Zu einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro und den Kosten des Verfahrens verurteilte das Amtsgericht Tettnang einen 20-Jährigen aus Eriskirch und seinen 19-jährigen Freund aus Friedrichshafen, zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit nach Jugendstrafrecht. Sie standen am Mittwoch wegen exhibitionistischer Handlungen und Beleidigung vor Gericht. Der Tatbestand der exhibitionistischen Handlung erwies sich im Verlauf der Verhandlung als nicht erfüllt.

Richter Hussels-Eichhorn wertete das Verhalten der beiden Angeklagten als jugendtypische Verfehlung und stellte in einem Fall eine Reifeverzögerung fest. Er folgte mit dem Urteil dem Antrag des Staatsanwalts. Das Duo war am Tatabend stark alkoholisiert vom Genuss mehrerer Flaschen Bier. Der mutmaßliche Exhibitionist trank zusätzlich eine halbe Flasche Cognac mit Cola, was zu einem Blutalkoholwert von zwei Promille führte. In diesem Zustand betrat das Duo während des Besuchs des Seehasenfests am 16. Juli 2016 um 21.25 Uhr die Spielothek in der Friedrichstraße in Friedrichshafen. Um sein Budget etwas aufzubessern, warf der Angeklagte vier Euro in einen Automaten. Einer weiblichen Aufsichtsperson und ihrer Kollegin fiel auf, dass die beiden betrunken waren, sie hatten zudem Zweifel an deren Volljährigkeit und drückten den Stop-Knopf. Sie forderten die Männer auf, den Spielsalon zu verlassen.

Da die beiden der Aufforderung nicht Folge leisteten, sondern sofort begannen die Frauen auf sexueller Grundlage heftig zu beleidigen, forderte sie eine der beiden auf, ihre Personalausweise zu zeigen. Während sein Freund den Ausweis aushändigte, warf der Hauptangeklagte seinen auf den Boden. Die Mitarbeiterin der Spielothek hob ihn auf und behielt ihn. "Wir wollten zurück aufs Seehasenfest", sagte der Angeklagte. Doch sie konnten nicht, wodurch die Situation eskalierte und der Angeklagte seinerseits die Polizei rief.

Zur Entblößung provoziert?

Laut Aussage der Angeklagten kam es auch zu Beleidigungen seitens der beiden Frauen. "Da war von Anfang an keine Gesprächsebene da", gab der Angeklagte zu, das sei "scheiße" gelaufen. Die Mitarbeiterin rief die Polizei und erstattete Anzeige.

Sie habe dann auf die geringe Größe seines Geschlechtsteils angespielt, sagte er aus. Dies erfolgte offenbar, nachdem sich der Angeklagte mit seinem hohen Gehalt gebrüstet hatte. Von ihrer Andeutung fühlte sich der Mann jedoch dermaßen provoziert, dass er sofort den Gegenbeweis antreten musste. Also öffnete er seine Hose und präsentierte den beiden Frauen mit den Worten "schaut mal" für ein paar wenige Sekunden sein Geschlechtsteil. Die beiden waren zunächst schockiert, lachten ihn daraufhin aber aus.

Als schließlich die Polizei eintraf, war alles wieder ordnungsgemäß verstaut. Verteidiger Peter Lork versuchte das Verhalten seines Mandanten zu erklären: Diese Handlung sei aufgrund seiner Hilflosigkeit geschehen, da ihn die Machtposition der Frau provoziert hatte. "Das ist keine Belästigung", stellte er seine Sicht klar. Die Zeugin leugnete, jemals Anspielungen auf die Größe des Geschlechtsteils gemacht zu haben. Sie habe sich durch den Exhibitionisten weder bedroht gefühlt, noch hatte sie Angst, dass er weiter übergriffig werden könnte.

Beide Angeklagten leben noch zuhause bei ihren Müttern und blicken auf ein beachtliches Vorstrafenregister zurück. Von Drogenbesitz über Diebstahl bis zur versuchten Körperverletzung. Auch saß der Hauptangeklagte bereits in Jugendarrest. Da nach Aussage der Zeugin das Verhalten des Angeklagten nicht sexuell motiviert war, wurde der Vorwurf der exhibitionistischen Handlung fallen gelassen.