Fast vier Jahre lag der Bahnhof Fischbach im Dornröschenschlaf. Gastronom Reinhard Klumpp hat ihn in Zusammenarbeit mit der Stadt Friedrichshafen wieder zum Leben erweckt. Am Freitagabend haben geladene Gäste den neuen Bahnhof zum ersten Mal erlebt – am Samstagabend wurde Eröffnung für alle gefeiert. Dazu gab es passend zur neuen Ausrichtung des Restaurants Musik der brasilianischen Band Anavantou im Lokschuppen.

Die Band Anavantou bringt am Eröffnungsabend brasilianische Lebensfreude in den Lokschuppen. <em>Bild: Gisela Keller</em>
Die Band Anavantou bringt am Eröffnungsabend brasilianische Lebensfreude in den Lokschuppen. Bild: Gisela Keller

Rund 90 Veranstaltungen pro Jahr geplant

Zur inoffiziellen Eröffnung hat Reinhard Klumpp viele eingeladen, die dazu beigetragen haben, dass der Bahnhof wieder eröffnen konnte: Handwerker – vom Fliesenleger bis zum Küchenbauer, Bürgermeister Andreas Köster und dessen Mitarbeiterin Andrea Apfelbacher, die von städtischer Seite das Projekt vorangetrieben hat, das Team des Kulturbüros, viele Stadträte, Weggefährten und Freunde. Und nicht zuletzt Fischbacher, die sich für die Wiedereröffnung des Bahnhofs eingesetzt haben. Auch Peter Berchtold ist weiter an Bord. Er wird zusammen mit Max Grasberger die jährlich rund 45 Veranstaltungen organisieren, die Klumpp selbst durchführen will. Eine ähnliche Anzahl von Veranstaltungen wird das städtische Kulturbüro in der Lokhalle auf die Beine stellen. "Dass das Kulturamt wieder eingebunden ist, finde ich sehr gut", sagt Peter Berchtold im Gespräch mit dem SÜDKURIER, "es wird ein sensationelles Programm werden".

Blumen gibt es von Reinhard Klumpp (links) für Andrea Apfelbacher (Mitte) und Carmen Grau. Peter Berchtold (hinten, Mitte) ist weiterhin an Bord. Glückwünsche zur Eröffnung gab es auch von den Landtagsabgeordneten Martin Hahn (Zweiter von links) und Klaus Hoher (rechts) sowie von Bürgermeister Andreas Köster. <em>Bild: Gisela Keller</em>
Blumen gibt es von Reinhard Klumpp (links) für Andrea Apfelbacher (Mitte) und Carmen Grau. Peter Berchtold (hinten, Mitte) ist weiterhin an Bord. Glückwünsche zur Eröffnung gab es auch von den Landtagsabgeordneten Martin Hahn (Zweiter von links) und Klaus Hoher (rechts) sowie von Bürgermeister Andreas Köster. Bild: Gisela Keller

Restaurant als Vorreiter in der Region

Das Restaurant wurde mit viel Fingerspitzengefühl renoviert. "Man sieht noch den alten Bahnhof, aber er ist schmucker geworden", beschreibt Berchtold die Veränderung. Auch das gastronomische Konzept ist neu: Im Bahnhof ist ein Rodizio-Restaurant nach brasilianischem Vorbild entstanden. Bislang gebe es solche Restaurants nur in wenigen großen Städten wie Köln oder Hamburg, erklärt Carmen Grau, die für Klumpp die Federführung bei Gestaltung und Dekoration des Bahnhofs übernommen hat. Der Bahnhof wird also auch auf gastronomischem Gebiet zum Vorreiter in Süddeutschland. Rund 300 000 Euro hat Klumpp nach eigenen Angaben in die Umbauten investiert.

