Einen ganzen Tag lang schwitzte der Klinikum-Aufsichtsrat am Mittwoch – und nicht nur wegen der tropischen Temperaturen. Monatelang suchten Geschäftsleitung und externe Berater nach dem Königsweg, wie der Medizin Campus Bodensee (MCB) aus seiner finanziellen Misere heraus kommt. Am späten Abend war die Marschrichtung klar: Aus dem Dreierverbund der Krankenhäuser in Friedrichshafen, Tettnang und Weingarten wird langfristig nur noch ein Duo übrig bleiben. Die Tage des Krankenhauses „14 Nothelfer“ sind damit gezählt. Die Mitarbeiter in Weingarten erhalten eine Arbeitsplatzgarantie im Verbund und sollen Stellen in den beiden anderen MCB-Häusern angeboten bekommen. Derzeit hat der Klinikverbund insgesamt rund 2200 Beschäftigte.

Rigider Sparkurs und Neuausrichtung nötig

Noch im April hatte die Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, Ziel sei „die Stabilisierung der Kliniken des MCB“. Klar ist aber schon lange, das gespart werden muss. Sonst drohen dem Hauptgesellschafter – der Stadt Friedrichshafen – dauerhaft hohe Betriebskostenzuschüsse. Für 2018 hatte der Häfler Gemeinderat dem MCB 4,4 Millionen Euro gewährt, für 2019 noch einmal 4,2 Millionen Euro, um das Defizit zu decken. Bis Jahresende 2017 hatten sich die Anlaufverluste seit der MCB-Gründung auf 15,5 Millionen Euro summiert. Knapp 9,5 Millionen Euro davon gingen allein auf das Konto des „14 Nothelfer“, das deshalb im Fokus der Überlegungen stand. Fünf Jahre Bestandsschutz gab es für das einst städtische Krankenhaus in Weingarten, das schon zuvor tief in den roten Zahlen steckte. Die sind 2018 abgelaufen.

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Klinikchef Jochen Wolf kommentierte die Entscheidung gestern so: „Weil die wirtschaftlichen Ergebnisse im ‚14 Nothelfer‘ in Relation zur Größe des Krankenhauses am schwierigsten sind, besteht dort der größte Handlungsdruck.“ Deshalb soll hier die „Neustrukturierung“ noch in diesem Jahr beginnen. Von einer Schließung oder Aufgabe des Standorts ist nicht konkret die Rede. In der Konsequenz bedeutet „Verlagerung dort erbrachter Leistungen an die Klinik Tettnang und das Klinikum Friedrichshafen„ aber nichts anderes, als dass im „14 Nothelfer“ die Schotten dicht gemacht werden.

In allen drei MCB-Kliniken wurde die Belegschaft gestern in Mitarbeiterversammlungen darüber informiert, dass es kein „weiter so“ gebe und sich der kommunale Klinikverbund neu ausrichten müsse. In Weingarten habe die Nachricht zunächst für Schweigen, dann für viele Fragen gesorgt, erklärte MCB-Pressesprecherin Susann Ganzert auf Nachfrage.

Das Klinikum Friedrichshafen ist das Haupthaus des Medizin Campus Bodensee.
Das Klinikum Friedrichshafen ist das Haupthaus des Medizin Campus Bodensee. | Bild: Cuko, Katy

2200 Mitarbeiter bereits informiert

Aber auch in Friedrichshafen und Tettnang wurden die Erklärungen von Jochen Wolf mit großer Spannung erwartet. „Wir haben das Wachstumsziel, auf das unser medizinisches Konzept ausgerichtet war, nicht erreicht“, wird der Klinikchef in der Pressemitteilung zitiert. Der geplante Patientenzuwachs sei ausgeblieben, auch wenn die Zahlen vor allem am Standort Friedrichshafen seit Ende 2018 wieder steigen. Die Vernetzung der drei Krankenhäuser habe jedenfalls nicht die prognostizierten Effekte gebracht, so Wolf. Sogar „unbefriedigende Arbeitsbedingungen“ in allen Bereichen werden in der Pressemitteilung eingeräumt. Ursache dafür seien die vorhandenen Strukturen und der Fachkräftemangel. Aber auch immer schärfere Vorgaben der Politik spielen eine Rolle. Alles in allem ist die Bewertung heute eine andere: Man müsse „den Verbund neu denken“, erklärte Oberbürgermeister Andreas Brand in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des Häfler Klinikums.

Standort Friedrichshafen wird ausgebaut

Demnach soll der Standort Friedrichshafen als Klinik der Zentralversorgung ausgebaut werden. Das geht einher mit einer geplanten Stärkung der Notfallversorgung. Am Bau einer zentralen Notaufnahme führt schon aufgrund von gesetzlichen Vorgaben kein Weg vorbei. „Die Budgets für diese Investition wurden bereits freigegeben“, erklärt der MCB. Und Tettnang? Hier werden gerade neue Operationssäle gebaut, in denen stationäre und ambulante Patienten operiert werden können. Hier sei „eine weitere Spezialisierung“ geplant, was auf die Etablierung als Fachklinik hindeutet.

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Weiter ins Detail wollten die Verantwortlichen des MCB gestern nicht gehen. Das im Aufsichtsrat besprochene Konzept für Weingarten und Tettnang sei noch nicht abgesegnet, hießt es. Das Land Baden-Württemberg als Planungsbehörde muss erst noch zustimmen. Und auch die Mitgesellschafter in Weingarten und Tettnang – Stadt und Bodenseekreis – müssten mitgenommen werden. Die Stadt Friedrichshafen werde dann als Gesellschafter „die Neuausrichtung der Medizinstrategie und der Standorte kraftvoll unterstützen“, heißt es abschließend.