf. | Bild: Jörg Büsche

Tief enttäuscht zeigte er sich von den Vertretern der Friedrichshafener CDU, FDP und Freien Wähler, die laut Zacke „unsere Klufterner Interessen offenbar nicht vertreten“. Seine Hoffnung liegt nun darauf, dass geschieht, was Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann im Kreistag angedeutet habe: Der Markdorfer Gemeinderat werde nach Vorliegen der vollständigen Werkplanung für die Südumfahrung ein endgültiges Votum abgeben. „Man kann die Stadt Markdorf als den Verfahrensträger ja wohl kaum übergehen“, hofft Zacke.

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Er berichtet, dass der Klufterner Ortschaftsrat, dem Zacke angehört, in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag an den Friedrichshafener Gemeinderat formuliert habe. Danach soll auch Friedrichshafen eine Stellungnahme zu dem Projekt in der Nachbarstadt abgeben. „Das eröffnet uns ein neues politisches Handlungsfeld.“

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Die Ziele auf diesem Handlungsfeld sind: Das Mitwirken der Initiative, dass in Markdorf ein neuer Bürgerentscheid zur Südumfahrung zustande kommt. Widerstands-Signale an die Friedrichshafener Gemeinderatsfraktionen aus Kluftern.

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In diesem Zusammenhang waren sich die Pro-Kluftern-Mitglieder einig, dass eine realistische Chance bestehe, die Südumfahrung auf politischem Wege zu stoppen. Davon unbenommen plant die Initiative, alsbald Transparente aufzustellen, die den Verlauf der Südumfahrung markieren. An die Empfehlungen des Regionalforums angeknüpft wurde in Puncto innerörtliche Verkehrsentlastung. Dass der Häfler Rat nun Klufterner Vorschläge zur Verkehrseindämmung mit Verweis auf die klamme Kassenlage ablehnt, stieß in der Runde auf Unverständnis. „Tempo-30-Schilder werden ja wohl nicht so teuer sein“, wandte Artur Rudolf ein.

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Gedreht haben sich die Diskussionen des Abends vor allem um die Südumfahrung. Die B 31 wurde nur am Rande gestreift. Hier sei es sinnvoll, erst die Präsentationen des Dialogforums in der Immenstaader Linzgauhalle abzuwarten, die am Dienstag- und am Mittwochabend stattgefunden haben. Das Planungsteam aus dem Tübinger Regierungspräsidium hat dabei eine Skizze des derzeitigen Planungsstand für die B 31 neu zwischen Meersburg und Immenstaad geliefert. „Wir sind gespannt auf die Vorzugstrasse“, erklärte Gesprächsleiter Rudolf.

Kritik am Konzept der Bodenseegürtelbahn

Wiederholt wurde auch die Kritik der Initiative am Konzept der Bodenseegürtelbahn. An eine Elektrifizierung sei erst gar nicht zu denken. Und die Eingleisigkeit potenziere die Beschwerlichkeiten. Mit den neuen Zügen und ihren langsameren Türschließmechanismen häuften sich die Verspätungen sogar noch mehr. „Dass die Bahn Investitionen braucht“, so Artur Rudolf, „ist einfach immer noch nicht in den Köpfen angekommen.“

Pro Kluftern

Die Bürgerinitiative wurde 2002 gegründet, um gegen die Planungen für die Bundesstraße 31 Friedrichshafen West sowie die „Bahnparallele Trasse“ als Umgehung für Kluftern vorzugehen. Der Verein „Bürgerinitiative Pro Kluftern“ zählt inzwischen 184 Mitglieder Im Vorstand sitzen für den Ortsteil Kluftern Walter Zacke, Vorsitzender, und Manfred Roth, Stellvertreter – für Efrizweiler Adalbert Kühnle und Gerhard Schwaderer – für Lipbach Bernhard Kettner und Artur Rudolf (jeweils Vorsitzende und Stellvertreter). Die Kasse führt Elke Rudolf. (büj)

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