Levin saust mit dem Roller zwischen den Regalen herum, seine kleine Schwester Linea schiebt einen Mini-Einkaufswagen mit Pullis. Eine Familie berät, ob sie den Hochstuhl braucht, drei Mütter tauschen ihre Erfahrungen zum Zahnen aus. Caroline Kopp stöbert bei den Babysachen. Ihr Sohn wird bald sechs, im Dezember erwartet sie ihr zweites Kind.

Eltern entspannter, wenn die gebrauchte Hose ein Loch bekommt

„Mit den Sachen bin ich total entspannt, wenn das Kind damit in den Matsch fällt oder mal ein Loch reinkommt. Mit einer 80-Euro-Jacke wäre ich das nicht. So können die Kinder Kinder sein“, sagt sie. Im „...rosarot...“ gibt es Babybodys für 1,50 bis 2,50 Euro, Schlafsäcke zwischen 8 und 16 Euro und einen Schneeanzug Größe 86 für 12 Euro.

Heike Wolf führt „...rosarot...“ als Familienunternehmen: Sohn Paul sortiert die Puzzles und Tochter Rosa stiftete den Namen.
Heike Wolf führt „...rosarot...“ als Familienunternehmen: Sohn Paul sortiert die Puzzles und Tochter Rosa stiftete den Namen. | Bild: Corinna Raupach

Im Mai hat Heike Wolf den Kinder-Second-Hand-Laden an der Hochstraße in Friedrichshafen eröffnet. „Ich bin Second-Hand-Fan, es wird einfach viel zu viel produziert“, sagt Wolf. Als sie mit dem dritten Kind in Elternzeit war und im Haus gegenüber ein Ladenlokal leer stand, macht sie einen lang gehegten Wunsch wahr. Bei „..rosarot...“ gibt es Kinderkleidung ab Größe 40, Schwangerschaftskleidung und Spielzeug.

Ware wird auf Kommission verkauft

Wolf verkauft Ware auf Kommission. Bis zu 70 Teile kann ein Verkäufer bei ihr lassen. Was nach drei Monaten nicht verkauft ist, geht zurück. Zum Konzept gehört auch, dass Kinderwagen durch die Tür passen, Kinder spielen dürfen und es für Verkäufer und Kunden ein offenes Ohr und einen Kaffee gibt.

Verkäuferinnen schätzen unkomplizierte Abwicklung

Doris Knorr, Mutter von drei Kindern, ist von Anfang an als Verkäuferin dabei. „Basare sind mir zu umständlich. Hier habe ich meine Nummer und bringe her, was zu klein ist. Nach der Abrechnung lasse ich das Geld meistens gleich wieder im Laden. Mir geht es nicht darum zu verdienen, ich möchte, dass die Sachen lange getragen werden.“ Auch Carmen Heritier hat eine Kiste mit gebrauchter Kleidung ihrer zwei Kinder dabei. „Da ist schon der Gedanke an Nachhaltigkeit. Die Kleinen haben die Sachen so wenig an, ich finde das furchtbar schade, wenn die nicht weitergetragen werden“, sagt sie.

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Greenpeace: Für Gebrauchtes werden keine Rohstoffe verbraucht

Experten geben den „rosarot“-Verkäuferinnen und Käufern recht. Viola Wohlgemuth ist bei Greenpeace für das Thema nachhaltige Kleidung zuständig. Ihr Votum: „Das Beste, was wir für Kinder tun können, ist, ihnen keine Ressourcen für ihre Zukunft zu klauen.“ Für ein gebrauchtes T-Shirt oder eine getragene Jeans werden weder Rohstoffe noch Wasser oder Energie verbraucht – nachhaltiger geht es nicht. Daher plädiert sie für alle Arten der Weiterverwertung: im Familien- oder Freundeskreis tauschen oder weitergeben, auf Kleidertauschpartys, Flohmärkte und Basare gehen. „Das ist aktiver Klimaschutz.“

Verbraucherzentrale: Jeans weicher, flüchtige Chemikalien rausgewaschen

„Lebensdauer von Kleidung zu verlängern, ist die beste Umweltmaßnahme“, sagt auch Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale. Auch die Kinder profitieren von gebrauchten Dingen: „Jeans zum Beispiel sind weicher, weil die Fasern schon gebrochen sind. Und die flüchtigen Chemikalien sind rausgewaschen oder ausgedampft.“ Er erinnert daran, dass Kleidungsstücke Produkte einer hochkomplexen Industrie sind, die auf ihrem Weg etwa von Indien über China nach Deutschland mit Pestiziden, Konservierungs-, Antiknitter- und Antischimmelmitteln und anderen Chemikalien behandelt werden.

