Er war Kriegskind, viele Jahre bei Maybach und MTU und in Friedrichshafen vielseitig ehrenamtlich engagiert. Das monatliche Treffen der Gesellschaft für Geschichte und Heimatpflege Ailingen Berg besuchte Siegfried Rehm am Dienstagabend – aber nur zum Teil, um zurückzublicken. Er stellte nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Bernd Fuchs ein so aktuelles wie großes Projekt vor, an dem er aktuell mitarbeitet: die Gründung eines Maybach-Museums in Friedrichshafen. Siegfried Rehm ist stellvertretender Vorsitzender in dem eigens dazu gegründeten Freundeskreis Maybach-Museum. Es gehe darum, mit einer historischen Sammlung an die beiden großen Häfler Erfinder Wilhelm und Karl Maybach zu erinnern.

Wie groß das Erbe der beiden Maybachs ist, stellte Rehm dem 20-köpfigen Publikum im Ettenkircher Hotel „Krone“ in einem Vortrag dar, als er den Werdegang des „Königs der Konstrukteure“ und seines Sohns Karl nachvollzog. Historische Namen durchzogen seinen Vortrag: der des Pfarrers Gustav Werner, in dessen „Bruderhaus“ in Reutlingen der Waise Wilhelm aufwuchs. Der dessen technisches Talent erkannte und förderte. Niemand geringerer als Gottlieb Daimler nahm sich des begabten Lehrlings an, und bei Daimler wurde Wilhelm Maybach zum Chefkonstrukteur, gilt damit als Miterfinder des ersten schnelllaufenden Benzinmotors 1883. Er konstruierte 1901 auch das erste Automobil, das nach der zwölfjährigen Tochter des größten Daimler-Händlers Jellinek benannt wurde und eine Auto-Dynastie begründen sollte: Mercedes.

1908 beginnt Wilhelm Maybachs Engagement in Friedrichshafen, wo er gemeinsam mit seinem Sohn Karl für den Grafen Zeppelin Luftschiffmotoren konstruierte und ein Werk gründete. In der Maybach-Schmiede entstanden damals revolutionäre Motoren für Flugzeuge und Luftschiffe, doch nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Maybachs sich umstellen. Man stieg in den Autobau ein und entwarf eine Reihe von Automobilen, die damals als fortschrittlich galten. Die Maybachs konstruierten damals viele Fahrzeuge, auch Züge, die mit ihren Motoren fuhren. Darunter auch der „Fliegende Hamburger“, der 1932 mit damals sagenhaften 160 Stundenkilometern fuhr.

In ihrem Werk entstanden während des Zweiten Weltkriegs aber auch 140 000 Motoren für deutsche Panzerfahrzeuge. Was unter anderem diese Produktion für Friedrichshafen bedeutete, „haben wir schmerzlich erfahren“, stellte Rehm fest, der sich an die Bombennächte seiner Kindheit noch erinnern kann. 1952 begann er selbst eine Mechaniker-Lehre bei Maybach und erinnerte sich an den familiären Maybach-Geist sowie eine große soziale Einstellung von Karl Maybach. Der hatte gerade zwei Jahre zuvor mit 85 Mitarbeitern das Werk wieder eröffnet – und konnte 1959 zum 50. Jubiläum des Unternehmens wieder 2000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Wende kam nach seinem Tod 1960 und führte dazu, dass Maybach 1969 im MTU-Werk aufging.

Mit seinem Vortrag stieß Siegfried Rehm bei der Gesellschaft für Geschichte auf großes Interesse – ebenso wie die Pläne, diesen für Friedrichshafen so wichtigen Konstrukteuren und Unternehmern mit einem Museum in Denkmal zu setzen.


Freundeskreis Maybach-Museum

Der Freundeskreis Maybach-Museum wurde 2015 gegründet, um ein Museum in Gedenken an Wilhelm und Karl Maybach sowie ihr Werk zu schaffen. Der Freundeskreis, in dem auch die heute in San Francisco lebende Familie Schmid-Maybach engagiert ist, verfolgt dafür aktuell zwei Ziele: so viele Sammlungsstücke wie möglich wieder in Friedrichshafen zu vereinen und einen geeigneten Ort zu finden, sie zu präsentieren. Im Blick habe man das Gelände am Hinteren Hafen. Beim Freundeskreis sei man zuversichtlich, dieses Ziel auch zu erreichen, sagte Siegfried Rehm. Immerhin habe der Freundeskreis auch Oberbürgermeister Andreas Brand unter seinen Mitstreitern. (aep)