Eine helle Fanfare klingt durchs Dorfgemeinschaftshaus in Schnetzenhausen, zwischen knackigem Blech und freundlichen Holzbläsermelodien tauchen Ausschnitte aus dem "Te Deum" von Marc-Antoine Charpentier auf – kurz und festlich eröffnet James Curnows "Fanfare and Flourishes" den Abend.

"Einmal um die Welt" ist das Motto des Herbstkonzerts der Musikkapelle Schnetzenhausen. Nach dem Ausflug in das Reich des französischen Sonnenkönigs geht es in die Sowjetunion: Dimitri Schostakowitsch komponierte seine "Festive Ouverture" 1954 anlässlich eines Festakts zum 37. Jahrestag der Oktoberrevolution. Wieder strahlen erst die Trompeten, Hörner und Posaunen antworten feierlich. Übermütige Holzbläser legen los wie bei einem Volkstanz und reißen die ganze Kapelle mit. Dabei setzten Hörner und Trompeten punktgenau Akzente in rasende Klarinettenläufe, über denen die Piccoloflöte leuchtet. Fast unmerklich schleichen sich Konflikte ein. Die Akzente der Trompeten werden schärfer, die kleine Trommel treibt aufgescheuchte Flöten vor sich her, wie atemlos hetzen Saxofone von Takt zu Takt. Nach einem Atemholen nehmen alle Anlauf zu einem majestätischen Motiv, das unter immer wilderen Schlagzeugwirbeln zum Schlussakkord führt.

Die Musikkapelle Schnetzenhausen gibt unter der Leitung von Margarethe Saltik ihr Herbstkonzert unter dem Motto „Einmal um die Welt“. <em>Bilder: Corinna Raupach</em>
Die Musikkapelle Schnetzenhausen gibt unter der Leitung von Margarethe Saltik ihr Herbstkonzert unter dem Motto „Einmal um die Welt“. Bilder: Corinna Raupach

Wie eine Versöhnung wirkt darauf der "Sleeping Beauty Walz" von Peter Tschaikowsky, im Original aus dem Ballett "Dornröschen". Mal geben Blechbläser den rhythmischen Grund für sanfte Holzbläserlinien, dann wieder glitzern deren Verzierungen über wiegenden Walzermelodien von Hörnern und Posaunen. Auch den "Coronation March", den Tschaikowsky zur Krönung von Zar Alexander III. komponierte, spielen die Musiker mit viel Schwung, aber differenziert und feinsinnig. Sie lassen Luft durch das Stück wehen, nehmen sich zwischendurch zurück und drängen dann wieder nach vorn.

Dirigentin Margarethe Saltik hält ihre Musiker mit kleinen, präzisen Bewegungen zusammen. Die reagieren prompt auf jede Andeutung, zu hoher Disziplin kommt Spielfreude und viel Sinn für die unterschiedlichen Farben dieses Konzerts. "Das ist meine Handschrift. Für mich gehört klassische Musik genauso zu einer Blaskapelle wie Märsche oder Filmmusik", sagt sie. Dafür probt sie mit den Musikern zweimal in der Woche, je einmal in Registerproben und einmal mit allen. Seit September haben sie an dem Programm gefeilt.

Hoch konzentriert, voll Spielfreude und Präzision spielen die Hornisten und Trompeter.
Hoch konzentriert, voll Spielfreude und Präzision spielen die Hornisten und Trompeter.

Der – nur der Stimmung nach – "leichtere" Teil folgt nach der Pause: "Utopia" von Jacob de Haan startet mit viel Temperament zu Flötentrillern. Immer höher schwingt sich die musikalische Legende von einer besseren Welt auf, ehe ein zart durchsichtiger Mittelteil mit betörendem Oboensolo auf die Zerbrechlichkeit dieser Vorstellungen hinweist. Mitreißende Trommelrhythmen prescht Van McCoys "African Symphony" voran. Die Kapelle malt dazu ein buntes Bild, das die Weite der Steppe, rufende Elefanten, auffliegende Vögel und galoppierende Antilopenherden hörbar macht.

Die Musik zum Feuerwehr-Film "Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen" war eine der ersten, die Hans Zimmer berühmt machte. Eine Glocke läutet die episch angelegte Musik ein und beendet sie wieder. Fast ununterbrochen treibt das Schlagzeug von hinten, in schweren Schritten nähert sich das Blech, Trompeten erinnern an Sirenen, Flöten rufen um Hilfe, bis mit großem Ton die Rettung naht. Die Musik zum Film "The Beauty and the Beast" stammt von Howard Ashman und Alan Menken, in ihr begegnen und streiten sich helle und dunkle Klangwelten bis zum friedlichen Schluss. Mit einem stimmungsvoll getragenen "The Glory of Love" von Jahan de Meij geht das offizielle Programm zu Ende. Für den großen Applaus belohnen die Musiker ihr Publikum mit dem "Fliegermarsch" von Hermann Dostal, bei dem die Zuhörer begeistert mitklatschen.

Der Musikverein ehrt Lena Müller, Jasmina Schönegg und Johann Schraff für ihre Treue und verabschiedet Johannes und Marcus Haug. Von links: Vorstand Jochen Vöhringer, Dirigentin Margarethe Saltik, Marcus Haug, Lena Müller, Johannes Haug, Jasmina Schönegg, Johann Schraff, Antonius Bittner vom Blasm­usikv­erband Baden-Württ­emberg. Bild: Corinna Raupach
Der Musikverein ehrt Lena Müller, Jasmina Schönegg und Johann Schraff für ihre Treue und verabschiedet Johannes und Marcus Haug. Von links: Vorstand Jochen Vöhringer, Dirigentin Margarethe Saltik, Marcus Haug, Lena Müller, Johannes Haug, Jasmina Schönegg, Johann Schraff, Antonius Bittner vom Blasm­usikv­erband Baden-Württ­emberg. Bild: Corinna Raupach