Schon seit dem Sommer vergangenen Jahres gibt es eine Auseinandersetzung um den Abriss des ehemaligen Hotels Schöllhorn. Das Gebäude gilt den Gegnern des Abrisses als letztes Zeugnis des alten Prachtboulevards Friedrichstraße. Es gibt aber auch Befürworter des Abrisses.

Eben diese Friedrichstraße soll in den kommenden Jahren wieder aufgewertet werden. Kunst- und Bauhistoriker Peter Liptau hat eine Unterschriftenaktion im Internet gestartet, bei der am Dienstag schon rund 290 Menschen für den Erhalt unterschrieben hatten. Liptau hatte schon in der Facebook-Gruppe „Friedrichshafen – damals, gestern, heute“ im Juli 2015 protestiert. Diesem Protest hat sich inzwischen auch die Gruppe „FN 2030“ angeschlossen.

Wenn die Petition 1000 Befürworter erreicht hat, soll sie Oberbürgermeister Andreas Brand übergeben werden. Nach Auskunft von Monika Blank, Pressesprecherin der Stadt, kann die Verwaltung aber wenig machen, außer das Gespräch mit dem Investor zu suchen. „Natürlich ist uns bewusst, dass es sich hier um eines der wenigen alten Gebäude in der Stadt handelt. Und dass der Abbruch so eines Gebäudes eine Veränderung des Gesichts einer Stadt bedeutet, ist uns auch klar. Aber die schlechte Substanz des gesamten Gebäudes spricht ganz offenbar gegen eine sinnvolle Sanierung.

Und auch das Denkmalamt hat seine Bedenken zurückgestellt und einem Abbruch zugestimmt“, sagt Monika Blank: „Nichtsdestotrotz nehmen wir gerne den Gesprächsfaden mit dem Investor auf, um gemeinsam über die architektonische Gestaltung entlang der Friedrichstraße zu sprechen und um eine gestalterische Lösung zu finden, die zu den Vorstellungen von Investor und Stadt passen.“ Entsprechende Gespräche bestätigte auch der Investor. Gegenwärtig wird das Gebäude, in dem bis Ende des vergangenen Jahres auch das Restaurant „Athen“ war, ausgeräumt.

Die Behauptung von Philipp Fuhrmann, Sprecher der Gruppe „FN 2030“, in einer Mitteilung, „dass die Stadt die letzten historischen Gebäude dem freien Spiel der Immobilien-Branche preisgibt und nicht bereit ist, über eine klare gestalterische und denkmalpflegerische Haltung so etwas zu verhindern“, weist Monika Blank klar zurück: „Das stimmt einfach so nicht.“ Der Denkmalschutz beim Regierungspräsidium Stuttgart habe seine Bedenken gegen den Abriss wegen des Zustands, zu dem es eine Fotodokumentation gibt, zurückgestellt und dies der Stadtverwaltung mitgeteilt. Die Stadt habe keine Handhabe bezüglich des Abrisses das Eigentumsrecht des Investors einzuschränken.

Die Petition im Internet: www.openpetition.de/petition/online/erhalt-des-gebaeudes-hotel-schoellhorn-als-letzter-zeuge-des-prachtboulevards-friedrichstrasse


 


Hotel Schöllhorn

Das Hotel Schöllhorn wurde ursprünglich als Hotel Schwan 1830 erbaut. Nach Auskunft von Ernst Haller, der sich in seinem neuen Buch „Alte und vergangene Gasthöfe in und um Friedrichshafen“ auch mit diesem Hotel beschäftigt, wurde es 1870 in Hotel Bellevue umbenannt, um dem Zeitgeist zu genügen und internationale Gäste anzulocken, die mit dem König von Württemberg verkehrten, wenn dieser in Friedrichshafen weilte. 1893 wurde das Gebäude von den Gebrüdern Schöllhorn gekauft und dort ein Weinhaus und Weingroßhandel betrieben. Am 28. April 1944 wurde das Haus bei einem Luftangriff teilweise zerstört und dann, bis auf die Bürgerstube, von der französischen Besatzung bis zum 1. Juli 1947 genutzt.