Ende Mai hatte die Staatsanwaltschaft Ravensburg Anklage erhoben, nun stehen nach Mitteilung des Landgerichts Ravensburg die Prozesstermine: Ab 1. Oktober wird sich der 54-jährige Angeklagte demnach vor der Schwurgerichtskammer wegen versuchten Mordes in fünf Fällen, versuchte besonders schwerer räuberische Erpressung in sieben Fällen und gemeingefährliche Vergiftung verantworten müssen. Insgesamt sind sieben Verhandlungstermine angesetzt.

Polizei stellte bei Festnahme vergiftete Produkte sicher

Der Mann, der im Raum Tübingen festgenommen worden war, hat eingeräumt, im September 2017 fünf Gläser mit vergifteter Babynahrung in Läden in Friedrichshafen platziert zu haben. Weitere Angaben, etwa zum Motiv, machte er bis zum Zeitpunkt der Anklageerhebung nicht.

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Mit der Drohung, 20 weitere vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen, soll der 54-Jährige versucht haben, 11,75 Millionen Euro von Handelsunternehmen erpressen. Bei seiner Festnahme hatte die Polizei vergiftete Produkte sichergestellt. Jede Portion davon wäre tödlich gewesen, teilte die Polizei damals mit. Verletzt wurde aber niemand. 

Blick in einen der damals betroffenen Supermärkte in Friedrichshafen
Blick in einen der damals betroffenen Supermärkte in Friedrichshafen (Archiv). | Bild: Ambrosius

Derzeit sitzt der laut Staatsanwaltschaft bereits mehrfach straffällig gewordene Mann wegen versuchter Freiheitsberaubung eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren ab.  Dabei handelte es sich um ein Urteil des Landgerichts Nürnberg, das zur Tatzeit im Südwesten noch nicht rechtskräftig gewesen war. Deshalb befand er sich noch auf freiem Fuß.

Fünf Babykost-Gläschen mit Ethylenglykol 

Der Erpresser hatte die Beamten tagelang beschäftigt: In einer Droh-E-Mail forderte er die Millionensumme von Lebensmittelkonzernen und Drogeriemärkten - andernfalls wollte er deutschlandweit Produkte vergiften. „Sehr skrupellos“ nannten die Ermittler den Täter.

In den fünf Babykost-Gläschen waren jeweils rund 40 bis 50 Milliliter Ethylenglykol gefunden worden, wie Ermittler kurz nach der Festnahme des Mannes berichteten. Der Täter habe mit seiner Strategie maximale Verunsicherung erreicht, sagte Polizeivizepräsident Uwe Stürmer damals.

„Ein normaler Erpresser droht ein Unbill an, um zur Zahlung zu verpflichten. Der jetzige Täter hat im Grunde genommen nicht nur gedroht, sondern auch gehandelt - und das macht ihn so ausgesprochen gefährlich.“ In der Wohnung des Mannes in Ofterdingen hatten die Beamten etwa ein rund 500 Milliliter fassendes Gefäß entdeckt, das zur Hälfte mit Ethylenglykol gefüllt war.

Anhand der Aufnahmen einer Überwachungskamera in dem Friedrichshafener Supermarkt konnte die Polizei relativ genau bestimmen, wann der Mann das Gift ausgebracht hatte und wann die Droh-E-Mail kam. „Aus unserer Sicht hatte der Täter das überhaupt nicht im Griff, ob so ein Glas abverkauft worden wäre oder nicht. Insofern war das schon ein sehr gefährlicher Fall“, sagte Ermittler Stürmer damals.

Mit Material von dpa