Reinhard Klumpp (rechts) bedankt sich am Eröffnungsabend bei sehr vielen, die zum Erfolg des neuen Bahnhofs beigetragen haben und beitragen werden. Peter Berchtold wird weiterhin eine wichtige Rolle bei der Organisation von Veranstaltungen haben. Marcello (links) wird das Restaurant leiten. <em>Bild: Gisela Keller</em>
Reinhard Klumpp (rechts) bedankt sich am Eröffnungsabend bei sehr vielen, die zum Erfolg des neuen Bahnhofs beigetragen haben und beitragen werden. Peter Berchtold wird weiterhin eine wichtige Rolle bei der Organisation von Veranstaltungen haben. Marcello (links) wird das Restaurant leiten. Bild: Gisela Keller

Reger Zuspruch aus der Bevölkerung

"Fischbach hat sich gewünscht, dass hier endlich wieder was los ist – jetzt ist was los", sagte Bürgermeister Andreas Köster am Freitagabend im proppenvollen Bahnhof. Auch am Samstagabend – zur offiziellen Eröffnung – waren im Innenraum die Tische ausgebucht, im Biergarten konnten spontane Gäste noch einen Platz finden. Oliver Haller aus Manzell hat den ersten Abend im neu eröffneten Restaurant mit Freunden genossen: "Das Essen war sehr gut, der Service perfekt. Wir sind rundum glücklich und gesättigt". Im Lokschuppen ging für einige Gäste der Abend mit brasilianischer Livemusik weiter, während sich im Lokal die frei gewordenen Tische erneut füllten. 

Der Grill ist das Herzstück des Rodizio-Restaurants und ist auch aus dem Restaurant zu sehen. Grillmeister Domenico (links) sorgt dafür, dass viel Leckeres brutzelt. Elvis Dejeusus (rechts) bringt die gegrillten Spieße zu den Gästen. <em>Bild: Gisela Keller</em>
Der Grill ist das Herzstück des Rodizio-Restaurants und ist auch aus dem Restaurant zu sehen. Grillmeister Domenico (links) sorgt dafür, dass viel Leckeres brutzelt. Elvis Dejeusus (rechts) bringt die gegrillten Spieße zu den Gästen. Bild: Gisela Keller

Brasilianische Grill-Kultur im Bahnhof Fischbach

  • Der Gastronom Reinhard Klumpp erzählt über die Konzeption des Rodizio-Restaurants. Von Brasilien und den Menschen, die er auf seinen Reisen dorthin kennengelernt hat, sei er schon seit langem begeistert, sagte Reinhard Klumpp, Chef der Culina OHG und Pächter des Bahnhofs Fischbach bei der Eröffnung. Ebenso begeistert sei er von den traditionellen Restaurants, die es dort vor allem im südlichen Bundesstaat Santa Catarina gibt.
  • Spezialität dieser Rodizio-Restaurants ist an großen Spießen Gegrilltes: Fleisch vom Rind, Schwein und Geflügel sowie Würste. Mit den Spießen machen die Kellner ihre Runde durchs Lokal und schneiden am Tisch für die Gäste die gewünschten Stücke ab. Beilagen werden im Bahnhof ebenfalls zur Auswahl vorbeigebracht, Vorspeisen und Nachspeisen wählen die Gäste am Büfett.
  • Der Bahnhof sei wie gemacht für so ein Rodizio-Restaurant, sagte Klumpp. Er hat die Küche komplett umbauen und einen speziellen Grill einbauen lassen. Zu einem authentischen Rodizio macht den Bahnhof aber erst das Personal, das reichlich südamerikanische Lebensfreude und Herzlichkeit hinein bringt: Nahezu alle Mitarbeiter stammen aus Südbrasilien.
  • Wie konnte Klumpp so viele Brasilianer gewinnen? "Marcello, der Restaurantleiter, hat vor einigen Jahren in einem Restaurant in Friedrichshafen gearbeitet, dabei habe ich ihn kennen gelernt", erzählt Klumpp. "Er hat dann einige Jahre in einem Rodizio in Köln gearbeitet". Über ein soziales Netzwerk habe Marcello im vergangenen Jahr wieder Kontakt aufgenommen und damit habe sich die Chance ergeben, aus dem Bahnhof ein authentisches Rodizio zu machen. "Marcello hat viele Freunde und Bekannte für die Arbeit hier gewinnen können", freut sich Klumpp.
  • Das Rodizio-Restaurant im Bahnhof ist von Mittwoch bis Samstag von 17 bis 2 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 21 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage. Informationen im Internet:  www.bahnhof-fischbach.de