„Durch die Steuervermeidung internationaler Konzerne gehen den Mitgliedstaaten der EU jedes Jahr zwischen 50 und 70 Milliarden Euro verloren", erklärte Peter Simon, Abgeordneter im Europa-Parlament, beim Sommerfest der Kreis-SPD und SPD Friedrichshafen am Seemooser Horn. Laut Mitteilung der SPD war Simon mit seinen Töchtern prominenter Gast und spannender Europa-Erklärer. Der weltgrößte Brauerei-Konzern Anheuser Busch zahle in Europa fast keine Steuern, "unsere einheimischen Brauereien dagegen knapp 30 Prozent", so Simon. Die einheimischen Mittelständler müssten aber gegen diese steuerdumpenden Multis bestehen. Gegen diese Wettbewerbsverzerrung hätten Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine EU-Kollegen lange nichts unternommen. Erst durch den gemeinsamen Druck der Öffentlichkeit und des Europäischen Parlaments habe sich seit dem vergangenen Jahr etwas getan.

Eine angemessene Besteuerung der Großkonzerne würde die deutschen Mittelständler um rund 30 Prozent entlasten und das bei gleichem Gesamt-Steueraufkommen. So werde auf den Märkten wieder Chancengleichheit hergestellt. Als die Flüchtlinge in großer Zahl Griechenland und Italien erreichten, habe Bundeskanzlerin Angela Merkel abgewartet. Erst als die Flüchtlingswelle Deutschland erreichte, habe Merkel die Solidarität der EU eingefordert. "So funktioniert Europa nicht. Die deutsche Europapolitik muss sich wieder an den Vorbildern Helmut Schmidt und Helmut Kohl orientieren", so Simon. Deutschland als die Exportnation profitiere am meisten von der Währungsunion. Und im Laufe der Krise habe Finanzminister Schäuble durch die niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen bereits rund 100 Milliarden Euro eingespart.

Bezahlen müssten dafür die Griechen, Portugiesen und Spanier, für die Staatsanleihen richtig teuer geworden seien. Auch der krisenbedingt niedrige Euro-Dollar-Kurs komme Deutschland zugute. Wäre der Euro stärker oder gäbe es eine starke D-Mark, wären die Exporte entsprechend teurer. "In Deutschland wehren wir uns zu Recht gegen die Privatisierung unserer kommunalen Wasserwerke", so Simon. In Griechenland fordere Schäuble deren Ausverkauf. Der Sparkurs habe dazu geführt, dass Griechenland heute mehr Schulden als vor der Übernahme durch die Troika habe. Simons Fazit: "Wir müssen den Menschen erklären, was in der Finanz- und Wirtschaftspolitik geschieht und was zu verbessern ist, um Populisten wie zum Beispiel der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen."