Der OB-Wahlkampf steht bevor. Sie sind jetzt seit sieben Jahren in Friedrichshafen Oberbürgermeister und treten im kommenden Jahr für eine mögliche zweite Amtszeit an. Gibt es eine Entscheidung aus den vergangenen sieben Jahren, die Sie heute anders treffen würden?
Auch in den nächsten Monaten, wie seit dem 5. Juni 2009, werde ich eine gute, bodenständige, solide und nach vorne gewandte Arbeit leisten. Und mir fällt spontan keine Entscheidung ein, zu der ich sagen würde, das hätte ich völlig anders gemacht. Was haben wir auf den Weg gebracht? Da gehört ohne Frage dazu, dass wir das Bäderkonzept in den letzten Jahren zu einem städtischen, zu einem bürgerschaftlichen Thema gemacht haben. Wir setzen es im Moment planmäßig im Zeit- und Kostenrahmen um. Gleiches gilt für die Sportstätten. Wir sind dabei, diese Planung umzusetzen. Kluftern ist fertig, Ailingen ist auf einem guten Weg und als nächste Halle kommt die für Fischbach. Vielleicht sollte ich den Dingen manchmal mehr Zeit und Raum geben, weil wir doch sehr viel gleichzeitig machen. Ich bin eben ein eher unduldsamer und im Sinne der Stadt und der Sache strebsamer Mensch.

Sie haben einiges inzwischen aus dem nichtöffentlichen Bereich von Sitzungen des Gemeinderats in den öffentlichen Bereich gezogen. Gibt es noch Weiteres, was Sie jetzt gerne verändern würden im Sinne von: Das machen wir jetzt öffentlich statt nichtöffentlich?
Ich finde, wir haben jetzt eine gute Balance gefunden. Manchmal sage ich mir im Nachhinein, es wäre gut gewesen, das entweder öffentlich oder nichtöffentlich vorzuberaten. Der Gesetzgeber gibt uns ja einen gewissen Rahmen, wobei er auch sagt, der Grundsatz sollte die öffentliche Vorberatung sein. Ich glaube, dass die Balance stimmt. Die wird noch an der einen oder anderen Stelle nachzujustieren sein. Von meiner Seite als Oberbürgermeister ist aber keine Änderung geplant. Ich finde es gut, wenn man dort, wo es vertretbar ist, frühzeitig in eine öffentliche Vorberatung geht. Ob die dann immer gleich in eine Beschlussempfehlung münden muss, ist offen. Ich lebe mit der Praxis gut. Und seit wir es so praktizieren, und das schreibe ich mir in mein Stammbuch rein, habe ich den Eindruck, dass ein höheres Maß an Nachvollziehbarkeit, Einsehbarkeit und Transparenz da ist. Und das ist gut.Mehr Gesellschafter für Flughafen

<p>Für die Flughafen Friedrichshafen GmbH wünscht sich der Häfler Oberbürgermeister Andreas Brand weitere kommunale Gesellschafter. <em>Luftbild: Gerhard Plessing</em></p>

Für die Flughafen Friedrichshafen GmbH wünscht sich der Häfler Oberbürgermeister Andreas Brand weitere kommunale Gesellschafter. Luftbild: Gerhard Plessing

| Bild: www.flugundbild.de Gehrard Plessing


Das Thema, das Sie weiterhin umtreiben wird, ist der Flughafen. Sie hatten ein Gutachten von Boston Consulting auf den Weg gebracht. Wie hilfreich ist es? Was muss geschehen, dass die Flughafen Friedrichshafen GmbH eine schwarze Null erreicht?
Der Flughafen ist für mich ein Wirtschaftsunternehmen wie andere auch. Er hat eine enorme Bedeutung für unsere Stadt und die Region. Am Ende soll der Flughafen ein ausgeglichenes Ergebnis und einen Gewinn erzielen. Das ist jetzt sehr schwierig geworden. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob die unternehmerischen und strategischen Entscheidungen zum Neubau richtig waren. Der Aufsichtsrat hat sich damals einen Korridor gegeben von einer Million Passagieren. Darauf hat man alles ausgelegt. Und an dieser Zinslast knabbert der Flughafen heute noch – aber nicht im operativen Geschäft. Da sind wir im positiven Bereich. Eines ist klar: Der Flughafen kann keine Airline selbst betreiben, auch wenn das der eine oder andere gerne möchte. Mit Blick auf die Erlösseite heißt es, eine nachhaltig und werthaltig agierende Airline zu gewinnen, die bereit ist, auf innerdeutschen Linien zu fliegen. Und ich sage es mal etwas humorvoll: Die Türen sind offen für weitere Partner, die sich als Geldgeber beteiligen.

