"Finden Sie den Abend auch so köstlich amüsant?" Die Dame am Nebensitz spricht in der Pause das aus, was vielleicht viele dachten. Zum insgesamt 33. Mal spielte die Südwestdeutsche Philharmonie zum traditionellen Neujahrskonzert im Graf-Zeppelin-Haus auf. Das Programm, das sie in diesem Jahr mitgebracht hatte, sprühte vor musikalischer Leichtigkeit und ansteckender Laune – und war in so vielem anders. Erfrischend anders. Keine neunte Sinfonie von Beethoven wie im Vorjahr, stattdessen eine Hommage an Vico Torriani. Kein "Freude, schöner Götterfunken", dafür "Zwei Spuren im Schnee". Als thematischer Türöffner fungierte in diesem Fall Gioachino Rossini und seine Ouvertüre zu "Wilhelm Tell" unter dem geschmeidigen, unaufgeregten Dirigat von Ari Rasilainen, der auch bei dramatischen Stimmungs- und Tempiwechseln der Versuchung allzu dramatischer Gestikulierung widersteht. Gerade das sonore Timbre der Celli kommt hier wunderbar zur Geltung. Moderator Beat Fehlmann erzählt im weiteren Verlauf die Geschichte des Schweizer Nationalhelden völlig neu und schlägt ganz ungeahnte musikalische Brücken.

Der Schelm im Nacken: Bariton Samuel Zünd als Vico Torriani (Bildmitte) und Dirigent Ari Rasilainen beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie im Graf-Zeppelin-Haus. Bild: Brigitte Geiselhart
Der Schelm im Nacken: Bariton Samuel Zünd als Vico Torriani (Bildmitte) und Dirigent Ari Rasilainen beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie im Graf-Zeppelin-Haus. Bild: Brigitte Geiselhart

Der eigentliche Star des Abends aber ist Bariton Samuel Zünd, der einen Vico Torriani gibt, wie er im sprichwörtlichen Buche steht. Keine Frage, der trockene Humor und der Schelm sitzt ihm im Nacken, ob mit herrlich nostalgischen Samtcord-Sakko oder im eleganten, im Stil der 60er schlank geschnittenen Smoking. Das entspannte und genüssliche Zurücklehnen im Publikum bleibt nicht aus. Egal, ob von den Silberfäden im Haar der geliebten Mutter oder von Ananas aus Caracas gesungen wird. Vor allem nicht, wenn es um die spezielle Torrianische Geografie geht und die musikalische Erkenntnis, dass Kalkutta am Ganges und Paris an der Seine liegt.

Und Strauß? Natürlich ist ein Neujahrskonzert im Graf-Zeppelin-Haus ohne seine Gassenhauer und seine Walzerseligkeit nicht denkbar. Schon gar nicht ohne den Radetzkymarsch als finale Zugabe. Vater oder Sohn spielt in dem Fall keine Rolle. Das entspannte Lächeln und die Vorfreude auf ein nächstes überraschendes Neujahrskonzert halten eine Weile vor.