"Friedrichshafen verfügt im Vergleich zu anderen Städten bereits über eine sehr gute Breitband-Versorgung im Großteil des Stadtgebiets", teilt Monika Blank, Sprecherin der Stadt, auf Anfrage des SÜDKURIER mit. Die Stadt hat über die Teledata, eine Tochter des kommunalen Stadtwerks am See, eine Bestandsaufnahme der Breitband-Versorgung auf Gemarkung Friedrichshafen in Auftrag gegeben. Armin Walter, kaufmännischer Geschäftsführer der Teledata, geht davon aus, dass die Ergebnisse dieser Untersuchung nach der Sommerpause vorliegen, wie er gegenüber dem SÜDKURIER sagte. Dann wird sich der Gemeinderat mit dem weiteren Ausbau beschäftigen. Eine gute digitale Infrastruktur gilt als wichtiger Standort-Faktor. Als Basis für die Bestandsaufnahme gab es eine Abfrage bei allen in Friedrichshafen aktiven Telekommunikationsanbietern. Klar ist, dass die Versorgung in der Kernstadt dank des Projekts "T-City" gut bis sehr gut ist, es in Ortsteilen aber noch Versorgungslücken gibt. Lottenweiler beispielsweise wurde in Teilen von der Teledata erst nach Abschluss des T-City-Projekts ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen. Das Projekt "T-City" lief 2014 endgültig aus.

"Sobald die Ergebnisse der Analyse der bestehenden Breitband-Versorgung vorliegen, kann über die weiteren Schritte und Kosten in den zuständigen Gremien beraten und entschieden werden – voraussichtlich noch in diesem Jahr", so Monika Blank. Aktuell gebe es noch einzelne Gebiete und Weiler, die als unterversorgte Bereiche (mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von weniger als 30 Megabit je Sekunde) zu zählen seien. "Die Erfahrungen der letzten Jahre und alle Prognosen sagen zudem einen weitergehenden Anstieg des Bandbreitenbedarfs voraus, dem es konzeptionell zu begegnen gilt." Dem Gemeinderat will Teledata einen Masterplan vorschlagen, der als Basis für eine flächendeckende Versorgung des kompletten Stadtgebiets mit Glasfaserkabel nötig sei, wie Teledata-Geschäftsführer Armin Walter gegenüber dem SÜDKURIER sagte. Zu den Inhalten dieses Masterplans gehört auch, dass beim Bau von Versorgungsleitungen immer ein Leerrohr für Glasfaser verlegt werde. Die Teledata verfolgt diese Stratege gemeinsam mit dem Stadtwerk am See bereits seit zehn Jahren. Dass das Interesse an einem Anschluss ans Glasfasernetz groß ist, verdeutlicht die Entwicklung im neuen Häfler Wohnbaugebiet Wiggenhausen-Süd. Mit zwei Dritteln der dort aktiven Bauträger hat Teledata bereits Vereinbarungen für entsprechende Anschlüsse erzielt. Wobei Walter einräumt, dass es leichter ist, Neubaugebiete zu versorgen als bestehende Wohnquartiere, da hier der Aufwand, Leitungen zu verlegen, größer sei.

