Eine Woche vor seinem tragischen Tod zeigte sich Friedrich von Württemberg bei seinem letzten Pressetermin in der Heimatstadt so, wie er Zeit seines Lebens wirkte. Die Orgel der Schlosskirche braucht eine Grundsanierung. Herzog Friedrich, seit 1995 Hausherr des Schlosses Friedrichshafen gleich nebenan, das früher königliche Sommerresidenz seiner Vorfahren war, hatte die Schirmherrschaft übernommen. Im Glauben an die Ökumene und daran, dass sein Name „Herzen und Geldbeutel“ für das teure Projekt öffnen möge. Umgänglich, freundlich, nahbar wie eh und je erklärte der Mäzen und Beförderer so vieler caritativer und ehrenamtlicher Projekte, dass diese Kirchenorgel ihm selbst ein Herzensanliegen sei.

Herzog Wilhelm steht an erster Stelle der Erbfolge

Für die Familie muss der plötzliche Tod des Erben im Hause Württemberg ein Schock sein. Er hinterlässt seine Frau, Herzogin Marie, die ihn mit zarten 19 Jahren heiratete. Beide bekamen drei Kinder, die in Friedrichshafen aufwuchsen. Sophie-Dorothée (20), Marie-Aurélie (22) und Wilhelm, der Erstgeborene, besuchten in den Grundschuljahren die Bodenseeschule. Bodenständigkeit war dem Vater trotz adliger Abstammung immer wichtig. Gerade mit seinem 23-jährigen Sohn hatte Herzog Friedrich große Pläne vor allem in der Landwirtschaft. Herzog Wilhelm müsste nun zumindest nach der Erbfolge früh Verantwortung übernehmen. Ob stattdessen einer von Herzog Friedrichs Brüdern Eberhard, Philipp oder Michael nachfolgt, entscheidet der Chef des Hauses Württemberg, der 83-jährige Herzog Carl. Er lebt mit seiner Frau Diane auf Schloss Altshausen – dort, wo Herzog Friedrich sein Nachfolger geworden wäre. 

Tragischer Verlust: Friedrich Herzog von Württemberg (56), hier auf dem Molesteg vor dem Schloss Friedrichshafen.
Tragischer Verlust: Friedrich Herzog von Württemberg (56), hier auf dem Molesteg vor dem Schloss Friedrichshafen. | Bild: dpa

Sein ältester Sohn übernahm bereits seit Jahren nicht nur viele repräsentative Aufgaben vom Vater, sondern auch die wirtschaftliche Verantwortung für große Besitztümer der Familie. Friedrich von Württemberg leitete die Hofkammer und damit die Unternehmungen des Adelshauses. Tausende Hektar an Feldern, Wäldern und Weinbergen, über 70 Kulturdenkmäler, Grundstücke und Immobilien im In- und Ausland sowie vier Golfplätze im Eigentum der Württemberger bedeuteten für Herzog Friedrich Tradition und Verpflichtung zugleich. Als Chef eines mittelständischen Unternehmens mit gut 90 Mitarbeitern sah er seinen Auftrag aber nicht nur im Erhalt des Erbes. Mit Projekten wie dem „seeside“ in Konstanz entwickelte die Hofkammer unter seiner Regie Wohn- und Geschäftsbauten der Neuzeit, die – qualitativ hochwertig – nachhaltig Bestand haben sollen. Auch wenn die Hofkammer gleichfalls auf dem Aktienmarkt tätig ist, kamen für Herzog Friedrich riskante Geschäfte nicht in Frage. Die führt nach Mitteilung der Hofkammer kommissarisch Hofkammerdirektor Henrik M. Lingenhölin fort. 

Beim Blutritt in Weingarten reitet eine Gruppe aus Altshausen mit – mit Trauerflor zu Ehren des Verstorbenen.
Beim Blutritt in Weingarten reitet eine Gruppe aus Altshausen mit – mit Trauerflor zu Ehren des Verstorbenen. | Bild: dpa

Doch weit über die familiären Verpflichtungen hinaus engagierte sich Friedrich Herzog ehrenamtlich. Er investierte in Stiftungen, unterstützte Universitäten genauso wie Bildungs- und Sportprojekte, engagierte sich für Vereine und Verbände und diente als Oberst der Bundeswehr. Er wird dem Land und der Region fehlen.
 

Das Adelshaus Württemberg

Das Adelsgeschlecht der Württemberger blickt auf eine lange Geschichte zurück. Einst verhalf Napoleon der Familie zu ihrem Königreich.

Haus Württemberg: Das bis heute existierende Adelsgeschlecht beherrschte bis 1918 als König von Württemberg weite Gebiete in Süddeutschland. Der Familienname leitet sich von der Stammburg auf dem Wirtenberg ab und wurde zum Namensbestandteil des heutigen Bundeslandes. Die Grafenfamilie stieg 1495 zum Herzogtum auf. Während der Herrschaft Napoleons erhielt Herzog Friedrich II den Titel des Kurfürsten, 1806 wurde er als Friedrich I zum König von Württemberg ernannt. Nach ihm ist die Stadt Friedrichshafen benannt. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 dankte König Wilhelm II als letzter württembergischer König ab. Seine Nachkommen tragen bis heute den Titel Herzog von Württemberg.

Schloss Friedrichshafen: Erbaut 1654 als Klosterpriorat der Benediktiner wurde das Schloss 1802 aufgelöst und ging in den Besitz des Königreichs Württemberg über. Ab 1814 bis 1824 wurde es zur Sommerresidenz für den König von Württemberg ausgebaut. Bis heute ist das Haus Württemberg Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Die Stadt Friedrichshafen darf im Schlosspark aber alljährlich die „Achtzehnerfeier“ für ihre Jugendlichen feiern.

Schloss Altshausen: Wann genau die ursprüngliche Wasserburg erbaut wurde, ist nicht überliefert. Um 1004 n. Chr. wurde sie erstmals erwähnt. Einst Sitz des Grafen von Altshausen ging das Anwesen 1264 an den Deutschen Orden über. Erst im 17. Jahrhundert wandelte sich der Bau nach und nach zu einem Schloss. Nach der Auflösung des Ordens gehörte es zunächst Bayern, der König von Württemberg tauschte es aber gegen ein anderes Gebiet. Bis ungefähr 1919 war das Anwesen sein Jagdschloss. Erst danach wurde es zum Wohnsitz des Adelsgeschlechts, das dort bis heute residiert. Neben der Familie ist dort auch die örtliche Polizei untergebracht.

Weitere Schlösser des Hauses Württemberg: 70 Kulturdenkmäler gehören bis heute zum Besitz des Adelsgeschlechts – darunter Schloss Ludwigsburg mit den beiden Lustschlössern Favorite und Monrepos.

Beerdigung: Wann Friedrich Herzog von Württemberg nach seinem Unfalltod zu Grabe getragen wird, ist noch nicht terminiert, soll in den nächsten Tagen aber bekannt gegeben werden. Seine letzte Ruhestätte wird in der Familiengruft der Pfarr- und Schlosskirche St. Michael in Altshausen sein, teilte die Familie mit.