Es ist, als könne das Publikum kaum glauben, was Vaude-Chefin Antje von Dewitz über Nachhaltigkeit als Firmenstrategie erzählt. „Gab es keine Widerstände in der Familie gegen den grünen Kurs?“, fragt ein Besucher der Bürgeruni. „Als mir mein Vater 2008 das Unternehmen übergeben hat, hat er das Unternehmen als Beirat begleitet, mir operativ aber freie Hand gelassen – vorausgesetzt, die Zahlen stimmten und wir hätten weiterhin eine innovative Produktentwicklung“, antwortet von Dewitz. „Und stimmten die Zahlen denn?“, will ein anderer wissen. „Die mussten auch deshalb stimmen, weil wir uns in einem engen Finanzierungskorsett der Banken befinden. Wir sind umsatzmäßig in den letzten zehn Jahren immer über dem Durchschnitt der europäischen Outdoorbranche gewachsen“, sagt sie. „Ist das Beharren auf Nachhaltigkeit kein Wettbewerbsnachteil?“, fragt ein junger Mann. „Wir sehen das heute als Innovationstreiber“, sagt sie und verweist auf Hosen aus Rizinusöl, Fleecejacken aus Holzfaser oder die neu geschaffene Möglichkeit auch Ausrüstung zu leihen.

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Sie gibt zu, dass die Umstellung der Produktion und die Zertifizierung der gesamten Produktionskette viel Geld und Anstrengung kostet und damit ihre Gewinnmargen oftmals schmaler sind. „Die Outdoor-Kunden wissen zwar, was es zu bewahren gilt, aber sie sind nicht unbedingt bereit, dafür mehr Geld auszugeben“, sagt sie. Andererseits sei sie stolz darauf, was ein mittelständisches Familienunternehmen bewegen könne. „Jetzt fragen unsere Produzenten in Asien bei den Wasserwerken nach, wenn in dem, was sie als Frischwasser bekommen, Schadstoffe sind.“

Im Podiumsgespräch unterhalten sich Thomas Brand, Antje von Dewitz und Hannes Werning über eine am Gemeinwohl orientierte Ökonomie.
Im Podiumsgespräch unterhalten sich Thomas Brand, Antje von Dewitz und Hannes Werning über eine am Gemeinwohl orientierte Ökonomie. | Bild: Corinna Raupach

Dabei weiß sie, dass Vaude als Textilhersteller in einer ökologisch schwierigen Branche unterwegs ist. „Zehn Prozent des gesamten Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen sollen auf die globale Textilindustrie zurückgehen, 3500 giftige oder hormonverändernde Chemikalien werden im Produktionsprozess verwendet, Textilien sind der drittgrößte Verursacher von Mikroplastik in den Weltmeeren – wenn etwa Fleece-Fasern brechen und die Mikropartikel beim Waschen ins Wasser gespült werden“, zählt sie auf. Aber Vaude habe sich vorgenommen, als Teil des Problems auch Teil der Lösung zu sein. „Für mich ist das unternehmerische Verantwortung. Wenn ich Schaden anrichte, muss ich versuchen, den zu vermeiden oder wieder gut zu machen.“

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Allerdings komme es bei der Nachhaltigkeit auch auf den Verbraucher an: Wie lange werden Sachen getragen, wie oft gewaschen, werden sie repariert. Und: „Jeder hat die Wahl – jede Kaufentscheidung ist eine Entscheidung: Was für eine Art von Leben und Wirtschaften will ich unterstützen.“ Das gelte für Äpfel wie für Kleidung.

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