Dem 25-Jährigen wurde laut Anklage vorgeworfen, einem 33-Jährigen in einer Häfler Diskothek eine Flasche ins Gesicht geschlagen zu haben und anschließend mit den beiden anderen Angeklagten auf den am Boden Liegenden eingetreten zu haben. Aber wurden die drei Angeklagte vielleicht nur verwechselt, wie sie vor Gericht erneut aussagten? Richter Martin Hussels-Eichhorn und Staatsanwältin Diana Rupflin, den Verteidigern Peter Lork und Gerd Pokrop sowieso, waren jedenfalls die Identifizierung und die Aussagen der Zeugen zu dünn für eine Verurteilung.

Es ergab sich folgendes Bild: Der 25-Jährige und der 28-Jährige waren am 29. Mai 2016 als Discjockeys engagiert. Ebenfalls in dem Club war der 21-jährige Bruder des 25-Jährigen. Gegen 1 Uhr kam eine Gruppe von etwa zehn, zwölf Männern herein, um einen Junggesellenabschied zu feiern, darunter auch der 33-Jährige. Nach Darstellung der Angeklagten brach gegen 2 Uhr auf der vollen Tanzfläche plötzlich eine Prügelei aus.

Der 25-Jährige stand zu diesem Zeitpunkt nach eigener Darstellung und bestätigt von einer Zeugin an der Bar. Sein jüngerer Bruder habe versucht, ihn aus dem Tumult herauszuziehen. Der 28-Jährige wollte nach eigenen Angaben den Streit auf der Tanzfläche schlichten. Das Opfer meinte hingegen, der 25-Jährige habe auf der Tanzfläche hinter ihm gestanden. Er habe vom 25-Jährigen einen Schlag mit „irgendwas Glänzendem“ bekommen. 100-prozentig sicher war er vor Gericht jedoch nicht. Anschließend hätten der 25-Jährige und der 28-Jährige auf ihn eingetreten. Ein Zeuge erinnerte sich nur an eine Schlagbewegung und daran, dass der 25- und der 28-Jährige beim Opfer gestanden hätten. Der 21-Jährige tauchte in beiden Aussagen nicht auf.

Mitarbeiter der Security waren schnell zur Stelle und zogen jeden raus, der in ein Gerangel verwickelt schien. Das Opfer war voller Blut, hatte sich die Nase gebrochen, hatte eine aufgeschlagene Lippe, Platzwunden an einer Augenbraue und einem Ellenbogen sowie einen Haarriss in der Schulter vom Sturz. Verletzt und betrunken, wie er gewesen sei, sei er von einem Türsteher nach den Tätern gefragt worden, die er zuvor nicht gekannt habe. Daraufhin habe man ihm die drei Angeklagten präsentiert.

Die Angeklagten berichteten von einem verletzten, angetrunkenen Mann, der mal auf den einen, mal auf den anderen gedeutet habe und „vermutlich jeden identifiziert“ hätte. Die Polizei übernahm die Identifizierung der Tatverdächtigen. Damals mussten die drei Angeklagten durch die Hintertür der Diskothek flüchten, weil sie von Mitgliedern aus der feiernden Gruppe verbal bedroht worden seien.

Rechtsanwalt Peter Lork hatte in diesem Prozess nach 32 Jahren seinen letzten Auftritt vor Gericht. 2500 bis 3000 Prozesse habe er erlebt, zunächst für eine Kanzlei in Friedrichshafen, ab 1994 mit seiner eigenen Kanzlei in Eriskirch, wie er erzählte. Mit fast 63 Jahren ist er ins Ruhrgebiet zurückgezogen, wo er herstammt.