Im Fairkauf in der Paulinenstraße kann jeder günstig einkaufen.
Im Fairkauf in der Paulinenstraße kann jeder günstig einkaufen. | Bild: Corinna Raupach

Fairkauf: Gute Dinge bekommen ein zweites Leben

Gebrauchte Kinderkleidung bietet auch Fairkauf in der Paulinenstraße 33a in Friedrichshafen an. Das von der Caritas getragene Second-Hand-Kaufhaus nimmt Spenden aller Art entgegen und verkauft sie für wenig Geld weiter. „Unser Ansatz ist einerseits, Müll zu vermeiden. Statt Dinge wegzuwerfen, die noch gut sind, kann man sie herbringen und sie bekommen hier ein zweites Leben. Und andererseits sollen Leute, die nicht so viel Geld haben, gute und qualitativ hochwertige Produkte kaufen können“, sagt Leiterin Sonja Kübler.

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Im Fairkauf kann jeder günstig Möbel, Haushaltswaren, Kleidung oder Elektrogeräte erwerben. Wer eine Berechtigungskarte hat, bekommt 20 Prozent Rabatt. In der Ecke mit den Kindersachen sortiert und etikettiert Angelina Circhetta die Ware: Babyjäckchen für 1 Euro, Kinderjeans für 2,50 Euro, gefütterte Jacken für 4 Euro. Sie arbeitet ehrenamtlich mit. „Gute Kinderschuhe könnten wir noch brauchen“, sagt sie.

Jedes Teil im DRK-Kleiderladen hat zwei Preise: einen für Kunden mit Berechtigungskarte, einen für alle anderen Kunden.
Jedes Teil im DRK-Kleiderladen hat zwei Preise: einen für Kunden mit Berechtigungskarte, einen für alle anderen Kunden. | Bild: Corinna Raupach

DRK-Kleiderladen: Kleiderspenden aus Sammelcontainern im Angebot

Ähnlich funktioniert der Kleiderladen vom Roten Kreuz am König-Wilhelm-Platz 1 in Friedrichshafen. In 60 Containern im Landkreis sammelt das der DRK-Kreisverband Kleiderspenden. Verwertbare Kleidungsstücke, Schuhe und Bettwäsche wandern in die Ladenregale. Für jedes Stück gibt es zwei Preise: Baby-T-Shirts kosten entweder 50 Cent oder 20, Strampler 1,50 Euro oder 60 Cent. Den niedrigeren Preis zahlen Kunden mit einer Berechtigungskarte, den höheren alle anderen. Schmutzige oder schadhafte Sachen gehen an eine Recyclingfirma, der Erlös fließt in Miete und Gehälter im Kleiderladen sowie in soziale Projekte.

Dazu kommen im Frühjahr und Herbst jede Menge Basare für Kinderkleidung. Zum günstigen Einkauf mit gutem Gewissen gibt es dort meist noch Kaffee und Kuchen.

Basartermine in Friedrichshafen

  • Samstag 21. September:

Baby- und Kinderbasar der Spielgruppe Jettenhausen, Paul-Gerhardt-Kirche, Kenzelweg 2, 9.30 bis 12 Uhr

  • Samstag, 28. September:

Inselbasar des Familientreffs Insel, Bodensee-Schule, Zeisigweg 1, 9.30 bis 11.30 Uhr, (Verkauf für Schwangere am Freitag, 27. September, 20 bis 21 Uhr)

Basar rund ums Kind der Baptistengemeinde, Gemeindezentrum, Rotkreuzstraße 1, 15 bis 17 Uhr (Schwangere ab 14.30 Uhr)

  • Samstag, 12. Oktober:

Kinderkleider- und Spielzeugbasar des Kindergartens Ave Maria Ailingen, Roncallihaus, Ittenhauser Straße 13,
10 bis 12 Uhr (Schwangere ab 9.30 Uhr)

Herbstbasar der Kita am Klinikum, Dorfgemeinschaftshaus Schnetzenhausen, Obere Mühlbachstr. 15, 14 bis 16 Uhr (Schwangere ab 13.30 Uhr)

Kinderkleiderbasar des Basar-Teams Kluftern, Bürgerhaus, Markdorfer Straße 110, 14 bis 16 Uhr

  • Samstag 16. November:

Kinderkleiderbasar des Basar-Teams Jettenhausen, Saal unter der Kirche St. Maria, Pacellistraße, 14 bis 16 Uhr (Schwangere ab 13.30 Uhr)