Friedrichshafen – Der Name des Präparats spricht Bände: "Rammbock" nannte eine Vertriebsfirma aus Friedrichshafen ein Mittel, das als natürlicher Potenzverstärker beworben wurde und müde Männer munter machen soll. Seit Donnerstagabend warnt das Regierungspräsidium (RP) Tübingen öffentlich und bundesweit vor der Einnahme von "Rammbock", weil es als harmloses Nahrungsergänzungsmittel deklariert ist. Das ist es aber nicht: Bei einer Stichprobe der Lebensmittelüberwachung wurde der Wirkstoff Sildenafil nachgewiesen – und nicht nur in homöopathischen Dosen. Das Produkt ist deshalb als Arznei einzustufen. Darauf findet sich auf dem Präparat oder in den Produktbeschreibungen jedoch kein Hinweis.

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"Rammbock" ist nach Angaben der Behörden alles andere als ein rein natürliches Präparat, wie es auf der schwarzen Verpackung oder auf diversen Internetseiten steht. Das gibt es ab 9,90 Euro pro Packung nach wie vor zu kaufen, obwohl das Regierungspräsidium einen Vertriebsstopp verfügt hat. Denn statt der aufgeführten Zutaten wie Honig, Pollen, Ginseng oder Gingko ist Sildenafil sogar in höherer Konzentration als in verschreibungspflichtigen Medikamenten enthalten, teilte die Behörde mit. Sie hat Strafanzeige erstattet.

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Sildenafil ist ein Wirkstoff, der in Medikamaten wie Viagra verabreicht wird. Er soll Männern mit Erektionsstörungen helfen. Da die Arznei besonders Herz-Kreislauf-Patienten gefährlich werden und im schlimmsten Fall zum Tode führen kann, ist eine ärztliche Untersuchung vorher Pflicht. Deshalb ist das Mittel verschreibungspflichtig. Unwissentlich ging damit wohl mancher Käufer von "Rammbock" ein hohes Risiko ein. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei gegen den Firmeninhaber wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz, teilte die Staatsanwaltschaft Ravensburg am Freitag mit.

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Daraufhin durchsuchte die Polizei am Donnerstag die Geschäftsräume des Unternehmens und stellte nach eigenen Angaben 11 000 Verpackungseinheiten von "Rammbock" sicher. Die gleichnamige Vertriebsfirma hat laut Handelsregister ihren Sitz in einem Wohngebiet in Allmannsweiler in Friedrichshafen und wurde im August 2017 gegründet. Der Geschäftsführer betreibt daneben weitere Firmen in der Gastronomie und im Wettspiel-Milieu. Nach Polizeiangaben sei das falsch deklarierte Potenzmittel auch über Wettbüros verkauft worden, was "ein bislang unbekannter Vertriebsweg" sei. Gegen den Mann wurde laut Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, das noch nicht abgeschlossen ist. Durch die verschiedenen Vertriebswege geht das Regierungspräsidium Tübingen davon aus, dass "Rammbock" in ganz Deutschland verkauft wurde. Wer das falsch deklarierte Potenzmittel erworben hat, soll die Pillen über den Hausmüll entsorgen, rät die Behörde, die vor der Einnahme warnt.