Schon Ende Juli wurde bekannt, dass die Zukunft der Outdoor-Messe am Standort Friedrichshafen zumindest unsicher ist. Nun steht fest, welche anderen Messen sich für das renommierte Branchentreffen beworben haben. Mailand, München, Stuttgart und Hamburg haben sich wie die Messe Friedrichshafen bei der European Outdoor Group (EOG) beworben. Das bestätigte deren Sprecher, Arne Strate.

Die EOG hatte den Vertrag mit der Messe Friedrichshafen gekündigt und zum Jahr 2019 neu ausgeschrieben, "um sich in der Erarbeitung von neuen Branchenvisionen frei zu machen von allen Zwängen. Für zukünftige Ausrichtungen prüft die EOG nun Konzeptvorschläge von mehreren Messeveranstaltern aus ganz Europa", hieß es im Juli. "Das Konzept der Messe muss überarbeitet werden", sagte EOG-Sprecher Strate nach Bekanntwerden der Vertragskündigung. Schon lange sei die Outdoor keine Ordermesse mehr, sondern müsse sich Veränderungen unterziehen. Das habe auch eine Umfrage innerhalb der in der EOG organisierten Firmen ergeben.

2018 wird die erfolgreiche Messe noch einmal in Friedrichshafen stattfinden, was danach ist, ist derzeit offen. Derzeit arbeitet laut EOG eine Expertenkommission an einer Empfehlung, welche der fünf Messen der Branche die besten Voraussetzungen bietet. "Die Expertenkommission wird ihre Auswertung an das Board of Directors der EOG Ende November abgeben. Das Board kontrolliert dann noch einmal, ob alle Kandidaten die grundlegenden Anforderungen in ihrer Bewerbung erfüllen", erklärt Arne Strate. Erst danach sollen die Messen, die dann noch im Rennen sind, ihr Konzept vorstellen.

"Dies wird auf unserer Jahreshauptversammlung geschehen", erläutert EOG-Sprecher Strate. Die entscheidende Jahreshauptversammlung findet am 27. Januar 2018 statt, einen Tag vor dem Beginn der Internationalen Fachmesse für Sportartikel und Sportmode (ISPO) in München. Die endgültige Entscheidung soll aber erst nach der ISPO getroffen werden, damit alle EOG-Mitglieder intern beraten können.

Die Geschäftsführerin des Tettnanger Bergsportausrüsters Vaude, Antje von Dewitz, ist Vorstandsmitglied der EOG, die die gesamte Branche vertritt. "Wir brauchen einen Mehrwert auf vielen Ebenen. Die Messe muss vor allen Dingen am Puls der Zeit bleiben, muss widerspiegeln und Antworten auf das geben können, was den Outdoormarkt bewegt", sagte sie im Juli und fügte hinzu, dass die Kosten eines Messeauftrittes für die Firmen hoch seien, daher müsse viel dabei herauskommen. "Es geht uns in erster Linie darum, unseren Mitgliedern und der gesamten Branche eine Messe zu bieten, die für sie relevant ist und bleibt. Das ist unsere Aufgabe als Branchenverband", betont Arne Strate.

Friedrichshafens Messe-Geschäftsführer Klaus Wellmann will sich während des laufenden Verfahrens nicht zur Sache äußern. Unsere Frage, ob er zuversichtlich sei, die Outdoor halten zu können blieb unbeantwortet, ebenso die nach den möglichen Konsequenzen eines Verlustes der renommierten Branchenschau für die Messe Friedrichshafen. Schon 2012 stand eine Vertragsverlängerung an, damals konnte sich Friedrichshafen gegenüber München durchsetzen. Jetzt – so ist aus internen Kreisen zu hören – ist München der stärkste Konkurrent für die Messe Friedrichshafen.

Zur Geschichte

Die Outdoor-Messe ist eine der wichtigsten Veranstaltungen im Portfolio der Messe Friedrichshafen. Führende deutsche Marken wie Deuter, Big Pack, Jack Wolfskin, Lowa, Meindl, Salewa, Tatonka oder Vaude initiierten die erste Outdoor-Messe. 1994 startete die Outdoor mit 231 Ausstellern und 5 490 Fachbesuchern. 1997 waren die Hallen auf dem alten Messegelände in Friedrichshafen mit 453 Ausstellern erstmals komplett ausgebucht. 2012 verlängert die European Outdoor Group (EOG) den Vertrag mit der Messe Friedrichshafen. 2017 beteiligten sich 965 Aussteller und 21 412 Fachbesucher aus 90 Nationen an der Outdoor. Erstmals wurde die Messe in den Juni verlegt und begann an einem Sonntag. 2018 wird die Outdoor vom 17. bis 20. Juni stattfinden. (mom)