Die Teilnahme am politischen Vormittag am Graf-Zeppelin-Gymnasium (GZG) mag für die angehenden Abiturienten, die auch vom benachbarten Karl-Maybach-Gymnasium kamen, verpflichtend gewesen sein. Die Aufmerksamkeit, die viele Jugendliche der Gesprächsrunde sowie dem anschließenden Informationsangebot am Freitag schenkten, ließ aber auch auf ein ausgeprägtes Interesse schließen. Organisiert wurde die Veranstaltung von 13 Schüler, die Gemeinschaftskunde im vierstündigen Kurs haben.

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"Der Klimawandel ist heute unser wichtigstes Thema", eröffnete Daniel Kailer die Runde. Zusammen mit seiner gleichaltrigen Mitschülerin Lisa Rompel moderierte der 18-Jährige die Podiumsdiskussion mehrerer Partei-Vertreter. Schnell entbrannte ein Wortgefecht zwischen den Politikern. Mit einer These lenkte Moderatorin Lisa Rompel das Gespräch schließlich in eine neue Richtung: "Es ist für Verbraucher wohl einfach günstiger, klimaschädlich zu leben – denken wir nur an Plastikverpackungen", sagte sie. Der Grünen-Ortsverbandsvorsitzende Felix Bohnacker positionierte sich klar: "Umweltfreundliche Produkte müssen günstiger werden und schädliche Produkte mit beispielsweise viel CO2-Ausstoß müssen teurer werden." Der 23-Jährige fordert eine Anpassung der Preispolitik, was unter anderem zu teureren Flugpreisen führen würde. Der CDU-Kreisvorsitzende Volker Mayer-Lay, 37 Jahre, kann sich nach eigenen Angaben unter gewissen Voraussetzungen auch eine Plastik- und CO2-Steuer vorstellen.

Felix Bohnacker (23) von den Grünen und Luca Baumann (21) von der SPD sind junge Politiker aus Friedrichshafen.
Felix Bohnacker (23) von den Grünen und Luca Baumann (21) von der SPD sind junge Politiker aus Friedrichshafen. | Bild: Singler, Julian

Luca Baumann hat den politischen Vormittag vor drei Jahren noch selbst mitorganisiert. Nun diskutierte er als Politiker mit. Der frühere GZG-Schüler machte am Freitag ein ausgeprägtes Interesse seitens der Schüler aus. "Wir sind als junge Generation gar nicht so unpolitisch, wie es immer dargestellt wird. Das zeigt auch die Fridays-for-Future-Bewegung", sagte der 21-Jährige. "Es ist gut, dass junge Menschen für ein Ziel demonstrieren gehen." Die Kundgebungen finden auch in Friedrichshafen mitunter während der Schulzeit statt und sorgen dadurch für Diskussionen. Sander Frank, 21 Jahre alt, von der Linken und gleichzeitig Organisator der Klimaschutz-Demos in der Zeppelinstadt, erklärte: "Wir wollen gehört werden und das ist während der Schulzeit mehr der Fall als außerhalb. Die Kundgebungen sind bundesweit ein voller Erfolg." Christoph Högel (AfD) sieht das Demonstrieren als ein privates und legitimes Anliegen, allerdings nicht während der Schulzeit. "Wir sehen das kritisch. Es gibt ohnehin schon ein hohes Maß an Stundenausfall, das dadurch nicht geringer wird." Der FDP-Landtagsabgeordnete Klaus Hoher sagte: "Macht das in eurer Freizeit. Um 15 Uhr finde ich solche Demos gut."

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Die Politiker hatten auf dem Podium noch das Wort, da wurde in den Zuhörerreihen bereits leise mitdiskutiert. Vereinzelt wurde anschließend auch die Möglichkeit genutzt, Fragen direkt an die Partei-Vertreter zu richten. "Ich interessiere mich sehr für Politik", sagte der 16-jährige Ben-Simon Bonin, während in der Aula anschließend Infostände der Parteien und des Jugendparlaments aufgebaut wurden. "In der Oberstufe bekommt man meiner Meinung nach viel zu wenig von politischer Bildung mit", ergänzte er. Auch Jenny Vogel, ebenfalls 16 Jahre alt, war mit Interesse dabei. "Ich habe Gemeinschaftskunde vierstündig und werde die Veranstaltung im nächsten Jahr mitorganisieren", erklärte sie. "Der Klimawandel ist ein wichtiges Thema und betrifft meine Generation direkt."

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"Es hat richtig Spaß gemacht"

Lisa Rompel und Daniel Kailer (beide 18), Moderatoren des politischen Vormittags am GZG, schildern im Interview ihre Bilanz zur Veranstaltung.

Die beiden 18-jährigen Schüler Lisa Rompel und Daniel Kailer moderierten die Podiumsdiskussion am GZG.
Die beiden 18-jährigen Schüler Lisa Rompel und Daniel Kailer moderierten die Podiumsdiskussion am GZG. | Bild: Singler, Julian

Wie läuft die Vorbereitung eines solchen Politischen Vormittages ab?

Lisa Rompel: "Als erstes haben wir die Themen festgelegt. Beim Klimawandel waren wir uns relativ schnell einig. Im Anschluss wurden dann die Parteien kontaktiert, von denen wir zügig ein positives Feedback bekamen. Die AfD war jetzt das erste Mal dabei."

Wird die AfD jedes Jahr angefragt?

Daniel Kailer: "Im vergangenen Jahr wurde sie angefragt, gekommen ist aber niemand. Für uns war klar: Die AfD ist im Parlament und hat das Recht, hier zu sitzen. Es ist uns wichtig gewesen, das ganze politische Spektrum abzudecken."

Wie zufrieden sind Sie mit der Podiumsdiskussion?

Lisa Rompel: "Die Diskussion fanden wir gut und es hat auch Spaß gemacht, zu moderieren."

Daniel Kailer: "Wir sind froh, dass sich eine schöne Diskussion ergeben hat und sich auch alle daran beteiligt haben."

Hatten Sie das Gefühl, dass die Mehrheit der Schüler aufmerksam zugehört hat?

Lisa Rompel: "Ja. Es gab auch immer wieder Reaktionen aus dem Publikum, was mich gefreut hat."

Wie kamen Sie zum Job der Moderatoren?

Lisa Rompel: "Bei uns im Kurs gab es keinen großen Andrang und wir hatten Lust darauf."