Sie erwarten, dass sich auch andere Kommunen aus der Region am Flughafen beteiligen?
Ich formuliere keine Erwartungshaltung, sondern ich formuliere den Wunsch und die Bitte, darüber nachzudenken. Denn wir haben einen Regionalflughafen, der im Landkreis Sigmaringen, in Lindau, Ravensburg und Biberach Vorteile bringt.

<p>Als Wohnbau-Fläche möchte der OB das Gelände des alten Hallenbads (rechts oben im Bild) nutzen. Das Bad, das direkt an das Karl-Olga-Haus angrenzt, wird abgerissen, wenn das neue Sportbad fertig ist. <em>Luftbild: Plessing</em></p>

Als Wohnbau-Fläche möchte der OB das Gelände des alten Hallenbads (rechts oben im Bild) nutzen. Das Bad, das direkt an das Karl-Olga-Haus angrenzt, wird abgerissen, wenn das neue Sportbad fertig ist. Luftbild: Plessing

| Bild: Luftbild Gerhard Plessing

Die Stadt und der Bodenseekreis haben dem Flughafen angesichts der Pleite der Regionalfluglinie Intersky ein Gesellschafterdarlehen gewährt. Gehen Sie davon aus, dass dieses ausreicht, bis möglicherweise neue Fluggesellschaften am Flughafen tätig werden?
Ja, das ist mein letzter Kenntnisstand nach den Gesprächen mit Flughafen-Chef Claus-Dieter Wehr. Ein darüber hinausgehender Kapitalbedarf ist nicht erforderlich, er plant auf der Grundlage einer soliden Wirtschaftsplanung.

Friedrichshafen ist nicht gerade gesegnet mit alten Gebäuden. Das liegt an der großflächigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Es gibt Kritiker, die der Stadtverwaltung vorwerfen, sie gehe nicht pfleglich mit ihrem baugeschichtlichen Erbe um – Stichwort: Hotel Schöllhorn. Was tut denn die Stadt für den Erhalt?
Die Kritik haben wir wahrgenommen, unabhängig davon, ob wir sie in jedem Punkt inhaltlich teilen. Wir sehen, dass es viele Häflerinnen und Häfler gibt, die eine persönliche Beziehung zu vielen Identität stiftenden, stadtbildprägenden Gebäuden haben, unabhängig davon, ob sie denkmalgeschützt sind oder nicht. Baubürgermeister Stefan Köhler hat dieses Thema in einem Gespräch mit Josef Schwarz und Peter Liptau aufgegriffen. Dabei ging es um ein mögliches Gebäude-Kataster oder beispielsweise die Frage, einen Gestaltungsbeirat zu etablieren. Sie dürfen versichert sein, und auch Ihre Leserinnen und Leser: Da habe ich ein starkes Augenmerk drauf. Wir schauen im Zusammenhang mit der neuen Bebauung am Schöllhorn-Standort, dass es hier eine städtebaulich und gestalterisch sehr gute und überzeugende Lösung gibt, die dieser Straße ein besseres, freundliches Gesicht gibt.

Das werden wir sicher auch in einer öffentlichen Sitzung besprechen, auch wenn ich heute noch keinen Termin dafür nennen kann.

Was tut die Stadt, um mehr preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, an dem es sehr mangelt?
Da habe ich beispielsweise zwei Bilder vor Augen: 14 Baukräne im Baugebiet Berg und fünf in Wiggenhausen. Das sind kraftvolle Schritte nach vorne, für ganz unterschiedliche Zielgruppen, für ganz unterschiedliche Menschen. Das, was wir im Moment tun an Nachverdichtung und auch an Neubauvorhaben, reicht aber nicht aus, den Bedarf zu decken. Aber was ist der Bedarf? Wir können nicht jeden Bedarf decken. Denn die Zielrichtung muss sein, dass wir bezahlbaren Wohnraum mit bezahlbaren Mieten halten und ermöglichen. Da tun die Zeppelin-Wohlfahrt und die städtische Wohnbaugesellschaft viel, da tut auch die Kreisbaugenossenschaft viel. Das heißt, vertretbare, achtsame Nachverdichtung und vertretbare und verantwortbare Neuerschließung von Gebieten wie beispielsweise in Wiggenhausen.

<p>Nach wie vor sieht Oberbürgermeister Andreas Brand keine Notwendigkeit, einen Ortschaftsrat für Fischbach einzurichten. In der Bildmitte ist das Fischbacher Bauprojekt „Ortsmitte“ zu erkennen. <em>Luftbild: Gerhard Plessing</em></p>

Nach wie vor sieht Oberbürgermeister Andreas Brand keine Notwendigkeit, einen Ortschaftsrat für Fischbach einzurichten. In der Bildmitte ist das Fischbacher Bauprojekt „Ortsmitte“ zu erkennen. Luftbild: Gerhard Plessing

| Bild: Luftbild Gerhard Plessing

Ein Aktionsprogramm für den Wohnungsbau ist bereits seit Herbst 2015 angekündigt. Warum dauert es so lange, bis es Thema in einer Sitzung des Gemeinderats wird?
Baubürgermeister Stefan Köhler hatte das Thema im Mai vorgestellt in einer Sitzungsrunde im Sinne einer Information. Daran schlossen sich viele Fragen und Anregungen an. Deshalb wird jetzt nachgearbeitet. Er sagte mir, dass wir im Herbst mit diesem Thema in die Gremien gehen wollen.

CDU-Fraktionschef Achim Brotzer hat in einer der letzten Sitzungsrunden gefordert, dass die Stadt für Wohnungsbauprojekte mit Mietpreisbindung Grundstücke zur Verfügung stellt. Ist das überhaupt leistbar?
Man kann nur die Grundstücke, die man hat, zur Verfügung stellen.

Reichen die denn aus?
Meiner Auffassung nach nicht. Das, was wir im Moment an städtischen Baugrundstücken im Bestand haben, ist sehr überschaubar.

Das heißt, man müsste kaufen oder andere Lösungen finden?
Sowohl als auch.

<p>Erst einen Generalplan, dann kommen die Details – dieses Konzept verfolgt Oberbürgermeister Andreas Brand, wenn es um das Thema Kultur im Fallenbrunnen geht. <em>Luftbild: Gerhard Plessing</em></p>

Erst einen Generalplan, dann kommen die Details – dieses Konzept verfolgt Oberbürgermeister Andreas Brand, wenn es um das Thema Kultur im Fallenbrunnen geht. Luftbild: Gerhard Plessing

| Bild: Luftbild Gerhard Plessing

Für Sie ist Wirtschaftsförderung immer noch Chefsache. Sie besuchen kleine und mittlere Betriebe immer mal wieder. Welche Forderungen stellen die Unternehmer an Sie als Vertreter der Stadt?
Es sind oftmals Themen wie Handwerker-Parkausweise oder Zufahrtmöglichkeiten für Handwerker in die Fußgängerzone. Dafür haben wir Lösungen. Ein weiteres Thema ist die Verkehrssituation in der Stadt. Und einige, die zurzeit im innerstädtischen Bereich ansässig sind, fragen nach Erweiterungsmöglichkeiten auf der „grünen Wiese“ – in den Gewerbegebieten. Wir haben, wenn man die Zahlen und die Namen sieht, sehr vielen kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben und Unternehmen Möglichkeiten sowohl in Allmannsweiler, in Kluftern, als auch am Flughafen bieten können. Aber die Möglichkeiten sind überschaubar und endlich.

Wie weit reicht der Zeithorizont, um die Nachfrage von kleinen und mittleren Betrieben bedienen zu können? Und wie kann eine landschaftsschonende Flächenpolitik fürs Gewerbe aussehen?
Zu Ihrer zweiten Frage: Landschaftsschonend ist eine größtmögliche maximale Ausnutzung einer vorhandenen Grundstücksfläche, das heißt auch in die Höhe zu gehen, soweit als möglich. Das geht im Bürobereich einfacher als in einer Fertigung. Daneben gilt es weiter auch Gewerbebrachen umzunutzen und massiv im vorhandenen Bestand nachzuverdichten – wie beispielsweise an der Rheinstraße. Vielleicht muss man an der einen oder anderen Stelle eher den Rahmen noch ein bisschen größer machen, beispielsweise auch die Anzahl von Stellplätzen oder Parkplätzen reduzieren. Nicht für die Kunden, aber Mitarbeiter könnten das Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr nutzen, oder es könnte Carsharing oder andere Modelle geben.

Wie lange können Sie den Bedarf der kleinen und mittleren Betriebe noch befriedigen?
Aus heutiger Sicht zwei bis drei Jahre, wenn der Trend anhält.

<p>Geld aus den Rücklagen der Zeppelin-Stiftung sieht Oberbürgermeister Andreas Brand im Bau des neuen Sportbades vor der Volleyball-Arena gut angelegt. <em>Luftbild: Gerhard Plessing</em></p>

Geld aus den Rücklagen der Zeppelin-Stiftung sieht Oberbürgermeister Andreas Brand im Bau des neuen Sportbades vor der Volleyball-Arena gut angelegt. Luftbild: Gerhard Plessing

| Bild: Luftbild Gerhard Plessing

Und welche Konsequenzen leiten Sie daraus ab?
Die Konsequenzen, dass wir die Flächen, die wir im Flächennutzungsplan für gewerbliche Flächen haben, überdenken, bewerten, schauen, wo sind denn noch Lücken, die wir wann erschließen können.

Im Gewerbegebiet in Kluftern-Süd haben wir beispielsweise noch Flächen verfügbar.

Anders als Kluftern oder Ailingen haben die Fischbacher keinen Ortschaftsrat und fühlen sich benachteiligt. Können Sie das nachvollziehen?
Aus Ihrer Fragestellung kann ich als Fischbacher diese Verallgemeinerung nicht teilen. Entscheidend ist, dass die Interessen von Fischbach im Gemeinderat und von der Stadtverwaltung gut vertreten werden. Und das werden sie. Wir versuchen in Zusammenarbeit mit der Fischbacher Runde, mit dem Leitungsteam, an Projekten und Themen zu arbeiten, um diese gemeinsam zu schultern und zu tragen. Meine Wahrnehmung ist, dass diese Zusammenarbeit gut funktioniert.

Was spricht konkret gegen die Einrichtung eines Ortschaftsrats für Fischbach?
Die Frage ist, wie erreichen wir Ziele schnell, effizient und mit wenig Aufwand. Und wie direkt ist der Zugang zur Verwaltung? Wir haben die bestehenden Strukuren verbessert und sind auf einem guten Weg nach vorne. Wenn es solche Überlegungen geben sollte, dann müssen sich diese Überlegungen an den Regelungen der Gemeindeordnung orientieren, und dann kommt sofort eine Frage, die Sie stellen müssen: Wie ist es dann mit Allmannsweiler, wo wir auch ein Bürgerforum haben? Bei solchen kommunalrechtlichen Themen muss immer die gesamte Stadt in den Blick genommen werden.

<p>Den zweiten Standort der Zeppelin-Universität (hier der Hauptcampus im Fallenbrunnen) am Seemooser Horn stellt Oberbürgermeister Andreas Brand inzwischen nicht mehr in Frage. <em>Luftbild: Gerhard Plessing</em></p>

Den zweiten Standort der Zeppelin-Universität (hier der Hauptcampus im Fallenbrunnen) am Seemooser Horn stellt Oberbürgermeister Andreas Brand inzwischen nicht mehr in Frage. Luftbild: Gerhard Plessing

| Bild: Luftbild Gerhard Plessing

Wie ist der Stand im Streit um die Zeppelin-Stiftung, den Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin losgetreten hat?
Sie haben richtigerweise

festgestellt, dass er die Auseinandersetzung losgetreten hat. Wir haben alles getan, was wir aktuell tun konnten. Wir haben form- und fristgerecht auf alle Anträge innerhalb der gesetzten Fristen geantwortet. Wir haben gegenüber dem Regierungspräsidium alles vorgelegt, wir haben alle Stellungnahmen gemacht. Wir sind sehr zuversichtlich, was unsere Rechtsposition angeht, die ist klar, eindeutig: Sein Anliegen und Ansinnen ist rechtlich aussichtslos.

Die Zeppelin-Stiftung scheint für viele eine unerschöpfliche Quelle zur Finanzierung diverser Projekte zu sein. Die Stadt leistet sich beispielsweise ein neues Frei- und auch ein neues Sportbad für zusammen gut 50 Millionen Euro. Lebt die Stadt Friedrichshafen über ihre Verhältnisse?
Stadt und Stiftung gehen verantwortungsbewusst mit dem Geld um. Und ich sage es bei vielen Gelegenheiten: Das Geld, das wir in der Zeppelin-Stiftung ausgeben, wird vorher in der Ludwig-Dürr-Halle bei Zeppelin oder in der Halle 9 der ZF, um das mal plakativ zu sagen, verdient. Insofern sind sich der Gemeinderat und auch ich mir selbst sehr wohl bewusst, dass man nur das ausgeben kann, was man vorher eingenommen hat. Das ist wie zu Hause: Man kann auf Dauer nicht mehr ausgeben als einnehmen. Wir haben im Moment einfach ein hohes Investitionsvolumen. Die Bäder hätten wir ja so nicht gebaut, wenn Herr Eicher in Sachen Therme Wort gehalten hätte.

Die Rücklagen der Zeppelin-Stiftung schmelzen deutlich ab. 2017 werden die Rücklagen bis auf wenige Millionen abschmelzen, wenn man den Sockelbetrag, der ja nicht angetastet werden darf, in Höhe von etwa 72 Millionen Euro, rausrechnet. Gibt es Projekte, die auf der Strecke bleiben?
Nach Ausschüttung der Dividende an die Stiftung müssen wir aus steuerrechtlichen Gründen die Mittel zeitnah verwenden, es sei denn, wir können es in eine ganz konkrete Rücklage für einen bestimmten Zweck binden. Das haben wir die letzten zehn, zwölf Jahre gemacht. Wir haben Kapital angespart und immer dem Finanzamt gesagt, für welche Projekte, beispielsweise Molke oder Graf-Zeppelin-Haus, das Geld benötigen wird. Das ist immer anerkannt worden.
<p>Was das Thema Denkmalschutz angeht, hat der OB aus dem Abriss des ehemaligen Hotels Schöllhorn seine Lehren gezogen. Der Neubau, der an dessen Stelle gebaut wird, soll ansprechend gestaltet werden. <em>Archivbild: Wex</em></p>

Was das Thema Denkmalschutz angeht, hat der OB aus dem Abriss des ehemaligen Hotels Schöllhorn seine Lehren gezogen. Der Neubau, der an dessen Stelle gebaut wird, soll ansprechend gestaltet werden. Archivbild: Wex

| Bild: Georg Wex

Ein ganz anderes Thema und vielleicht doch nicht ganz anders, weil die Zeppelinstiftung auch wieder im Spiel ist: Viele Friedrichshafener freuen sich, dass der Bahnhof Fischbach als Gaststätte und auch als Veranstaltungsort zumindest mittelfristig bestehen bleiben soll. Unübersichtlich bleibt die Lage im Fallenbrunnen. Soll sich hier ein Kulturschwerpunkt bilden? Und gibt es so etwas wie einen Generalplan Kultur?
Ich werbe immer sehr dafür, auch die Komplexität unserer Themen im Auge zu behalten. Und richtigerweise müssen und werden wir uns die Frage stellen, wie wir den Fallenbrunnen gemeinsam mit den Akteuren vor Ort, aber auch denen, die dorthin wollen, entwickeln wollen. Das geht nicht von heute auf morgen. Ein guter Ansatz, den auch Bürgermeister Andreas Köster aufgegriffen hat, ist, zu sagen: Wie sieht denn ein Kulturentwicklungsplan Friedrichshafens für die Zukunft aus? Sowohl für die etablierte, die städtische, die Kultur in den Organisationen und Vereinen, aber auch für die freie Kunst- und Kulturszene. Da ist eine Konzeption notwendig und sinnvoll. Und erst daraus abgeleitet werden wir entscheiden, was wo wie passiert. Deshalb habe ich auch gesagt, der Betrieb des Bahnhofs Fischbach geht bis auf Weiteres weiter.

Soeben hat sich das Kulturforum Fallenbrunnen gegründet, das die Unterstützung auch der Stadt fordert. Wie könnte das konkret aussehen?
Ich finde gut, dass sich die Akteure organisieren, zusammenschließen. Damit gewinnen wir ja auch einen Ansprechpartner. Wir reden jetzt nicht mit zehn, sondern wir reden mit einer Organisation. Die Frage, wie eine Unterstützung konkret aussehen kann, kommt für mich noch viel zu früh. Es ist nicht immer nur die Frage des Geldes, sondern auch die Frage, welches Verständnis hat man? Wer macht welche Kultur? Wer zeichnet verantwortlich? Und wie schaffen wir es, die manchmal vielleicht vorhandenen Berührungsängste zu überwinden.

Die Zeppelin-Universität (ZU) soll im Fallenbrunnen konzentriert werden. Was geschieht dann mit dem Campus am Seemooser Horn?
Die Überlegung, möglichst viel von der Zeppelin-Universität am Fallenbrunnen aus nachvollziehbaren Gründen zu bündeln, hat sicher ihren Charme und ihre Notwendigkeit im Bereich des Lehr- und Forschungsbetriebes. Im administrativen Bereich muss das nicht notwendigerweise der Fall sein. Das ist eine rein finanzielle, wirtschaftliche Überlegung. Eine weitere, sehr gute Überlegung ist, dass ZU-Präsidentin Insa Sjurts den Bereich Berufsbegleitende Ausbildung, also nicht nur Master-Studiengänge, sondern die International Business School, stärker ausbauen will, um damit Geld zu verdienen. Dazu eignet sich das Seemooser Horn.

Stichwort Karl-Olga-Park, wie geht es da weiter, nachdem der Gesundheitspark Karl-Olga-Park geplatzt ist? Gegenüber ist ja noch das Hallenbad-Areal, das auf absehbare Zeit zur Verfügung steht, wenn das neue Sportbad steht.
Eine wunderbare Fläche, um innerstädtisch Wohnraum zu schaffen. Hier hat es die Stadt in der Hand, uns gehört das Hallenbad-Grundstück, wir können dann auch den Anteil an preisgünstigem Wohnraum bestimmen. Da werden wir sicher für den nördlichen Teil, das Hallenbad-Areal, eine gute Lösung anstreben und finden. Für den klassischen Bereich auf der Südseite mit Pflege, Betreuung, Senioren-, aber auch Kindertagesstätte, haben wir uns die bestehende Konzeption oder die Auslobung, die ja immerhin schon vier Jahre zurückliegt, nochmals angeschaut. Es gibt neue Entwicklungen in der Seniorenarbeit – beispielsweise verstärkte Tagespflege. Wenn die derzeit laufenden Überlegungen abgestimmt sind, gehen wir mit einem Vorschlag in den Gemeinderat.

Fragen: Andreas Ambrosius und Manfred Dieterle-Jöchle