Friedrichshafen – Der Mann sieht aus wie ein Personalberater, wie er da an der schweren Maschine steht: Brille, lichtes Haar, brauner Wollpullover, Jeans und Turnschuhe. Wer nachfragt, erfährt: Er ist Personalberater. Aber nach Friedrichshafen ist der Saarbrücker Jürgen Schulz gekommen, um bei der Motorradmesse als bester Bastler am Bike einen Preis zu gewinnen: den "Best Bike Award". Am Freitag ist Eröffnung, am Donnerstag gab die Messeleitung bei einem Rundgang eine Kostprobe dessen, was das Publikum noch bis Sonntag erwartet.

Zusammengefasst kann man sagen: Die Messe bietet alles, was mit motorisierten Zweirädern zu tun hat: von der Edelmaschine über den Chopper, die neueste Helmmode, die beste Schutzkleidung bis hin zu Biker-Stories zum Träumen. Der erkennbare Trend: Auch bei Motorrädern ist der Retrolook angesagt – allerdings mit Toptechnik zwischen den Knöcheln der Fahrer. Jede Messehalle eine neue Motorradwelt – in einer riecht es etwas streng: Dort toben sich die Top-Trialfahrer Max Faude aus Sindelfingen und Jan Peters aus Mainz mit knatternden Maschinen auf meterhohen Holzkonstruktionen aus. Auspuffqualm mischt sich mit dem Geruch von Schweißarbeit. Es sieht gefährlich aus, was die beiden Motorradfahrer da treiben, aber sie sollten sich mit Luftsprüngen auskennen. Immerhin sind sie Vizeweltmeister: bei den Junioren in der 125er-Klasse und im Team.

Praktisch neu ist die Kawasaki GPZ 750 Uni Trak, die Jürgen Schulz aus Saarbrücken mitgebracht hat, dabei ist sie eigentlich uralt und längst Schrott. Für ganze 450 Euro erwarb der Hobbyschrauber vor Jahren das Motorrad, dessen Look von 1984 diesmal nicht retro ist: Die "Kawa" ist aus jenem Jahr und hatte bereits 17 Vorbesitzer, ehe sie in die Finger von Jürgen Schulz geriet. Das war Glück: Der 56-Jährige ist Zweiradfreund seit er 15 ist, und bastelt auch an allem, was fährt. "Da hatte ich das Teil am Hals", schildert er seine ersten Gedanken nach dem Kauf – und machte sich daran, aus dem Schrott ein ganz neues Motorrad aufzubauen. "Das Basteln ist für mich ein Ausgleich zum Beruf", erzählt der zweifache Familienvater: "Da kann ich mich ein wenig austoben." Das tat Schulz bei dem Motorrad gründlich: Mehr als 500 Arbeitsstunden steckte er über zweieinhalb Jahre rein – nebst 18 000 Euro für neue Teile. "Praktisch alles, was glänzt, habe ich neu gebaut. Da ist so ziemlich alles selbst gemacht." Mit dieser Leistung nimmt er am "Best Bike Award" teil, ein Wettbewerb, der solche Basteleien bewerten und belohnen will. Die Konkurrenz steht schon bereit, unter anderem ein Motorrad in Form eines Bierfasses. Aber Jürgen Schulz ist zuversichtlich: "Ich bin hier, um den Best Bike Award zu gewinnen."

Messe

Die Motorradmesse eröffnet am Freitag um 11 Uhr und findet bis Sonntag statt. 310 Aussteller präsentieren Neuheiten. Das Rahmenprogramm bietet verschiedene Vorführungen. Öffnungszeiten: Freitag von 11 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr und Sonntag 10 bis 17 Uhr.

Informationen im Internet: www.motorradwelt-bodensee.de