Für das Landratsamt Bodenseekreis ist der Holzofen von Webers Backstube am Flughafen die Hauptursache der Geruchsbelästigungen in Friedrichshafen-Ost. Hannes Weber bezweifelt dies. Er will seine Produktion im Holzofen jetzt aber umstellen, da er durch die Nennung seines Namens durch das Landratsamt so oder so künftig immer unter Verdacht stehe. "Wir haben kein Interesse daran, jemanden zu verrauchen oder Menschen nachts zu ärgern", sagt Weber.

Landratsamt sprich von wesentlicher Quelle

"Wir können mittlerweile nahezu sicher davon ausgehen, dass der Holzofen der Backstube Weber eine wesentliche Quelle der nächtlichen Geruchsbelästigung im Wohngebiet Friedrichshafen-Ost ist", berichtet Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts: "Wir können zwar nicht ausschließen, dass auch andere Quellen ebenfalls – wenn auch vielleicht nur gelegentlich – in der Nacht gerochen werden können, was wir weiterhin prüfen und beobachten. Jedoch führt uns der dokumentierte Zusammenhang zwischen regelmäßig aktiver Quelle und regelmäßig berichteten Belästigungen zu diesem Schluss." Zwei bis drei weitere Unternehmen seien noch nicht abschließend als Verursacher ausgeschlossen.

Betrieb des Holzofens wird möglicherweise ausgesetzt

Gegen Zulassungsvorschriften verstößt die Anlage aber nicht. Sie ist auch schon vom Landratsamt im März geprüft worden. "Die aber mittlerweile verfügbaren Anhaltspunkte sowie die Dauer und Intensität der berichteten Belästigung können juristisch als erheblich eingestuft werden", so Schwarz. Deshalb würden behördliche Schritte geprüft. So sei es denkbar, den Betrieb des Holzofens der Backstube auszusetzen, um eine spürbare Entlastung zu erreichen. Dies solange, bis im Zuge eines meteorologischen Gutachtens, das Mitte September vorliegen soll, oder weiterer technischer Expertisen ein gangbarer Weg aufgezeigt werden könne, das Problem zu lösen, erläutert Schwarz.

Im März noch andere Aussage der Behörde

"Im März wurde uns nach einer nächtlichen Untersuchung noch gesagt, wir seien nicht der Verursacher", sagt Weber: "Für mich war das Thema da erledigt." Doch dann kam die Diskussion wieder. Er selbst und seine Mitarbeiter hätten versucht, herauszufinden, wo es riecht. Rauchgeruch hätten sie beim Anfeuern um 2.40 oder 3 Uhr in der Adelheidstraße wahrgenommen, nicht weiter. Es gebe für andere Gerüche ja auch andere Möglichkeiten, wie die Härterei der ZF, die ebenfalls in der Kaltschneise des Flughafens liege. Für die sei das Regierungspräsidium zuständig. Am Dienstag habe er gegenüber dem Landratsamt nachweisen müssen, dass seine Anlagen korrekt gebaut sind und das korrekte Holz verbrenne, erzählt Weber. Die Anlage stehe zugelassen ohne Änderung seit dem 26. März 2012 da.

"Egal was raucht, ich bin der Schuldige"

"Ich weiß nicht, was wir falsch gemacht haben sollen", so Weber. Man müsse sich doch auf die Behörden verlassen können, wenn sie etwas genehmigen und im März nochmal bestätigen, sonst wäre man in einem Bananenstaat. "Wir müssen jetzt mit der Situation umgehen", sagt Weber, auch mit Blick auf seine Angestellten. Er gehe nach diesen Ereignissen davon aus, immer in Verdacht zu geraten. "Egal was raucht, ich bin der Schuldige", befürchtet er.

