Die Lebenswelt der Kinder erweitern und ihnen die Möglichkeit geben, neue Erfahrungen zu machen: So beschreibt Christina Melzig vom Element-i-Kinderhaus Wiki das Projekt "Kinder mit Pferden stark machen". An fünf Terminen kommen Ponys in den Kindergarten. Für alle Beteiligten ein Pilotprojekt.

Noch halten Lancelot, Coco und Mut Abstand zu den Kindergartenkindern. "Die Ponys haben sehr gute Ohren, redet also in normaler Lautstärke mit ihnen", erklärt Sabine Kaenders zu Beginn. Lancelot, ein schwarzes Pony und der jüngste der Gruppe, beginnt unterdessen, sich den Kindern immer wieder zu nähern. Im Galopp umkreist er die Gruppe. "Was hat er denn", will Kindergartenkind Helen wissen. "Er freut sich auf die gemeinsame Stunde mit euch", antwortet die Tierpädagogin.

"Die Shetlandponys können Spannungen spüren und sie in ihrem eigenen Verhalten spiegeln. An Lancelots Verhalten war klar zu erkennen, wie aufgeregt die Kinder heute waren", erklärt Kaenders später, als die Kinder sich schon wieder verabschiedet haben. "Tiergestützte Intervention" nennt sie diese Methode. Am Verhalten von Tier und Kind können Auffälligkeiten analysiert werden. So falle es leichter, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. "Das klappt auch mit anderen Tieren, beispielsweise Hühnern oder Meerschweinchen."

Die drei Ponys wurden speziell für solche Zwecke ausgebildet. "Die Shetlandponys sind überaus empathisch, intelligent und haben eine hohe Frustrationsgrenze", erklärt Sabine Kaenders. Insgesamt 13 Ponys haben sie und ihre Tochter auf einer Ranch bei Bodman-Ludwigshafen. "Wir befinden uns gerade allerdings in einer Umgestaltung", sagt Kaenders. Neue Flächen für die Tiere werden gesucht, Konzepte für die Zusammenarbeit mit Kindergärten entwickelt. "Das hier in Friedrichshafen ist ein Pilotprojekt", sagt die Tierpädagogin. "Ich finde es wichtig, auf die Gruppe reagieren zu können. Die Stimmung der Kinder ist entscheidend."

Doch wie sehen die Konzepte von Sabine Kaenders und Jessica Saupp aus? Bei einer Übung sollen die Kinder sich an die Seite des Ponys stellen und ihren Kopf auf den Rücken des Tiers legen. "Wie auf ein Kopfkissen", erklärt Kaenders. Die Kinder sollen so sich selbst und das Tier wahrnehmen, seine Wärme spüren, den Herzschlag hören. Das fördere die Empathie und festige die Beziehung zu den Ponys. Außerdem sollen die Kinder die Tiere führen, womit ihnen auch Verantwortung übertragen wird und was Akzeptanz vermitteln soll. "Den Ponys ist es egal, wie man aussieht oder wie cool man ist. Die Kinder merken das", so Kaenders.

Sabine Kaenders (links) macht Helen mit Pony Coco bekannt.
Sabine Kaenders (links) macht Helen mit Pony Coco bekannt. | Bild: Sandro Kipar

Die Idee der Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Ponyranch stammt von Christina Melzig. Die Kindergärtnerin kennt Sabine Kaenders privat und ist von ihrer Arbeit angetan. "So kamen wir auf die Idee, dass das Konzept auf Kindergärten ausgeweitet werden könnte", erzählt Melzig. Und so kam es dann auch: Insgesamt fünf Besuche sind geplant, jeweils im Abstand von zwei Wochen. Melzig freut sich, dass das Projekt auch bei den Kindern gut ankommt: "Ich werde immer öfter gefragt, wann die Ponys denn endlich wieder kommen." Allerdings spielt auch der Faktor Geld eine Rolle: 290 Euro kostet eine Stunde mit den Ponys, bei fünf Terminen sind es 1450 Euro. "Etwa 1000 Euro hat der Träger des Kinderhauses übernommen. Eltern haben außerdem dafür gespendet und die Kinder haben Waffeln verkauft, um die Besuche der Ponys zu finanzieren", sagt Melzig. So lernten die Kindern auch gleich, dass manche Dinge erst erarbeitet werden müssen. Ob das Konzept auch über das Pilotprojekt hinaus beim Kinderhaus Wiki angewendet wird, ist demnach auch eine Frage der zukünftigen Finanzierung.

Wenn es nach Kindergartenkind Helen geht, dürfen die Ponys gern öfter vorbeischauen. "Besonders das Führen hat mir Spaß gemacht. Die hören auf das, was ich sage", erzählt Helen begeistert. Beim nächsten Besuch dürfen die Kinder das erste Mal auf den Ponys reiten. Helen will da auch wieder dabei sein.

 

Konzept-e

Das Trägernetzwerk Konzept-e ist seit 1990 im Bereich Bildung und Betreuung tätig und betreibt derzeit 40 Kindertagesstätten, zwei Grundschulen und drei staatlich anerkannte Fachschulen für Pädagogik. Das Kinderhaus Wiki in Friedrichshafen ist ein Teil dieses Netzwerks, das sich an dem Leitbild "Element-i" orientiert. Zu den Grundsätzen dieses Leitbilds gehören Teilhabe, Individualität und Interessen. Die Einrichtung bietet 60 Plätze für Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren. Die Betreuungszeiten sind ganztags, halbtags oder als flexibler Teilzeitplatz variabel gestaltbar. (kip)