Lukas und Steven probieren frisch geerntete Johannisbeeren. Daneben wachsen kleine, tiefrote Erdbeeren, mexikanische Minigurken und erbsenkleine Urtomaten. In einem weiteren Beet ziehen die Erstklässler Salat und Kohlrabi. Wo die 4. und 5. Klasse schrumpelige Kartoffeln in die Erde gesteckt hat, steht heute sattes Grün. "Der Schulgarten soll auch ein Snack-Garten sein", sagt Erzieherin und Wildnispädagogin Frauke Pieper-Keller. Sie hatte vor knapp eineinhalb Jahren die Idee zu dem Projekt.

Damals diente der schmale Grasstreifen als Lichthof für die Klassenzimmer im Souterrain. "Wir hatten null Cent am Anfang", sagt Pieper-Keller. Sie erstellte eine Wunschliste für Sachspenden. "Die Kollegen haben einiges aus ihren Kellern geholt und mehr oder weniger viel Zeit gespendet", erinnert sich Schulleiter Steffen Rooschüz. Der Hausmeister stellte seinen Sperrmüll zur Verfügung. "Das war das größte Geschenk", sagt Pieper-Keller.

Wildnispädagogin Frauke Pieper-Keller (hinten Mitte), die Schulgarten-Patinnen Gabi von Kienlich (hinten links) und Gisela Pieper (hinten rechts) und Schüler der Merianschule haben aus einem Grasstreifen einen blühenden Garten gemacht.
Wildnispädagogin Frauke Pieper-Keller (hinten Mitte), die Schulgarten-Patinnen Gabi von Kienlich (hinten links) und Gisela Pieper (hinten rechts) und Schüler der Merianschule haben aus einem Grasstreifen einen blühenden Garten gemacht. | Bild: Corinna Raupach

Aus einer Kabeltrommel schreinerte sie mit Schülern einen Tisch, aus Holzresten bauten sie Bänke und Beete. "Wir haben viel gesägt und geschraubt, haben Treppenstufen gebaut und waren Erde kaufen", erzählt der 13-jährige Steven. Auch Dustin arbeitet gern im Garten: "Ich mache das zu Hause auch, da mähe ich allein den Rasen." Rooschüz sagt: "Gerade für die älteren Jungen ist es toll, mal richtig anpacken zu können." Konrektorin Gabriele Biegert ergänzt: "Die kommen sogar in der großen Pause und fragen, ob sie Unkraut jäten dürfen."

Dustin gießt die Kartoffelpflanzen – weil die Erde nicht für ein Beet reichte, haben die Schüler sie in Reissäcke gesetzt.
Dustin gießt die Kartoffelpflanzen – weil die Erde nicht für ein Beet reichte, haben die Schüler sie in Reissäcke gesetzt. | Bild: Corinna Raupach

Drei Arbeitsgemeinschaften arbeiten im Garten: Garten Kunterbunt, LandArt und Wildnispädagogik. Vergangenes Jahr hat Pieper-Keller mit ihnen die erste Hälfte des knapp 150 Quadratmeter großen Areals gestaltet. Zwei Patinnen helfen beim Gießen und spendieren schon mal ein Pflänzchen. Pünktlich zum bundesweiten Tag des Schulgartens ist der zweite Teil fertig. Dabei improvisieren sie viel: Fehlen Pflanzgefäße, bitten sie die Kreativ-AG um angemalte Tetrapacks oder pflanzen in Reissäcke, wenn die Erde nicht für ein Beet reicht. Pieper-Keller ist das recht: "Es soll so wild wie möglich sein, ein Schülergarten, nichts Gelecktes." Sie hat schon Pläne für den Nordgarten: ein Sinnengarten oder eine blühende Hecke, in deren Schutz die jüngsten Schüler spielen können.

Bunte Stauden locken Insekten an, sogar einen Feigenbaum haben die Schüler gesetzt. Sie haben einen Metallbogen gebaut, an einer Seite klettern Rosen, an der anderen Bohnen. Und wenn ein Kind kein Geld auf dem Essen-Chip hat, darf es im Garten Salatblätter ernten und sich in der Mensa Soße dafür holen.