Weber will Holzofenproduktion umstellen

Weber will deshalb seine Holzofenproduktion umstellen. Bisher wird das Holzofenbrot vereinfacht so gebacken, dass im Holzofen Holz verbrannt wird, das die Steine erhitzt, auf dem dann die Brote gebacken werden, ganz klassisch. Das Holz raucht beim Anzünden. Eine Alternative wäre, die Steine mit der Flamme eines Holzpellet-Ofens zu erhitzen. Dies führe laut Weber zu wesentlich weniger Emissionen. Das Problem sei allerdings, ob er dieses Brot dann noch Holzofenbrot nennen dürfe, denn der Backvorgang sei gesetzlich vorgeschrieben. Um dies umzusetzen, müsse er eine fünfstellige Summe investieren und brauche Zeit von den Behörden.

Manchem Anwohner ging die Verursachersuche bisher allerdings zu langsam. Die Geruchsbelästigung gebe es seit 2015, berichtet Hermann Dietlicher. Er habe vergangene Woche eine Beschwerde beim Regierungspräsidium (RP) Tübingen eingereicht. "Leider ist es so, dass viele der Betroffenen kein Vertrauen mehr in das hiesige Umweltschutzamt haben", schreibt Dietlicher, der nach eigenen Angaben Vertreter einer ganzen Gruppe von Anwohnern ist.

Landratsamt muss Stellungnahme abgeben

Nach Auskunft von Daniel Hahn, Pressesprecher des Regierungspräsidiums, muss das Landratsamt dazu eine Stellungnahme abgeben. Er beschreibt die Symptome der Betroffenen mit Hustenreiz bis zum Erbrechen, Augenreizungen, Hautausschlägen, Kratzen im Hals und Asthmaanfällen. Laut Schwarz gebe es bislang keine Anhaltspunkte, dass im Umfeld des Wohngebiets die Schadstoffeinträge unzulässig oder gesundheitsgefährdend seien. "Weil wir aber die eingehenden Beschwerden und die geschilderten Symptome sehr ernst nehmen und uns das auch nahegeht, prüfen wir gerade noch mal, welche Möglichkeiten von Messungen es praktischerweise überhaupt gäbe", erläutert Schwarz.

Rund 200 Beschwerden beim Landratsamt

In seiner Straße sei der Gestank fast täglich, außer am Sonntag, berichtet Dietlicher. Das Landratsamt habe inzwischen rund 200 Beschwerden. Nach Beobachtungen von ihm und seinen Mitstreitern ziehe sich der Geruch meist zwischen 2 und 3.30 Uhr, freitags auf samstags auch schon gegen 0 Uhr, von der Adelheid- über die Dietostraße, Am Seewald, Erlen- und Tannenweg, Platanenstraße, teilweise Ravensburger Straße bis ins Schreieneschgebiet. Die Betroffenheit sei unterschiedlich. Wofür er keine Erklärung habe, sei, warum sich der Geruch von ekelerregend, nach verbranntem Gummi riechend, stufenlos nach Backwarengeruch wandele. Er unterstelle nicht, dass die Backstube Weber der Verursacher sei.

Auch aus der Adelheidstraße gibt es Meldungen über nächtliche Geruchsbelästigung.
Auch aus der Adelheidstraße gibt es Meldungen über nächtliche Geruchsbelästigung. | Bild: Georg Wex

Es gibt auch die Mutmaßung, der Geruch könnte durch die Abgase nächtlich fahrender "alter, russischer" Dieselloks, die Güterzüge ziehen, verursacht sein. "Von unserer Seite können wir das ausschließen", sagt dazu am Dienstag Michael Greschniok, Pressesprecher der Deutschen Bahn. Zwischen 0 und 4.45 Uhr gebe es ein Nachtfahrverbot auf der Strecke. Davon gebe es eine Ausnahme. Der Kieszug eines privaten Eisenbahnunternehmens dürfe mittwochs, freitags und samstags von Friedrichshafen nach Kressbronn fahren. Planmäßig starte dieser Zug um 2.30 Uhr, aber nur bei Bedarf. Dabei komme eine moderne Diesellok zum Einsatz.