Die Sektkorken haben gestern Vormittag am Stand des Unternehmens Ultraleichtflug Konstanz bei der Aero Luftfahrtmesse in Friedrichshafen geknallt. Dort zieht ein Doppeldecker die Blicke auf sich und Besitzer Berndt Stadelhofer hat Grund zum Feiern. Denn bei dem Flugzeug handelt es sich um den Nachbau der historischen Stampe SV4. Es bekam gestern die Zulassung für den Luftverkehr – und somit die Freigabe für den Betrieb auf dem Flugplatz am Rande von Konstanz. Der Doppeldecker war auch im vergangenen Jahr bei der Aero zu bewundern, "aber jetzt fliegt er wirklich", sagte Stadelhofer.

Einst war die Stampe SV4 am Himmel häufiger zu sehen. So könnte es auch wieder werden, geht es nach dem Inhaber der Ultraleichtflug Konstanz GmbH. Der Anfang der 1930er Jahre in Belgien konstruierte Doppeldecker wurde einst viel als Ausbildungsflugzeug eingesetzt. Heute existieren vom Originalflieger nur noch wenige Exemplare. Bis der Belgier Raoul Severin sich der Konstruktion annahm und das historische Fluggerät nach alten Plänen noch einmal baute – mit modernen Mitteln. Das Ergebnis ist ein echter Doppeldecker mit den Vorzügen moderner Kleinflugzeuge. Der vordringlichste Unterschied liegt im Gewicht: "Dank moderner Materialien ist der Nachbau erheblich leichter", erklärt Berndt Stadelhofer. Auch die Motorisierung und die Instrumente kommen aus der Moderne. Aber wie das Original kann die neue Stampe SV4-RS neben dem Piloten einen Passagier mitnehmen. Mit dem geringeren Gewicht gilt die Replik nun als Ultraleichtflugzeug und reiht sich ein in das Rundflug-Angebot der Ultraleichtflug GmbH auf dem Konstanzer Flugplatz. Das Unternehmen vertreibt außer Ultraleichtflugzeugen auch Accessoire aus der Luftfahrt.

Die Freude war groß, als Technikreferent Michael Bätz vom Deutschen Aeroclub bei der Messe die Urkunde für die "vorläufige Verkehrszulassung" überreichte. Stapel von Formularen mussten dafür ausgefüllt werden, erklärt Berndt Stadelhofer. Zu den Technikprüfungen zählte etwa ein Belastungstest: Die Tragflächen mussten das Eineinhalbfache der zugelassenen Beschleunigungsbelastung aushalten. Gebaut wird das Flugzeug künftig in Lizenz von dem Deutschen Marko Grilz. Wer es kaufen möchte, zahlt dafür 89 000 Euro.

Wer künftig in die Stampe SV4-RS einsteigt, bekommt ein Freiluft-Flugerlebnis der historischen Art bei eher gemütlichen 100 Stundenkilometern geboten: im offenen vorderen Sitz unter der Tragfläche und mit einem Lederhelm auf dem Kopf – fast wie die Urväter der Fliegerei sie trugen.