Auf der Homepage der Häfler Gaststätte Dorfkrug sieht es so aus, als sei alles noch beim alten: eine einladende Wirtschaft, die sich auf Gäste freut, ob sie nun speisen oder nächtigen. „Reservierungen sind jederzeit möglich“, steht dort zu lesen. Das war einmal. Seit März hat das Traditionsgasthaus am König-Wilhelm-Platz geschlossen. Ein Baukran ist aufgebaut, die Fassade eingerüstet. Vor dem Eingang stehen Container und ein mobiles Klohäuschen. Als die Renovierungsarbeiten im März starteten, war man von einer Bauzeit bis Juni ausgegangen. Doch die Arbeiten verzögern sich, "da wir den derzeitigen Leerstand nutzen möchten, um umfangreicher zu sanieren als ursprünglich geplant", sagt Jörg Bischof, Geschäftsführer der Zeppelin Wohlfahrt GmbH, in deren Besitz der Dorfkrug sich befindet – wie das gesamte denkmalgeschützte Zeppelindorf. „Es wird wohl noch zwei bis drei Monate dauern“, so Bischof auf Anfrage. Das Dach wird energetisch saniert und neu eingedeckt, die Fassade neu hergerichtet. „Innen gibt es hier und da Ausbesserungen“, sagt Bischof, am Bestand ändere sich aber nichts. Die alte Kegelbahn bleibt erhalten, im Gastraum sind Tische und Stühle gestapelt. 80 000 bis 100 000 Euro investiere die Zeppelin Wohlfahrt in die Renovierung des Dorfkrugs, so Bischof. Umfangreich umgestaltet und renoviert wurde das Gebäude 1978 und im Jahr 2004 saniert.

Unterdessen scheint es gar nicht so einfach zu sein, einen neuen Pächter für die Gaststätte zu finden. Seit Jahrzehnten ist der Dorfkrug an die Sigmaringer Brauerei Zoller-Hof unterverpachtet, die Brauerei wiederum kümmert sich um den Betreiber. Der letzte Wirt war Hans Schömer, dessen Pachtvertrag nach knapp fünf Jahren Ende Februar auslief und nicht mehr verlängert worden war. „Die Brauerei ist noch auf der Suche nach einem neuen Wirt“, sagt Jörg Bischof. Zwischendurch sei man „fast schon mal fündig geworden“, doch dann wurde doch nichts draus. Am liebsten sähe man bei der Zeppelin Wohlfahrt die Wirtschaft in der Tradition einer „gut-bürgerlichen Küche“ weitergeführt. Von der Brauerei ist derzeit keine Auskunft zu bekommen.

Dorfkrug

Den Dorfkrug gibt es seit 1916. Die Wirtschaft war immer das gastronomische Zentrum des 1913 gegründeten Zeppelindorfs. Der Lokalhistoriker und SÜDKURIER-Autor Ernst Haller hat in seinem Buch „Alte und vergangene Gaststätten in und um Friedrichshafen“ die Pächterhistorie beleuchtet: 1916 startete Kurt Langohr, von 1924 bis 1945 war Georg Höflinger Wirt. Es folgten Richard Schnabel, Franz Benz und Sandra Heller/Eddi Huchel. 2012 übernahm Hans Schömer die Pacht.