Im Bereich des Polizeireviers Friedrichshafen – östliches Kreisgebiet – wurden laut Polizeibericht 102 Saal- und Zeltveranstaltungen sowie 85 Umzüge begleitet und überwacht. Bislang seien 21 Straftaten angezeigt worden, darunter drei Diebstähle, vier Beleidigungen, fünf einfache sowie drei gefährliche Körperverletzungen. Im Vergleich zu 2016 haben die Gewaltdelikte zwar um acht Straftaten zugenommen, bewegen sich laut Polizei aber im Vergleich zur Dauer der diesjährigen Fasnet "auf niedrigem Niveau".

Bei Jugendschutzkontrollen seien fast 400 Jugendliche überprüft worden. Die Polizei hat 14 Jugendliche unter 16 Jahren beim Alkoholkonsum, zwölf Jugendliche unter 18 Jahren mit Branntwein sowie 98 unter 18 Jahren beim Rauchen in der Öffentlichkeit erwischt. Zwölf alkoholisierte Jugendliche wurden den Eltern übergeben. Einer von vier betrunkenen Jugendlichen musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Zumeist in Zusammenhang mit alkoholisierten jungen Menschen, die durch Streitereien, Ruhestörungen oder tätliche Auseinandersetzungen auffielen, erteilte die Polizei 59 Platzverweise.

Zu wenige DB-Waggons

Verdruss herrschte nach dem Narrensprung am Stadtbahnhof. Viel zu wenige Waggons der Deutschen Bahn waren verfügbar. "Wenn man überall im Land große Fasnetsveranstaltungen hat, kann man nicht alle Regionen bedienen", erklärte ein Bahnsprecher. Speziell am vergangenen Wochenende sei das Zugmaterial knapp gewesen, weil aus dem Fuhrpark wegen Großbaustellen in Calw und Tübingen dort dringend zusätzliche Fahrzeuge benötigt wurden. Zudem müsse die Bahn mit dem zur Verfügung stehenden Material nach kaufmännischen Gesichtspunkten handeln: "Wenn Sonderverkehre verlangt werden, muss das jemand bezahlen." Die Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB) hat am Samstag ihre Kapazitäten erhöht: "Normalerweise fahren wir die langen Touren Aulendorf – Friedrichshafen mit zwei Triebwagen und die kurzen Touren Friedrichshafen – Ravensburg zu den Stoßzeiten mit einem. Dieses Mal war es jeweils ein Waggon mehr", berichtete BOB-Sprecher Sebastian Dix.

Warten auf Busse

Auf dem Busbahnhof vor dem Stadtbahnhof ein ähnliches Bild: Fahrgäste warteten am Samstag bis zu rund einer Stunde. So ist es beispielsweise Astrid Dickreiter aus Immenstaad ergangen: "Es hieß, dass die Busse ab etwa 17 Uhr verfügbar seien." Auf dem Bahnhofplatz waren sämtliche Bussteige proppenvoll. Dickreiter machte sich schließlich kurz nach 18 Uhr zum Busbahnhof beim Romanshorner Platz auf. Dort sei der Bus pünktlich gewesen. "Die Sperrung der Zufahrtsstraßen aus allen Richtungen zum Stadtbahnhof hat die Polizei erst gegen 18 Uhr wieder aufgehoben", erklärte Sebastian Dix, Sprecher der Stadtverkehrsgesellschaft.

Er ergänzte: "Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir die großräumige Umleitungsstrecke befahren, wie im Vorfeld von RAB und Stadtverkehrsgesellschaft kommuniziert wurde. Beim Hafenbahnhof konnten alle planmäßigen Fahrten weitgehend störungsfrei angeboten werden." Polizeisprecher Markus Sauter erklärte: "Der Narrensprung dauerte länger als in den Vorjahren. Die Polizei kann die Straßen für den Verkehr erst wieder freigeben, wenn der Umzug beendet ist." Laut Seegockel-Zunftmeister Oliver Venus konnten die Straßen entlang der Umzugsstrecke aus Sicherheitsgründen nur schrittweise freigegeben werden. Der Umzug habe nicht länger gedauert.

Zapfhahn zu

Verärgert zeigte sich das "Zapfhahn"-Wirtepaar Peter Deliga und Diana Frei. Erstmals habe die NZ Seegockel einen Obolus verlangt, damit beim Narrensprung ausgeschenkt werden dürfe. Deliga und Frei entschieden sich, die Kneipe an der Eugenstraße geschlossen zu lassen. "Bisher war es ein Geben und Nehmen – was für uns selbstverständlich war", sagte Frei. Doch erhöhten Reinigungsaufwand anlässlich des Narrensprungs zu haben oder wie im vergangenen Jahr beispielsweise beschädigte Toilettendeckel und Handtuchhalter sowie Obolus – das sei nicht akzeptabel. "Wir sind gesprächsbereit", sagte Frei, "wenn Toilettenwagen im Bereich der Eugenstraße aufgestellt würden, wäre ich bereit, einen Obolus zu zahlen."

Zunftmeister Venus dazu: "Jeder Wirt, der auf öffentlicher Fläche ausschenken will, braucht eine Konzession der Stadt. Die Verwaltung tritt dann an die Zunft als Veranstalter heran, weil wir eine Sondernutzungserlaubnis für den Narrensprung haben." Der Narrensprung sei für die Zunft mit erheblichen Kosten verbunden. Und zum Thema Toilettenwagen: Bisher sei die Absprache mit der Stadt, dass die öffentlichen Toiletten sowie die der Gastronomien ausreichend seien. Von Wirten ist nach Venus' Kenntnisstand bislang kein Wunsch nach Toilettenwagen gegenüber der Zunft geäußert worden.

Aufwand bleibt im Rahmen

Das sagen DRK, THW, Klinikum und Stadtverwaltung:

  • DRK/Johanniter: "Die diesjährige Fasnet verlief ruhig", bilanziert Bereitschaftsleiter Jan Hinrichs vom DRK-Ortsverband. "Wir hatten beispielsweise am Umzug in Friedrichshafen zwölf Personen mit kleineren Verletzungen oder Blasen an den Füßen. Zusammen mit den Johannitern stellten wir den Sanitätsdienst beim Umzug. Insgesamt waren wir mit sechs Fahrzeugen und 20 Helfern des DRK und der Johanniter vor Ort."
  • Stadtverwaltung: Vom Bauhof waren laut städtischer Pressesprecherin Andrea Kreuzer am Fasnets-Samstag 23 Mitarbeiter unterwegs. "Gegen 21 Uhr waren Konfetti, Glasscherben und Müll aufgeräumt. Es wurden rund 10 Kubikmeter Müll zusammengetragen." Die Müllmenge sei etwa gleich zu denen der Vorjahre gewesen. Die Aufräumarbeiten seien reibungslos verlaufen.
  • Klinikum: In der chirurgischen Ambulanz wurden übers Fasnets-Wochenende Patienten versorgt, die sich bei Umzügen oder Bällen verletzen. "Es waren überwiegend Betrunkene, die sich verletzt hatten. Deren medizinische Versorgung tagsüber und nachts durch die Mitarbeiter des Klinikums wurde durch die Alkoholisierung der Patienten erschwert", berichtet Klinikum-Sprecherin Susann Ganzert. Geschätzt seien es 15 Patienten pro Tag gewesen.
  • Technisches Hilfswerk: "Für uns von der THW war diese Fasnet so ruhig wie noch nie", sagt der Ortsbeauftragte Matthias Gruber. Während des Narrensprungs in Friedrichshafen seien 21 Kräfte eingesetzt gewesen. (gan)