Es riecht nach frisch getrockneter Farbe und Staub. Neben halb eingeräumten Regalen stehen Umzugskartons. Auf dem Boden liegen Mülltüten. Zwischendrin steht Petra Rudolf. Sie ist Inhaberin des Raumausstattungs-Geschäftes Friedrich und koordiniert die Handwerker, die im zweiten Stock die Elektrik montieren.

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Etwa sieben Monate sind seit dem verheerenden Brand am 30. Dezember in der Karlstraße vergangen. Dabei ist das komplette Geschäft ausgebrannt. Der Inventarschaden beträgt etwa 170 000 Euro, wie Petra Rudolf berichtet. Am kommenden Samstag, 27. Juli, öffnet sie das Geschäft endlich wieder. Und Petra Rudolf fällt eine Last von den Schultern. „Es war keine einfache Zeit, aber gemeinsam mit meinen Mitarbeitern haben wir diese gut überstanden“, sagt Rudolf.

Der Blick in das Geschäft: Einige Regale sind schon zur Häflte mit Ware gefüllt.
Der Blick in das Geschäft: Einige Regale sind schon zur Häflte mit Ware gefüllt. | Bild: Mona Lippisch

Zwei Gesellinnen und zwei Auszubildende beschäftigt die Inhaberin des Raumausstatters – auch im Zeitraum der Sanierung des Geschäftes. „Wir hatten großes Glück und konnten übergangsweise eine Gewerbeeinheit in Langenargen mieten. Von dort aus haben wir gearbeitet“, sagt Rudolf.

Architekt Bernd Ammann packt in den letzten Zügen der Sanierungsarbeiten selbst mit an und saugt den oberen Stock des Raumausstattungsgeschäftes.
Architekt Bernd Ammann packt in den letzten Zügen der Sanierungsarbeiten selbst mit an und saugt den oberen Stock des Raumausstattungsgeschäftes. | Bild: Mona Lippisch

Blickt sie auf die Zeit direkt nach dem Brand, stocken ihre Worte. „Es war natürlich ein totaler Schock, wenn man aufsteht und vor einem ausgebrannten Ladengeschäft steht“, sagt Rudolf langsam. Einen kurzen Moment habe sie sogar überlegt, ihren Beruf aufzugeben. „Ich konnte es nicht. Ich liebe Stoffe und ich liebe meine Arbeit. Also habe ich dafür gekämpft, dass wir das durchstehen.“ Vor drei Jahren hat Petra Rudolf das Geschäft übernommen. Mit ihr liegt der Raumausstatter in den Händen der vierten Familiengeneration. „Es ist Tradition. Das kann ich nicht einfach aufgeben“, sagt Rudolf.

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Nachdem die Versicherung Anfang Januar den Schaden aufgenommen hat, ging es für Petra Rudolf an die Planung. Wie soll der Laden in Zukunft aussehen? Welche Möbel sollen die Alten ersetzen? „Zum Beispiel habe ich mich dafür entschieden, ein Fenster freilegen zu lassen und die Raumaufteilung etwas anders gestaltet“, erzählt Rudolf. Die tägliche Arbeit hat der Inhaberin des Geschäftes in der Karlstraße geholfen, die Bilder des Brandes zu verarbeiten. Bestehende Aufträge wurden abgearbeitet und Neue sind dazugekommen. „Trotz dessen, dass wir in der Zeit kein Ladengeschäft hatten, haben wir einige Bestellungen bekommen. Unsere Kunden sind uns geblieben.“

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Rudolf gibt zu: In der Sanierungsphase ging es ihr und ihren Mitarbeitern „überraschend gut.“ Die Zeit sei von einer optimistischen Sicht in die Zukunft geprägt gewesen. „Wir wussten, wo wir hinwollen und das haben wir auch geschafft“, sagt die Raumausstatterin. In ihrer Stimme schwingt Stolz mit, aber ihre Augen tränen: „Die Wiedereröffnung ist für mich super. Es kostet unheimlich viel Kraft, aber ich freue mich. Ich liebe Stoffe und Einrichtungen. Es ist mein Leben.“

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Bis zur Eröffnung gibt es noch viel zu tun: putzen, einräumen und dekorieren. Auch die Restarbeiten der Handwerker, wie das Anschließen einiger Lampen, müssen fertiggestellt werden. „Mit der Vorfreude auf Samstag steigt auch die Motivation. Wir sind ein super Team und alle packen fleißig mit an. Wir können es gar nicht erwarten, wieder unsere Tür zu öffnen“, sagt Rudolf.