Auch die Kreisverwaltung ist in Sachen Breitband-Versorgung aktiv: "Der Bodenseekreis hat bereits am 18. November 2014 den Beitritt zum Verbund 'Komm.Pakt.Net' beschlossen und ist Gründungsmitglied. Der Verbund verfolgt das Ziel, im Verbundgebiet jeden Privathaushalt, jeden Gewerbebetrieb und alle kommunalen Einrichtungen mit Glasfaser anzubinden wie an Strom und Wasser", schreibt Nadine Larisch, persönliche Referentin von Landrat Lothar Wölfle, in einer Stellungnahme. "Im Februar diesen Jahres wurde dem Kreistag das Ergebnis der landkreisweiten Bestandsanalyse präsentiert, die im vergangenen Jahr beauftragt wurde. In diesem Zusammenhang wurde beschlossen, eine landkreisweite Backbone-Planung zu beauftragen, die Vorbereitung läuft derzeit." Backbone steht für das leistungsstarke Herzstück eines Kommunikationsnetzes. "Gleichzeitig wurde den Kommunen angeboten, mit der Backbone-Planung eine FTTB-Planung (Fibre to the building – Glasfaser bis zum Gebäude) zu beauftragen, sofern diese für die Kommune noch nicht vorliegt. Ziel des Landkreises ist eine möglichst flächendeckende FTTB-Planung zu erreichen, die dann im Lauf der kommenden Jahre nach und nach realisiert werden kann", so Larisch. Zum Ausbaustand des Glasfasernetzes im Jahr 2020 könne zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkrete Aussage gemacht werden, da dieser stark von den Anstrengungen der einzelnen Kommunen abhänge. "Der Landkreis sowie die Städte und Gemeinden sind sich der Wichtigkeit und Bedeutung des Ausbaus der Breitband-Infrastruktur bewusst und werden im Rahmen der Möglichkeiten das Ziel verfolgen, mittel- bis langfristig alle Gebäude an Glasfaser anzuschließen."

Digital-Netz wichtig für den Standort

Sönke Voss, Referent für Industrie, Technologie und Innovation der Industrie-und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben beurteilt die digitale Infrastruktur:

  • Sicht der Industrie im Bodenseekreis: Die Zufriedenheit mit der digitalen Infrastruktur ist nach den Angaben von Sönke Voss in erster Linie mit der Breitband-Verfügbarkeit am jeweiligen Standort verbunden und damit sehr unterschiedlich. Eine ‚gemittelte‘ Aussage sei auf Grundlage der IHK-Standortumfrage 2012 möglich. Demnach stellt die Breitband-Verfügbarkeit den wichtigsten aller Standortfaktoren dar. Zum Zeitpunkt der Umfrage war rund jedes dritte Unternehmen unzufrieden. Laut zahlreicher Einzelgespräche mit Unternehmen entstehe diese Unzufriedenheit aus verschiedensten Einschränkungen bei der täglichen Arbeit: Beispielsweise zu langsame Upload-Geschwindigkeit für erforderliche Backups oder die Nutzung von Cloud-Lösungen; generell zu niedrige Übertragungsgeschwindigkeit für die Nutzung verschiedenster Kollaborations-Software (zum Beispiel für die zeitgleiche Online-Bearbeitung von Dateien gemeinsam mit Kunden oder Lieferanten/Home- Office-Tätigkeiten) oder schlicht zu lange Dauer beim Datei-Download.
  • Problem-Felder: Laut einer IHK-Umfrage im Jahr 2015 wird jedes zweite technologieorientierte Unternehmen in der Region Bodensee-Oberschwaben durch eine unzureichende Breitbandversorgung in Forschung und Entwicklung gehemmt. Mehr als 35 Prozent sehen sogar „sehr starke“ Hemmnisse, deutlich mehr als im Landesdurchschnitt (23,5 Prozent). Die Betriebe seien bereits durch bürokratische Lasten sowie Fachkräfteengpässe in ihren Innovationsaktivitäten gehemmt, somit bestehe das Risiko, dass durch weitere Hemmnisse in Form mangelnder Breitbandversorgung in Zukunft Marktanteile verloren gehen könnten. Die derzeitige Ausbauplanung im Bodenseekreis stellt nach Einschätzung der IHK einen wichtigen Fortschritt dar. Jedoch sei zu bedenken, dass die Planungen im ersten Schritt auf ein Backbone-Netz abzielen. Die Versorgung mit Hochgeschwindigkeitsanschlüssen auf der „letzten Meile“ kann sich erst danach anschließen. Möglicherweise stehe eine entsprechende Versorgung an einigen Standorten somit erst deutlich nach dem Jahr 2020 zur Verfügung. (dim)