Der Friedrichshafener Westen hat Bedarf für ein Pflegeheim. In der Fischbacher Runde brachte das Siegfried Allgaier aus dem Leitungsteam wieder ins Gespräch und es geht auch aus der Bedarfsplanung der Altenhilfe für den Friedrichshafener Westen hervor. Als Standort für ein Pflegeheim war jahrelang die Zeppelinstraße 300 im Gespräch. Daraus wird wohl nichts.

„Es wird einfach nicht mehr über die Zeppelinstraße 300 gesprochen“, sagte Allgaier auf Nachfrage. Das Grundstück ist im Besitz der Stadt, das vorhandene Gebäude diente schon als Schule, Kindergarten, Tourist-Info und Bibliothek. Derzeit wird das Erdgeschoss von einem Immobilienmakler genutzt, die anderen Stockwerke sind unbewohnt. „Schon vor Jahren hieß es, es lohne sich nicht, das Gebäude noch mal zu sanieren, es sollte abgerissen werden“, sagt Allgaier. Er sähe an dieser Stelle einen guten Standort für ein Pflegeheim: „Es ist mitten im Ort, an der Straße wird es viel ruhiger, sobald die B 31 verlegt ist, es gibt eine Unterführung, um an den nahe gelegenen See zu kommen und dort wo jetzt ein Spielplatz ist, auf dem nie ein Kind spielt, ließe sich ein Park für die alten Leute anlegen“, zählt er eine Reihe von Argumenten dafür auf. Tatsächlich gab es schon recht weit gediehene Planungen für ein Pflegeheim an dieser Stelle, erfuhr der SÜDKURIER aus zuverlässiger Quelle, diese Planungen würden allerdings nicht weiter verfolgt. Dafür gebe es andere.

Wie diese neuen Planungen aussehen, darüber gibt die Begründung zum Bebauungsplan „Eisenbahnstraße“ Auskunft, über den vor kurzem erstmals öffentlich im Technischen Ausschuss beraten wurde. Zur Planfläche gehört das Areal um Schule, Sporthalle und Festhalle. Auf Seite 6 ist zu lesen, dass es für die „Gemeinbedarfsfläche“ rund um Schule, Sport- und Mehrzweckhalle eine „unzureichende bauliche Ausnutzung“ gebe. Womit der Platz besser ausgenutzt werden soll, steht dort auch: „Mit Einbindung in den Geltungsbereich soll die Fläche... ein modifiziertes Nutzungsspektrum erfahren, das u.a. auch die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Pflege- und Betreuungseinrichtung in Fischbach vorbereitet“. Was in einfachen Worten bedeutet, dass dort ein Pflegeheim entstehen soll. Die Mitglieder der Fischbacher Runde hätten dies zwar in der öffentlich zugänglichen Vorlage lesen können, darauf aufmerksam gemacht wurden sie von der Stadtverwaltung aber offenbar nicht. Für Bertold Sterk aus dem Leitungsteam der Fischbacher Runde ist das nichts Neues: „Was solche Dinge anbelangt, werden wir generell von der Stadt nur sehr spärlich informiert und erfahren darüber meistens aus der Presse.“ Das sei zum Beispiel auch bei Planungen im Zusammenhang mit dem Diakonissenheim so, oder was den Kulturbahnhof angehe. Dass die Stadt wohl beabsichtigt, den Kulturbahnhof aufzugeben, geht ebenfalls aus der Begründung zum Bebauungsplan „Eisenbahnstraße“ hervor.

Ein Pflegeheim in Nachbarschaft der Schule ist für Fischbach eine neue Option. Platz dafür wäre auch deshalb vorhanden, weil der Gemeinderat vor kurzem entschieden hat, auf eine weiterführende Schule in Fischbach zu verzichten. So braucht die Schule keinen Erweiterungsbau. Im der Entscheidung zugrunde liegenden Biregio-Gutachten wurden für Fischbach stagnierende und zu geringe Schülerzahlen prognostiziert, andererseits vorgeschlagen, auf dem Schulgelände eine Kita zu bauen. Davon ist in der Begründung zum Bebauungsplan „Eisenbahnstraße“ nicht die Rede. Da die Sporthalle durch einen Neubau ersetzt werden soll, könnte auch durch eine andere Platzierung des Baus Platz für ein Pflegeheim geschaffen werden.

Dazu, was aus mit dem Gelände Zeppelinstraße 300 geschehen soll, gab die Stadtverwaltung keine Auskunft. Pressesprecherin Monika Blank bat um Verständnis dafür, „dass wir über eventuell vorliegende Anfragen oder Gespräche über Grundstücksfragen und -verhandlungen grundsätzlich nicht öffentlich berichten“. Was nicht öffentlich berichtet wird, erfährt auch die Fischbacher Runde nur, wenn die Stadtverwaltung dies möchte. „Was müssen wir eigentlich tun, damit wir Ortschaft werden?“ fragte Siegfried Allgaier auch deshalb in der Fischbacher Runde. Als Ortschaft hätte der Westen einen gewählten Ortschaftsrat und einen Ortsvorsteher. Laut Ortschaftsverfassung wäre der Ortschaftsrat zu allen wichtigen Angelegenheiten zu hören, die den Stadtteil betreffen und hätte ein Vorschlagsrecht dazu.

 

Warum es keinen Ortschaftsrat gibt

Warum gibt es in Fischbach, Manzell und Spaltenstein keinen Ortschaftsrat? Fischbach, Manzell, Spaltenstein und Schnetzenhausen (zusammen etwa 10 000 Einwohner) wurden 1937 zwangsweise in die Stadt Friedrichshafen eingemeindet. Zuvor gab es dort einen Bürgermeister und einen gemeinsamen eigenen Gemeinderat, der zuletzt im Rathaus in der Dornierstraße in Spaltenstein tagte. Mit der Eingemeindung wurde der Rat aufgelöst und es gab auch keinen Bürgermeister mehr.

Die Ortschaften Ailingen (etwa 7600 Einwohner), Ettenkirch (etwa 1800 EInwohner), Kluftern (etwa 3500 Einwohner) und Raderach (knapp 400 Einwohner) kamen 1971/72 als Ortschaften zu Friedrichshafen. Für sie gilt eine Ortschaftsverfassung. Als Ersatz für die vorher vorhandenen Gemeinderäte wurden dort Ortschafträte eingerichtet. Statt Bürgermeistern gibt es seither Ortsvorsteher. In Ailingen und Kluftern gibt es hauptamtliche Ortsvorsteher, in Ettenkirch und Raderach ehrenamtliche.